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Auf anderen Pfaden

Juhuu, es ist endlich wieder schönes Wetter! Und auch noch stabil-schön, also nicht stabil-stabil, also so atmosphärenmässig, sondern sonnenmässig, also, ihr wisst schon… ;-)

Nachdem ich mittwochs mit Jan und Stef in Adelboden und an der Mäggisseren Hörmanns Übergang von der schwarz-roten zur grün-blauen Phase schon ausführlich willkommen geheissen hab und es auch am Freitag Abend ein schönes Flügli gegeben hat wars endlich da, das Weekend! Und das ganz in blau!

Zur Erklärung: Der Hörmann gibt Gleitschirmwetterprognosen ab, und die blau eingefärbten Tage sind die ganz guten! Darauf hatten wir doch alle gewartet, obwohl wir nach der langen Regenperiode gar nicht mehr sicher waren, ob wir überhaupt noch fliegen können ;-)

Allerdings waren wir uns am Abend zuvor noch gar nicht so sehr einig, wo wir den eigentlich hinwollen. Einig waren wir uns, dass wir nicht von Fiesch die ewig gleiche Strecke abfliegen wollen, aber alles andere… Nun den, schlussendlich haben sich Domi, Sebi und ich auf Crans-Montana – Bella Lui geeinigt, während Jan den Niesen vorgezogen hat.
Folgendes war das Ziel: Das Wallis für die frühen Kilometer halt noch mitnehmen, die bekannten Pfade aber möglichst schnell über den Nufenen verlassen und danach Freestyle nach Osten…

Eigentlich wollte ich Domi, Daniel und Sebi in Bern treffen, antreffen tu ich aber nur letzteren, der Zug aus Zürich hatte ne Panne und war deswegen verspätet. So reisen wir halt mal nur zu zweit nach Montana weiter um dort dann bald vor ner geschlossenen Gondelbahn zu stehen.
Nach ner etwas stürmischen Beschwerde bei der örtlichen Tourist-Info checken wir irgendwann, dass es ja zwei Bahnen auf den Cry d’Er gibt – von denen die zweite dann auch offen ist. Huh, erleichtert.

Danach gibts ne kleine Wanderung auf den Bella Lui, mittlerweile ist 11 Uhr, Sebi und ich wollen starten und tun das dann auch bald – just in dem Moment als Daniel und Domi am Start eintreffen… was uns Domi noch lange übel nehmen wird ;-)

Naja, jetzt sind wir halt in der Luft, Domi wird mich schon wieder einholen, da mach ich mir keine Sorgen. Es geht schon ganz gut, zumindest bis Leukerbad, dort wirds an den Gemmi-Felsen etwas harziger. Nachdem ich mich doch noch zum Soaren entschliesse gehts dann aber auch hoch, Sebi hat das früher begriffen, ist schon oben und fliegt mal weiter. Nach Leuk gehts für mich noch einmal an die Basis, bevor ich mich vor dem Lötschental weigere, irgendwelche zerissene Geschichten zu drehen.

So fliege ich halt einfach mal weiter und darf mich dann irgendwo vor Visp retten gehen. Sebi hat das Zeugs zuvor gedreht und kann jetzt hoch weiter über den Gipfeln weiterfliegen und ist so bald mal weg.
Aber auch für mich gehts nach nicht allzulanger Überei wieder hoch, von Osten kommen die ersten des Fiesch-FAI-Pulks, mit Roland Mäder und nem R10.2 drehe ich wieder auf.

Durch meine Bastelei hat mich Domi schon beinahe aufgeholt, er tut das auf den nächsten Kilometern noch ganz. Allerdings tönts nicht so motiviert aus dem Funk… Mittlerweile sind wir im Goms, auch ich bin hier nicht sehr motiviert, das altbekannte noch weiter zu fliegen, zudem ists mir zu hackig, es geht zwar super hoch aber ich trau mich hier auf der Nordseite des Tales kaum den Beschleuniger zu drücken, und wenn doch, dann ists so ne Hampelei, dass mir bald beinahe das Bein abfällt. So quere ich kurzentschlossen auf die Südseite des Goms, ein Seitentäli vor dem Nufenen, Domi begleitet mich. Mal schauen, ob das gut geht…

Es ist noch etwas früh für den Move und so meinen wir erst wirklich, den Flug versaut und uns versenkt zu haben. Doch schlussendlich finden wir doch das rettende Steigen und treten den Ritt über das Pässli an. Ganz vorsichtig, wir drehen alles was so kommt, dafür ist der Überflug über den Nufenen geschenkt, auch mit unserem etwas anderen Approach.

Jetzt folgt ein tolles Teilstück. Das Bedretto geht super, nur im Gradausflug gehts zügig hoch und höher. Ich jubiliere und möchte höher und höher, vielleicht lassen sich die 4000m erreichen… Es folgt der Spruch des Tages: “Da ist ne Luftstrasse, nicht höher als 3500m” tönts aus dem Funk. Verdammt, das gibts doch nicht, so ne Scheisse, ich könnte würgen in dem Moment! Also raus aus dem Steigen und wingovern zum Höhe vernichten. Nach dem Flug sehen wir dann, dass wir ohne weiteres noch höher hätten gehen können.

