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Für ein paar Minuten ein Star

Nach mehr oder weniger intensiven Vorbereitungen sind Steff und ich am Donnerstagmorgen mit dem Auto nach St. Michel im Lungau ans Bordairline gefahren.

Wir kamen pünktlich zum Einschreiben und bezogen auch gleich unser Zimmer. Jetzt ging‘s ans Briefing. Dabei habe ich schon mal den einen oder andere MitAbenteurer kennengelernt. Von der Organisatorin Petra wurden noch mal alle Spielregeln bekanntgegeben. Eine davon war ein 20%tiger Zuschlag zu der erreichten Strecke, wenn man bis 17.00Uhr wieder zurück ist. Was natürlich ganz nach meinem Geschmack war. ;-) (Vielen Dank an Biotech für den Apèretive)

Am Freitagmorgen war bereits um 6.30Uhr frühstücken angesagt, denn um 7.30Uhr war Logger Ausgabe. GPS und den Livetracker der ab Samstag in Betrieb sein wird. So um die zehnvoracht stieg die Anspannung. Unser lokaler Wettervogel versprach uns dann nicht all zu viel und wir starteten punkt 8Uhr bei strömendem Regen. Ja und weil einfach alle davonrannten ging ich auch gleich mit. Kein maulen und rumgemeckerte wegen des Regens. Irgendwie noch ganz lustig was an einem Wettkampf einfach gemacht wird was man sich sonst nie Vorstellen würde.

Auf den ersten paar Kilometer erkundigte ich mich natürlich fleissig über das Gelände und die Region, wie es so zum Fliegen ist und wo die besten Strecken geflogen werden. (Trotz strömendem Regen ;-) ) Der eine oder andere war da für mich schon ganz schön schnell unterwegs und so liess ich die einfach gehen. Nach etwa einer Stunde habe ich Gerold Gold getroffen. Wir hatten etwa das gleiche Tempo und in etwa das gleiche Ziel. So wanderten wir ein zwei Stunden bis die Sonne ein wenig durch die Wolkenlücke schaute. Unsere Wege trennten sich dann für kurze Zeit, da wir einen andere Wartepunkt mit unseren Supportern ausmachten. Nachdem ich die Pelerine und die Gore-Tex Schuhe in kurze Hose und Laufschuhe umgetauscht habe, trafen wir wieder aufeinander. Gerold hatte schon einen Startplatz ausfindig gemacht. Die Idee fand ich gut. Er schaute nochmal kurz auf der Karte und ich sprach einen Passanten an: „ Wo denn der Weg sei ?“ Er war so nett und zeigte uns sogar eine wirklich gute Abkürzung. Vielen Dank. Wir marschierten weiter. Unterdessen war die Sonne so richtig kräftig am heizen. Neben den hohen Regenwolken kamen jetzt auch noch diese Tiefen dazu. Unser Ziel blieb aber das gleiche.

Am Fusse des Berges hat sich die Sonne leider wieder verkrochen und wir rätselten ob wir wirklich hoch gehen sollen. Ein Blick auf die Karte verriet uns einen Weg auf den Berg der, wenn es nicht fliegbar sein sollte, uns wieder auf direktestem Weg hinunterbringt.

Oben bei der Grazz-Hütte angekommen trafen wir noch auf zwei andere Bordairliner. Da es unterdessen schon Mittag um 3Uhr war und die Sicht gleich null, tranken und assen wir eine Kleinigkeit und verrieten uns unsere Pläne. Nur ich hatte bis dahin noch nicht wirklich einen… Jeder von denen hatte einen Berg oder ein Ort als Ziel. Ich orientierte mich eher an der Tageszeit und meiner Körperlichen Verfassung.

Jetzt hiess es für alle den Abstieg wieder zu fuss in Angriff zu nehmen. Aber auch ein Abstieg kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise durchgeführt werden. So trennten sich all unsere Wege und ich war ab jetzt ganz allein unterwegs, was natürlich nicht unbedingt spannend ist. Also telefonierte ich mal in die Schweiz. Eigentlich hatte ich riesen Spass nur meiner Prepay Karte nicht so. J Es reichte dann gerade noch Seff mitzuteilen, dass er mir noch ein wenig Guthaben kaufen soll. Ich konnte nicht mehr diskutieren und gleichzeitig fing es dann auch wieder zu regnen an. So ziemlich wieder wie aus Kübel. Was auch noch dazu kam, ich bin irgendwie vom richtigen Weg abgekommen und stand plötzlich in der Pampa. „Was solls!!!“, dachte ich mir, „ich kenne ja die Himmelsrichtung und gehe einfach mal gerade aus.“ Ja das führte mich durch sehr dicken Wald plötzlich an einen Fluss. Erst wollte ich auch da gerade durch bis mir diese Regel, dass wir keine Flüsse durchqueren dürfen, in den Sinn kam. Also suchte ich mir eine Brücke. Diese Führte mich wieder auf die Hauptstrasse und so hat das geradeauswandern wieder begonnen.

