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Versöhnung mit dem Jura

Ist es im Jura nicht immer so, dass, wenn man am Startplatz steht, immer mit dem Gedanken spielt: “Mann, viel Höhe hab ich da nicht…” Und hemmend kam heute noch dazu, dass während der Anfahrt bis weit nach Westen das Wetter nicht wirklich rosig ausgeschaut hat. Doch bei Yverdon angekommen sah die Welt schon viel schöner aus. Blau, schon ein paar Wolken über den Gipfeln und gemütlich sonnig warm. Zum Startplatz konnten wir gemütlich mit dem Posti raufdüsen und dort oben angekommen konnte man mal schön die Aussicht geniessen.

Doch über unseren Köpfen bildeten sich schöne Wolken und es war erst knapp 10:00 Uhr. So bestätigte sich die Emagramm-Prognose. Nun konnten wir noch hoffen, dass der Gradient auch so super ist wie angesagt. Neben uns war noch der Navette-Fahrer am Start und er zeigte uns, dass es ja schon lupft und man eigentlich raus kann. Jan war in Nullzeit bereit und setzte uns schon gut unter Druck ;) . Dann raus, schon am Anfang gab Sebi die Pace vor und stoffte mal nach Westen. Gefolgt von Jan, Urs, Christoph und mir. Es trug erstaunlich gut, noch nicht hoch nach oben aber schon ganz tip top, man musste nicht Angst haben abzusaufen. Somit war bestätigt, dass der Gradient ebenfalls gut war. Leider verlor Christoph ein bisschen den Anschluss und so waren Urs und ich die zweite Gruppe nach dem Lead :D .

Der vorhergesagter Westwind war mit etwa 10km/h schwach und wir kamen zügig nach Westen. Leider machte beim Le Suchet Urs einen Fehler, flog zu weit draussen und kam so zu tief. Er hat es dort leider nicht mehr geschafft und musste unten auf einem Feld landen. Zum Glück nahmen ihn ein paar Piloten wieder rauf und so konnte er doch noch etwas Flugzeit am Icepeak sammeln.
Beim Le Suchet war interessant, dass der ganze Hügel voll abgeschattet war, trotzdem produzierten die Bäume im Tal unten so viel Thermik, dass es auch im Abgeschatteten stieg. Ich wollte nicht weiter nach Westen und beobachtete mal Jan und Sebi. Sie flogen noch ein wenig weiter nach Westen, um den Schenkel zu verlängern, um dann ebenfalls umzudrehen. Ich war nicht unglücklich über ihren Entscheid und gleitete mit nem Nullschieber zurück in Richtung Mauborget.

Heute hatte ich die Kamera meiner Freundin dabei, nach etwas Gebastel und Rumgefummel war das Riesen-Ding dann endlich auch so positioniert, dass es nicht beim Fliegen störte ;) . Trotzdem sah ich entweder das GPS ned oder das Vario. Hab mich mal für das GPS entschieden, da der Jura doch recht luftraumverseucht ist :) . Wieder bei Mabourget angekommen war unser Grüppchen nur noch zu dritt, doch hier schloss sich Jean-Pierre Oudot an einem Gin Boomerang GTO an. Nun war ein kleines Race lanciert, Sebi machte Druck auf uns und gab das Tempo vor, der Rest versuchte den Anschluss nicht zu verpassen. Doch da er sehr oft und gerne das Gas verwendete war er doch immer ein Stück tiefer nach den Querungen und so holten wir ihn bei Boudry wieder ein und konnten ein bisschen in Führung fliegen. Generell war es eh cool, dass wir zu viert unterwegs waren, so konnten wir gut sehen, welche Linie am effizientesten ist.

Bis vor dem Chasseral konnten wir fast ohne zu drehen beinahe straight durchfliegen. Beim Chasseral angekommen hatte ich zuerst die Idee, an die hintere Krete bei Saint-Imier zu wechseln, da die Wolken dort sehr schön standen. Doch auch über dem Chasseral standen sie gut, nur störte mich der riesige Wald Richtung Orvin. So entschied ich mich mit Jan, bei Diesse an die vordere Krete zu wechseln. Während wir dort aufdrehten, sahen wir, wie die anderen zwei schön unter der fetten Wolke nach Orvin gleiteten. Schade, war ne kleine Fehlentscheidung, die uns einige Minuten kostete. Jean-Pierre querte danach bei Orvin an die dritte Kette und Sebi bei Friedliswart. Hier hatte ich auch schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Eigentlich hätte ich auch an die dritte Kette wechseln wollen, da dort wirklich schöne Wolken standen, doch hab ich mich ein wenig von Jan verleiten lassen, der an der zweiten durchfliegen wollte. Diesen Entscheid hab ich sehr schnell bereut. Denn da war das Gefühl wieder: Absaufgefahr :D . So waren wir nicht mehr hoch und hatten Glück, das bei der Hochspannungsleitung, vermutlich durch die Masten, Thermik abgelöst wurde und wir uns so wieder nach oben bescheissen konnten.

