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Chelan Open Teil 2

… und hier die Chelan Open Vortsetzung:

Tag 3 (Montag)
Die Montagsstory ist schnell erzaehlt. Es war mit bis zu 45mph schlicht zu windig.

Tag 4 (Dienstag)
Dienstag war ein komischer Tag. Ich hatte wie schon lange nicht mehr ein extrem komisches Gefuehl im Bauch.
Hm, was da wohl nicht stimmen mag? Die Vorhersage sagt immer noch relativ viel Wind voraus aber nichts im Vergleich mit Montag. Einheimische sagen es werde wohl wieder zu windig sein, es wird aber entschieden zum Start zu gehen und mal zu schauen.

Und siehe da, das Wetter ist prechtig und schoene Cumuli stehen nach all den Blauthermiktagen am Himmel. Ich habe immer noch das ungute Gefuehl. Keine Ahnung was, aber irgendwas ist nicht gut. Ich weiss nicht wie es euch geht aber wenn ich das habe hats bisher jeweils gestimmt. Ich entscheide mich dann doch zu starten, bin aber praktisch der aller Letzte.

Es sieht gut aus, die meisten machen gut Hoehe und sind auch schon bald drueben in den Flats.
Ich krazte rum und komme nicht vom Fleck. Den letzten paar Nasen, die mit mir am Butte rumkratzen geht es gleich, es will nicht mehr, die wunderschoene grosse Wolke ueber dem Butte schattet alles ab und schon bald stehe ich in Chelan Town am Boden. Irgendwie froh das ich unten bin wegen meinem mich eindeutig blockierenden unguten Gefuehl, andererseits bin ich ein bischen frustriert ueber den verpassten guten Flugtag.

Spaeter ruft mich Terry an, er sei am Notschirm runtergekommen, irgendwo in den Flats, als er versucht hat 2000 Fuss ueber einer Canyonkannte aufzudrehen, hats ihm den Schirm zerlegt und eingetwistet. Er hat versucht das Ding wieder zum Fliegen zu bringen konnte es aber nicht bewerkstelligen und hat sich dann fuer den Notschirm entschieden.
Sam, ein aufmerksamer Kollege beobachtet ihn und landet im Canyon neben Terry. Es war dann 5km rauswandern angesagt um wieder Mobilfunkempfang zu haben und den Retrival zu organisieren.
Die Landung muss wohl heftig gewesen sein, Terry hat ein Blackout und kann sich nicht mehr an alles erinnern und weiss nicht mehr wo er ist im ersten Moment.
Wir gehen mit ihm kurz ins Spital, ihn auschecken aber alles scheint soweit i.O zu sein mit Ausnahme eines gescholtenen Steisbeines und einer leichten Hirnerschuetterung.

Am gleichen Tag knallt ein anderer Pilot auch runter und muss mit dem Heli ins Spital ausgeflogen werden. Wie sich rausstellt hat er den Ruecken gebrochen, sich aber nachdem was ich gehoert habe, wir er sich wohl wieder vollstaendig erholen! Wow, was fuer ein Tag.

Nun ist mir auch klar was fuer mich nicht gestimmt hat (zwinker).

Tag 5 (Mittwoch)
Heute ist es endlich schwachwindig angesagt. Juhe, endlich. Gleichzeitg schiebt sich aber das Hoch das uns vorher den Wind beschert hat, ueber die Gegend und blockt damit die Thermik ein wenig. Was solls, ich bin guter Dinge und freue mich auf das angesagte 100km Dreieck.

Ich mache relativ gut Hoehe ueber dem Butte und bin mit dem Rest am warten auf die Oeffnung des Startfensters und endlich geht es los! Ich komme gut ueber den Columbia River und mache auch gleich wieder Hoehe am Canyonrand, allerdings nicht so gut wie die anderen. Irgendwie habe ich den Eindruck mein alter Sigma 6, den ich leider immer noch fliegen muss, da mein neuer Ozone Delta noch nicht da ist, eindeutig schlechter steigt als die anderen Schirme. Leider kann ichs halt im Moment nicht aendern und muss mit dem zurechtkommen was ich habe. Ich fliege also tiefer als die anderen ab und treffe auf happiges sinken auf dem Weg zu den Power Lines die den Einstieg zum Platteau kennzeichnen. Ich war guter Dinge das ich ich es schaffe, habe aber den Point of no return ueberschritten und ach so ein Mist ich stehe vor den Power lines auf dem Boden. Ich koennte mir die Haare raufen!!!

Aus lauter Frust entscheide ich mich zurueck an den Canyonrand zu wandern und von da aus nochmals zu starten. gesagt getan, ca 3h spaeter nach dem Runter und Rauf ins Tal komme ich wegen der weit ueber 30 Grad, ausgelaugt, endlich an meinem Startplatz an. Ich bin frustriert und fliege einfach zum Fussballfeld dem Hauptlandeplatz runter.

