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Das Wallis-BEO-FAI

Uh, was für ein Flug! Nervenzerrend! Eigentlich wollt ich meine Pflicht erfüllen und die Querung ins Glarnerland nachholen, aber da gibts ja immer noch das Fanaser Kapazitätsproblem. So wurde ich von Jan dazu genötigt, die Riederalp abzuklappern. Unter Protest bin ich dann um 8 Uhr in Visp erschienen ;-)

Und dann wurden Pläne geschmiedet. Standarddreieck kommt ja eh nicht in Frage, also hat sich Jan einige andere Möglichkeiten ausgedacht. Das eine oder andere scheiterte an TMA’s, bis wir dann auf die glorreiche Idee kamen, ein FAI mit 2 Schenkeln ausserhalb des Wallis zu legen. Alles andere als effizient zu fliegen zwar, aber wir waren trotzdem sehr überzeugt von der Idee und natürlich von uns ;-)

Auf der Riederalp begrüssten uns zwei Helis der Air Zermatt, welche im 30-Sekundentakt irgendwelches Baumaterial just vor dem Startplatz hin- und hertransportierten. Das hat Jan allerdings nicht gestört, er war wirklich extrem spitz darauf, in die Luft zu kommen, obwohl es noch viel zu früh war.

Es flog dann doch und so konnte ich guten Gewissens auch starten ;-) Mir kommts ja schon etwas komisch vor, irgendwelche Zusatzschlänker wegen irgendwelcher Wegpunkte zu fliegen, aber Jan bestand darauf und so gings erst mal für einige Meter in Richtung Brig.

Irgendwie war Jan hier immer hoch und ich immer tief, war mir etwas suspekt. Jan aber nicht und so gings nicht lange und er war schon ausser Sicht… So musste ich halt auch mit, obwohl ich immer noch nicht grad hoch unterwegs war. Ging dann für meine Begriffe auch etwas sehr tief in Richtung Fiesch, aber es ging und irgendwann auch wieder hoch. Wirklich ein Genuss war das noch nicht, Absaufgefahr eminent.

Jetzt kam der Genussteil. Der Einzige. Goms rauf mit etwas Rückenwind. Nie sehr hoch, aber über den Wäldern flog es gut und so konnte ich mich an Jan heranpirschen, Ende Goms waren wir wieder beisammen. Er hat dann wieder einen der erwähnten Zusatzschlänker über die Passstrasse hingelegt, da hab ich dann aber nicht mehr mitgemacht ;-) So gings, dieses Mal mit mir als Lead, wieder das Goms runter.

Das war denn auch der Start der Krise. Dieser blöde Westwind! Nicht viel, aber rumzuschleichen im Speed mit 30km/h hat mir zunehmend aufs Gemüt geschlagen. Und immer wars auch mühsam hackig, keine Basis, trockene Thermik und für meine Begriffe unruhige Bedingungen. Bis Bellwald war ich dann soweit, dass ich mir recht konkret überlegt habe, in Fiesch landen zu gehen ;-)

Aber nein Üse, der Himmel ist blau, es fliegt ja, so irgendwie! Kannst doch nicht wegwerfen! Zurück an der Fiescheralp bin ich etwas konzeptlos rumgegurkt und so hat mich Sterri wieder ein- und überholt. Das hat mich auch nicht grad motiviert ;-) Und dann das Weiterfliegen entlang Fiescher-, Bettmer- und Riederalp, das gab mir beinahe den Rest! Mann, dieser elende Gegenwind, so werden wir morgen noch hier rumhängen… So nahm ich mir vor, nochmals an der Riederfurka aufzudrehen um dann zu schauen, ob weiter oben der Wind vielleicht schwächer wäre, ansonsten Abbruch der Übung.

Der Wind war nicht schwächer. Abbruch der Übung? Nein, der Stolz war stärker ;-) Und was hätte Jan auch ohne mich gemacht ;-) Das wär natürlich gar nicht gegangen!