Nach weiteren 2h traf ich dann endlich wieder einmal au Steff der mich mit Guthaben, trockenen Klamotten und Verpflegung versorgte. Und wieder wanderte ich einfach weiter. Auf der Karte noch eine Abkürzung gefunden diese unter die Füsse genommen, einen Abzweiger verpasst und plötzlich stand ich bei einem startmöglichen Platz. Ich musste noch den Bauern, welcher gerade eine Scheune am bauen war, nach dem Ort Schöder fragen. Er Zeigte mir den Weg und meinte, es werde dann aber plötzlich sehr steil…….. J

Vor dem Start habe ich noch Steff Bescheid gesagt und bin losgeflogen. Und es ergab sich mal wieder herrlich. Obwohl wir voneinander nicht wussten wo wir sind, bin ich gerade auf ihn zugeflogen. Der Gegenwind hielt mich dann aber davon ab bis ganz zum Steff zu fliegen. Im Gegensatz zur Startwiese war die Landewiese überhaupt nicht trocken und mein Schirm nass. L

Beim Steff angekommen ist er auch schon am Kochen. Ich freue mich riesig über die Spagetti und das Fleisch. Steff hatte super gekocht doch konnte ich nur ganz wenig essen. Danach musste ich mich mal für eine Stunde hinlegen. Ich wollte einfach nur eine grössere Pause. Doch nach einem Versuch wieder aufzustehen musste ich wieder in meinen Schlafsack. Ich versuchte erst mal zu schlafen. Aber auch das ist nach 12h wandern gar nicht so einfach. Der Körper ist so was von hochgedreht, dass es schwierig ist ganz zur Ruhe zu kommen. Aus dem Schlaf wurden dann etwa 4h Dösen.

So um Mitternacht musste mich Stefan dann ein bischen zum Auto rausloken oder jagen oder so…. Draussen immer noch Regen. Wir besprachen noch die Taktik für den kommenden Tag. Auch das war nicht so einfach. Der Tag versprach eigentlich etwas zu fliegen aber niemand hatte gewusst wie viel und ob überhaupt. Ich war eher skeptisch vor allem wegen der sicherlichen sehr hohen Restfeuchtigkeit. Wir entschlossen uns dann umzudrehen, dass wir auch im dümmsten Fall noch eine Chance habe zurück zu kommen. Wieder einmal mehr hiess es für mich loszuwandern. Statt links gehe ich einfach noch ein paar Schritte nach Rechts um dort den Wendepunkt zu setzten. Ab jetzt spürte ich irgendwie eine kleine Erleichterung auf dem Heimweg zu sein. Und gleich beim Loslaufen empfingen mich 2parallele Sternschnuppen. Herrlicher Start.

Mit vielen Sternschnuppen ging es dann weiter. Aber trotz des super schönen Nachthimmels wurde es mir bald schon wieder zu eintönig. Als erstes hielt ich die Augen offen für eine Bar oder was in der Sorte. Aber entweder war ich überall zu spät oder es hatte wirklich nichts offen. Alles war wie ausgestorben. Also musste halt meine Prepay Karte wieder mal dran glauben.

Um halb fünf in der Früh erreichte ich den Fuss zur Grazz-Hütte. Steffan brachte mir mein Bett und so konnte ich mal knapp 1,5h richtig schlafen. Nach kurzem Frühstück, der Appetit war nicht unbedingt grösser, erklomm ich den 2200m hohen Brewer. Oben angekommen erwartete mich Stefan und eine super Schöne Aussicht mit mehreren Wolkenschichten. Herrlich. Ich wanderte noch einmal fast eine Stunde bis zu meinem Starplatz. Ich knipste noch ein Handyfoto von der schönen Landschaft. Und schwups war ich Leitkuh. Die Kühe von der ganzen Weide kamen ganz nahe Besucht. Jetzt waren meine Wanderstöcke nicht nur mehr Wanderstöcke. ;-)

Ich musste ein wenig Gas geben, wenn ich nur mit dem Schirm und nicht noch mit einer Kuh runter ins Tal fliegen wollte. Zum Glück habe ich auch das ein wenig trainiert. Der Wind war perfekt zum Starten, nur leider musste ich auch in diese richtung fliegen. Nach etwa 20 min stand ich dann wieder im Gras. Auch das war noch ganz nass. Zum Guten hat mich dann Stefan bald wieder mit frischen Socken ausgerüstet.