Doch diese Aktion hatte Zeit gekostet! So sah ich Sebi vor dem Weissenstein tief unten und sicher 10 Minuten vor mir. Doch auch er hatte sich einen kleinen Fauxpas geleistet und war dort am rumkratzen. Vor dem Weissenstein kam Jan sehr tief und verlor so den Anschluss an die Sebi Verfolgergruppe :) . So flog ich mal mit Jean-Pierre zum Stierenberg. Dort gab es einen interkulturellen Austausch über den Röstigraben wegen der TMA Basel, da wir nicht wussten, ob sie aktiv ist, entschieden wir uns mal unter 1750m zu bleiben. Das störte auch nicht sonderlich, da es bombastisch zog. Ich hab vermutlich noch nie so viel die Ohren meines M3 angelegt wie dort. Komischerweise beginnt das Ding in der Konfiguration manchmal zu pulsieren und zu schlagen. Hat mich erstaunt!

Kurz vor Olten wollte ich eigentlich ins Flache stechen, als ich aber Sebi tief bei Olten ausgemacht hatte, hab ich den Entscheid verzögert und bin ich wieder zu ihm aufgeschlossen. Leider hatte sich Jean-Pierre zu weit nach hinten blasen lassen, kam dort in irgendne Abwindregion und war so, mittlerweile bei Olten, sehr tief unten. Deshalb nur noch zu zweit zog es uns jetzt doch ins Flache. Da Sebi keinen Funk hatte flog ich mal voraus und hoffte, dass er mir folgen würde. Das tat er dann auch und so flogen wir unter gut ziehenden Wolken gemütlich in Richtung Baar. Doch leider sind mittlerweile von Westen immer mehr Cirren aufgekommen, welche die Thermik merklich dämpften, nur noch die grossen Töpfe sorgten für nutzbare Thermik. Beim Baldeggersee haben wir dann nix mehr rechtes gefunden so und stand ich kurz danach auf dem Boden. Sebi versuchte sich noch an einer ganz kleinen Blase und ich hab schon gedacht, dass er es schaffen würde. Doch auch diese Blase war am absterben und so leistete er mir einige Minuten danach Gesellschaft ;) .

Unten angekommen stellten wir fest, dass wir doch leicht in der Pampa gelandet waren. Auch der Bauer staunte nicht schlecht, als er vernahm, dass wir nicht aus einem Flugzeug gesprungen sondern vom westlichen Jura her gekommen sind ;) . Glücklicherweise erbarmte sich die Bäuerin den armen Riesenrucksackträgern und fuhr uns runter zum Bahnhof. Vielen Dank nochmals! In der Freude über so einen coolen Flug grinsten wir nur in der Gegend rum und hatten einfach eine scheiss Freude. So habe ich mich doch mit dem Jura versöhnt und hatte nicht immer Panik abzusaufen ;) .

Ich glaube allen gelang einen guten Flug (Urs auch einen zweiten ;) ). War mega!!!!!
Bilder: Domi
Flüge: Domi / Jan / Sebi

Skydive Cross Country, Erlebnisse ,

  1. 31. Mai 2010, 08:16 | #1

    Wow, was für nä Flug! Das sött äxtra Pünkt gä im CCC :-D

  2. Rafi
    31. Mai 2010, 17:23 | #2

    Congratulation – Wahnsinn, was ihr da leistet! :-)

  3. 31. Mai 2010, 20:01 | #3

    coole brecht ond hammer flög. gratuliere.
    ich stune dass der nach 6h emmer no benand gsi send. da mueni au mol meterläbe. bende denn de beschlüniger grad före ;-)

  4. 31. Mai 2010, 23:03 | #4

    super bricht, er machet scho cooli sache!

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