Was solls, es gibt ja noch einen Tag.

Wie sichs rausstellt schafft es schlussendlich nur einer der Serial Class Piloten bis ins Ziel.

Tag 6 (Donnerstag)
Ok, der letzte Tag des Comps und ich habe noch was gut zu machen nach all den eher schwierigen Flugtagen fuer mich.
Immer noch ist das Hochdruckgebiet wetterbestimmend. Muss sagen ich empfinde Wuesstenwetter kompiniert mit Hochdruckgebiet noch recht schwierig. Die Thermik ist abgehackt und scharf wie eine Kanonenkugel.

Nach dem Start gehts gut rauf auf 1700m, dann gegen den SW Wind wieder upwind und runter bis auf Startplatzhoehe. Dann wieder rauf und runter, insgesammt ueber eine Stunde aber praktisch allen geht es gleich. So ein Mist, ich dachte es waere wenigstens heute noch ein guter Abschluss drin. Irgendwann nur noch auf Buttehoehe werde ich hinter den Startplatz und damit runter gespuelt. Ich fliege schon in Richtung Landeplatz, als ich mich dann doch noch entscheide an den Canyonrand zu fliegen und es wenigstens soarend zu versuchen. Wie ich sehe haben es nur eine Hand voll rueber in die Flats geschafft, die meisten kratzen irgendwo am Canyonrand oder sind schon abgesoffen. Nach einer weiteren halben Stunde und der Gesellschaft eines R10.2 und anderer Schirme finde ich endlich sanfts Steigen.
Terry kommt spaet rueber an den Canyon und fliegt hoch ueber mich hinweg. Ich schaue ihm nach. Huch, was ist denn dass??? Schon wieder sehe ich den weissen Notschirm neben Terrys Schirm aufgehen. Ich versuche ihn anzufunken, hoere aber nichts. Meine Thermikblase hat sich mittlerweille zu einem schoenen Schlauch entwickelt und ich habe endlich das Gefuehl das ich es dort rausschaffen kann. Ich beobachte weiter Terrys Schirm, sehe aber nicht ob sich was bewegt, der Schirm liegt immer noch genau gleich da. Mittlerweile weit ueber ihm kann ich immer noch nichts ausmachen, anfunken bringt auch nichts. Ich fange an runter zu rufen. Nichts.
Ich entscheide mich dann runter zugehen und mache mal grosse Big Ears und steige immer noch. Mein Gott ich haette da rausfliegen koennen, ich will aber wissen wie es Terry geht, alles andere ist mir egal. Ich spirale runter. Fast unten sehe ich ihn dann endlich, er rennt rum und fuchtelt mit den Armen ich soll weiter fliegen er sei ok. Uff bin ich froh! Ich hatte es schon langsam mit der Angst zu tun bekommen.

Leider finde ich den Anschluss nicht mehr und muss landen gehen. Was solls, ich bin froh ist nichts ernsthaftes passiert!

Ich finde am Fussbalfled dann einige der Toppiloten mit ihren R10’s vor. Viele haben es nicht in die Flats geschafft, einige haben jedoch wie immer das Ziel erreicht. Das ist schon eindruecklich wie die fliegen. Ich stehe aber eben mal wieder am gleichen Ort dieses mal aber heil froh!

Hier der Flug

Tja und das war’s auch schon von meinem West Coast Abenteuer. Anspruchsvolles fliegen in anspruchsvollen Bedingungen. Jede Menge gelernt und reicher geworden an Erfahrungen.

Christoph Cross Country, Erlebnisse , ,

  1. 21. Juli 2010, 11:29 | #1

    Ah, darum das Icepeak-Video ;-) Rogallo ist nur zu empfehlen, damit wär zumindest mal das Problem mit dem (zu) schnellen Runterkommen am Notschirm gelöst.

    Btw: Schönes Gebiet!
    http://vimeo.com/13457864
    http://vimeo.com/13503339

  2. 21. Juli 2010, 14:25 | #2

    @Uersel
    Ja genau, wollte es ihm zeigen :-) . Er ist schon ein bischen geschunden aber ansonsten alles i.O.
    BTW, tolle Videos von der wirklich super schönen Gegend um und in Chelan.
    Ist noch interessant die verschiedenen Meinungen zum Rogallo. Verschiedene Leute in Chelan waren der Meinung, dass sie nie einen Rogallo wollen, da er zu kompiziert sei (auch zum packen (?)) und sie lieber was einfaches haben das auch zuverlässig funktioniert. Naja, verschiedene Meinungen eben, ich kenne es ja nur vom hören sagen :-)

  3. 21. Juli 2010, 19:43 | #3

    Ja, es wird halt eben sehr viel geschwatzt ohne auch nur ne Ahnung davon zu haben, wovon man eigentlich spricht…

    Meiner Meinung nach gibt es ausser dem etwas tieferen Preis und des vielleicht etwas kleineren Packmass/Gewicht (obwohl auch dieses Argument bei den neuen Rogallo-Konstruktionen weitgehend vergessen werden kann) kein Punkt, der noch für eine Rundkappe spricht. Leider wird auch von vielen Fluglehrern noch zur Rundkappe geraten, obwohl die wenigsten jemals wirklich beides ausprobiert haben. Ich finde das sehr schade, es geht ganz direkt zu Lasten der Sicherheit.