Naja, wir nutzen die ruhige Luft zur Besprechung der weiteren Flugroute, ich möchte quer über alles drüber nach Osten (was für ne ausgeklügelte Strategie ;-) ), Domi das Tessin runter. Vorerst wird uns allerdings die Entscheidung abgenommen, unmerklich hat sich das Gotthard-Saufen von hinten angeschlichen und beisst und jetzt gnadenlos in den Arsch! Es spült deftig über den Pass und so finden wir uns anstatt auf 4000m bald auf 2000m wieder und dürfen uns auf der anderen Talseite retten gehen.

Nach etwas Gefluche schaff auch ichs wieder hoch. Mittlerweile wollen wir ins Bündnerland, in die Surselva, der nächste in Frage kommende Pass wäre der Lukmanier, den steuern wir jetzt an, den wollen wir explizit versuchen. Nach der Querung der Leventina finde ich mich unter ner schönen Wolke und bald auch in nem Hammerschlauch wieder, welcher mich mit mehr als 8m/s integriert (mein Vario speichert nur bis 8m/s ab) überaus ruhig an die Basis katapultiert. Einfach hammergeil!

Es läuft im Moment eh wie am Schnürchen, mit Basishöhe, also ca. 3700m gehts in Richtung Lukmanier. Erster Approach westlich des Passes, an ner schönen Sudflanke, na OK, evtl. etwas sehr verschneit. Es trägt dann auch nicht wirklich, ich flieg weiter über den Pass mit nem unguten Gefühl, es fehlt mir an Höhe… Und schon spülts, ich steure auf der Südseite des Passes noch 2, 3 Hügelchen an, von denen ich evtl. etwas rettende Thermik oder ne Soaringmöglichkeit erwarte, aber nix ist. So gehts weiter der Passstrasse nach runter und runter, und da ist auch meine Landewiese…

Aber siehe da, 100m über Grund fängts doch wieder zu steigen an. Sehr überraschend. OK, versuchen, es ist hackig wie die Sau, irgendwas lee- oder konvergenzmässiges, aber eigentlich hab ich keine Ahnung, was das Steigen hier mitten im überspülten Täli drin soll. Naja, egal, einfach ausdrehen und Schirm offenhalten. Das mit dem Schirm offenhalten ist gar nicht so einfach, zum Glück wirds bald ruhiger und so gehts wieder weit rauf und etwas nördlich wieder an die Basis auf 3700m, sozusagen beim Pass selbst.

Ich jubiliere innerlich und setze zum 2. Versuch, zur nun geschenkten Querung an die nächste Südflanke schon auf der Nordseite des Passes an… und versenke mich jämmerlichst. Ich stehe in nem deftigen Nordwind, komm kaum vorwärts und gleite grottenschlecht… Knapp schaff ichs noch in ein Täli auf der Nordseite des Passes, ansonsten wär ich lange gewandert. Ich hoff, an dessen Südflanke wieder hochzukommen, Soaringgelegenheit sehe ich leider keine.

Ich hab meine wunderbare Höhe in Nullkommanix zur Sau gemacht, hänge tief in dem Täli und find einfach nichts, was ich wieder hochbringt. Das gibts nicht! Für mich ist der Flug hier zu Ende, ich lande beinahe auf dem Pass in nem strammen Nord-Talwind.

Domi, den ich durch die Wände per Funk und auch per Natel nicht erreiche, hats in der Zwischenzeit auch einmal am Lukmanier versucht, den Versuch abgebrochen und fliegt jetzt mit Nordunterstützung noch bis etwas vor Biasca. Ich verpasse leider den Bus, finde aber bald ne nette Mitfahrgelegenheit, lerne dabei noch, was die Unterschiede der 5 in der Schweiz gesprochenen Romanisch-Idiome sind und warum Rumantsch Grischun ein Quatsch ist – wirklich ne interessante Fahrt, an der Stelle noch vielen Dank an die beiden Frauen, welche mich bis nach Biasca mitgenommen haben.
In Biasca wartet Domi schon und so gehts denn auch bald per Zug wieder auf die Nordseite.

War ein toller Flug – ab dem Moment, als wir die bekannten Pfade verlassen und das Goms gequert haben! Und bekanntermassen liebe ich die Pässefliegerei, sich mit dem Gleitschirm neue, andere Regionen zu erschliessen gibt mir bei der Streckenfliegerei immer noch am meisten!

Sebi hats übers Misox und den San Bernadino bis an den Splügen geschafft. Ein wunderbarer Flug ist auch Daniel gelungen, mit Domi gestartet ist er etwas nach uns auch über den Nufenen, weiter nach Bellinzona und danach noch ins Calancatal rein. Sehr geil, wenn das nicht motiviert!

Hier die Flüge auf xcontest:
Domi
Daniel
Jan
Sebi
Urs

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  1. 30. Juni 2010, 12:01 | #1

    Hey Urs, einmal mehr ein toller Bericht mit schönen Fotos! Hat Spass gemacht, das zu lesen (bin gerade wegen Rückenschmerzen, von denen ich nicht weiss, woher sie kommen, gegroundet). Nach dem Absaufen ist die freundliche Mitfahrgelegenheit doch tröstlich. Weiter solch quere und inspirierende Flüge und viele Grüsse, Thomas

  2. 30. Juni 2010, 22:27 | #2

    Merci Thomas. Die Fotos sind übrigens von Domi. Gute Besserung, hoffentlich wirst fürs Weekend wieder fit!

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