Eigentlich dachte ich ab jetzt den Rest noch zu wandern. Auf der Strecke richtung Mittelberg, schloss Martin zu mir auf. Er eher schnell ich eher gemütlich. Ich konnte nicht mehr sehr schnell. Wir unterhielten uns eine ganze Weile bis er mich dann wieder selber vorwärts „kriechen“ lies. Unser Ziel war auch das Selbe, Mittelberg. Plötzlich hält ein Biotechfahrzeug vor mir an. Der Sherif. Er kontrollierte meine Ausrüstung. Einfach schnell das Gewicht ausgetestet und gut war es. Ich konnte mit Verdacht weiterlaufen.

Aus noch nicht ganz geklärten Gründen war ich dann aber schneller auf dem Mittelberg als Martin. Wahrscheinlich hatte ich eine gute Route erwischt. Mich erwartete herrlichen Aufwind. Schnell auslegen und ab in die Luft. Endlich konnte ich Thermikfliegen. So kurz vor Schluss des Rennens. Es war eine richtige Genugtuung. Wirklich schön. Etwa eine halbe Stunde und einige Kilometer weiter standen wir (Paul, ich) dann aber gewaltig im Gegenwind und es blieb uns nur noch zu landen. Die letzte Stunde musste ich dann nochmals zu Fuss gehen. Aber nicht so schlimm. Bin ja schon 27h zu Fuss unterwegs.

Kurz vor dem Zieleinlauf hat mich Steff eingefangen und mich gebrieft was mich erwarten wird. Der Empfang war super. Alle Leute sind extra von den Bänken aufgestanden und klatschten. Eine Fernsehkamera und diverse Fotolinsen fingen meine Ankunft ein. Ich ging wie die Radrennfahrer durch die „Menge“ zur Ankunftsglocke. Ein extrem erleichterndes Gefühl durchströmte mich. Getragen vom Applaus versuchte ich einigermassen richtig auf die Fragen des Speakers zu antworten. Er meinte, ich sähe recht fit aus. Ja ist auch so, fühle mich eigentlich noch ganz gut, nur meine Füsse überhaupt nicht mehr, war meine Antwort. Ich durfte dann noch einmal die Glocke läuten und endlich aus den Schuhen raus.

Ich war jetzt im Ziel. Jeep. Der Hammer.

Es gratulierten mir viele Leute die mich einfach gesehen haben als erster einzulaufen. Das alles liessen die Strapazen der vergangenen 33h ziemlich schnell vergessen. Ich genoss es ein „Bizeli“ ;-)

Ja so assen und tranken wir bis zur Siegerehrung und besprachen mit den anderen Piloten wie sie das ganze erlebt haben. Die Siegerehrung hat wie immer hinten begonnen. So bei Platz 8,9 und zurückgelegten Wanderstrecken über 80km dachte ich die haben mich vergessen. Weil aber viele dieser Läufer nicht rechtzeitig zurück waren, reichten mir 57,56km Wandern und 23,35km Fliegen aus für den vierten Platz.

33h die die mir in guter Erinnerung bleiben werden. Vor allem der Empfang…

le chasseur Cross Country, Hike and Fly, Reisen

  1. | #1

    Ciao Bruno

    Gratuliere zu däre super Leischtig und zum coole Bricht :-) Da häsch super gmacht!

    Bis es anders mal i dä Luft.
    Gruess, Marco

  2. | #2

    Vielen Dank an alle die mir schon gratuliert haben :-)

  3. Barbara
    | #3

    hey Bruno, ächt hammer Leistig! wenn chunt d’teilnahm am Xalps? ;-)

  4. Renato
    | #4

    Super Sach!

  5. | #5

    Nomal grati du maschine u au an steff! Jetzt bisch en fernsehstar ;) händer cool gmacht! U das einte wulcheverhangene bild isch de hammer

  6. | #6

    Stimmt: Gratulation o a Steff, wo offebar immer zur richtige Zyt am richtige Ort isch gsi, und ersch no guet choche cha! ;-)
    Danke, dass du üs Daheimblibne ufem Loufende hesch ghalte während äm Race!

  7. Didier
    | #7

    würkli, sehr idrücklich und e tolli Leistig händ Ihr vollbracht. Herzlichi Gratulation:-)

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