    Sowohl die Öffnungsgeschwindigkeit als auch die Öffnungszuverlässigkeit (werfen im SAT) ist bei ner Rogallo höher. Die Sinkgeschwindigkeit ist ganz einfach viel kleiner, ne Landung damit ist meist sehr gut zu stehen. Pendeln gibt es nicht.

    Zur Steuerbarkeit: Bei jedem meiner Würfe war ich danach mindestens einmal eingetwistet => erstmal nicht steuerbar. Es hat mich jeweils nur ausgetwistet, wenn ich den Hauptschirm entweder abgeworfen (2x) oder eingeholt habe (1x). Danach hats mich ausgetwistet und die Rettung liess sich problemlos steuern. Wenn das nicht geht, dann gehts halt einfach runter wie an ner Rundkappe, nur viel langsamer. Wie gross das Problem der Scherenstellung ist kann ich nicht sagen, ich habs noch nie live gesehen.

    Zur Packerei: Ich weiss nicht, warum das immer als kompliziert angesehen wird. Die Rogallo muss anders gepackt werden als ne Rundkappe, aber komplizierter ist das eigentlich nicht. Ich hab jetzt 4x selbst neugepackt (und 3x meine selbstgepackte Rettung geworfen), ist alles kein Problem. Eigentlich gibts nur eins, was wirklich beachtet werden muss: Es müssen beim Packen alle Leinen auf der Rogallo liegen, es darf auf keinen Fall eine Leine über die Oberseite laufen.
    Zudem bringen die meisten ihre Rettung ja eh zu nem Notschirmpacker zum neupacken, in dem Fall interessierts ja eh nicht.

    Schlussendlich ists halt so: Ich habe keinerlei Skrupel, eine Rogallo-Rettung auch mal zum Spass zu werfen, damit runterzukommen und auf ner Wiese zu landen (auch schon gemacht). Das würde ich mit ner Rundkappe nie machen. Ich hab einfach schon einige Rundkappenabgänge gesehen, wo Leute pendelnd irgendwo eingeschlagen sind, hat jeweils nicht wirklich gesund ausgesehen. Ganz im Gegensatz zur Rogallo, es sind am Brändlen mittlerweile schon einige damit runtergekommen und es sieht jedes Mal entspannt aus.
    Für mich war die Frage entgültig geklärt, nachdem ich selbst das erste Mal an ner Rogallo runtergekommen bin. Es ist ganz einfach ne wirkliche Alternative, wenn der Hauptschirm mal nicht mehr fliegt. Rundkappen sind für mich eigentlich nur noch im Super-Leichtbereich ne Alternative (allerdings muss einem dann einfach bewusst sein, dass man an sowas wie ein Stein vom Himmel fällt).

    Kurz und gut: Es ist sehr schade, dass sich ein so gutes Konzept wie die Rogallo aufgrund dieser meist völlig aus der Luft gegriffenen Argumente noch immer nicht wirklich durchsetzen konnte.

  4. 22. Juli 2010, 02:35 | #4

    @Uersel
    Vielen Dnak fuer deine ausfuehrlichen Erlauterungen. Ich verstehe dich total. Was soll ich sagen, hab halt mal nach Meinungen gefragt, mehr nicht. Den Rogallo kann ich im Gegensatz zu dir nicht beurteilen.

    Wuerd den Rogallo gern malausprobieren, mal schauen. Beim naechsten faelligen Notschirmkauf werd ichs mir sicher genau ueberlegen was ich kaufe.

  5. Bernd Dressler
    2. August 2010, 10:41 | #5

    Sali Christoph,
    Cooler Bericht aus den USA. Ich hoffe du fühlst dich wohl so weit entfernt im Westen. Seit letzten Oktober habe alle 3 Dresslers (fasch e Familie) das Brevet und dürfen sich vom Berg ihrer Wahl stürzen. Vorgestern 1h am Urmiberg geflogen (die Bahn schliesst Ende Oktober mangels Investoren), gestern Hasliberg Planplatten ( 1h Felswand abkratzen). Habe seit 1 Monat einen Siemens Rückfall und bin jetzt im Testing.
    Many happy landings
    Bernd

  6. Christoph
    Christoph
    2. August 2010, 14:31 | #6

    @Bernd Dressler
    Hallo Bernd
    Schön wieder mal von dir zu hören. Und Gratulation zu den bestandenen Brevets.
    Der Westen um Chelan is eine wirklich schöne Gegned, flugtechnisch als auch sonst.

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