Also, neues Ziel, alle Geschwindigkeitsansprüche in den Wind schiessen, hoch bleiben, nicht im Haupttal versaufen und dann halt gepfegt in Leukerbad landen gehen ;-) Dass mir Jan entwischt ist, damit hatte ich mich abgefunden. So hab ich denn alles gedreht, was nach Steigen aussah, einzig vor der Lötschentalquerung hat mir ein Segelflieger beim Drehen ganz arg Angst gemacht, das hat 2 Mal sehr nach Kollisionskurs ausgesehen und war schlussendlich sehr nah, danach hatte ich genug, nichts wie weg da!

Immer noch das mühsame Fliegen gegen den Wind. Wie soll ich mich nur motivieren…? Aber easy, Leukerbad ist nicht mehr weit, bis dorthin schaff ichs noch… Komischerweise bin ich dann vor Leukerbad doch wieder auf Jan getroffen, er hat wahrscheinlich gewartet ;-) Etwas Rumgeschreie “BEO seht güet üs!”, “Ja, nüt wie weg us em Wallis!” Ah, war ich froh, dass wir endlich dieses Tal mit seinen heute gaaanz anstrengenden Bedingungen verlassen konnten.

Aber was war das? Jan setzte zu nem weiteren Waypoint-Schlänker in Richtung Montana an! Nein, muss das wirklich sein…? Ich will doch nur einfach über diesen Pass!
Easy Üse, das kommt jetzt schon gut, machen wir auch noch mit. Endlich durfte ich dann in Richtung Pass fliegen, juhuu, weg da. Hat dann etwas Mühe gekostet, so einfach wie das letzte Mal gings nicht hoch, und vor allem nicht so weit rauf.

Aber egal, viel Höhe ist ja nicht notwendig, markante Südwände warten drüben, die werden mich schon wieder hochblasen. Überraschenderweise liess mich die erste eher fallen, Jan, der dort höher angekommen ist, drehte inzwischen auf. Ich flog weiter, Kandersteg, Oeschinensee, dort muss es einfach gehen. Es ging dann auch, tief noch mit Talwind vermischt sehr turbulent, aber es ging. In erster Linie galts, den Schirm offen zu halten, Steigen war genug da und solange der Schirm offen blieb, stiegt er auch. Übrigens ein schönes Plätzchen dort…

Endlich gerettet, Jan war mittlerweile weg. Ich wollt auch mal etwas Gas geben, einfach weiter, nicht an den Harder, schlechte Erinnerungen, direkt über den See. Nun, so flog ich mal so dahin, irgendwie war ich zu faul, um hackiges (aber gutes) Steigen zu drehen und so gings tiefer und tiefer und zur Rettung halt dennoch an den Harder.

Hier ging die Geschichte dann entgültig ans Eingemachte. Viele soarende Piloten, man stieg nicht weg, ich hab beinahe nen Nervenzusammenbruch gekriegt. Zudem wars hackig, hat mir einige Male deftig den Schirm gebeutelt, muss spektakulär ausgesehen haben für den Passagier am Tandemschirm ;-) Und ich habs nicht gepackt, bin einfach nicht hoch- und weggekommen. Aber ich muss da weg, sonst…

So startete ich ein Ausflügli in Richtung Habkern, hoffentlich etwas talwindgeschützter, irgendwo gehts sicher rauf. Schöne Wolken weiter hinten, es war klar, irgendwo ist da Steigen, also los Üse, jetzt finde es endlich, es ist da, ganz bestimmt! Und da war es, aber hackig und pulsierend, gibts nicht was feineres, konstanteres… Nein. So versoff ich irgendwann in Habkern. Nix wurde es mit wieder zurück ins Wallis fliegen.

So gings zurück nach Interlaken auf den Zug. “Ging” ist wörtlich zu nehmen, es nahm mich leider auf dem Weg von Habkern nach Interlaken niemand mit und auch der Bus fuhr an mir vorbei… Schlussendlich gings mit dem Amisbühl-Bus immerhin noch das letzte Stück zum Bahnhof.

Jan hats weiter geschafft, seine SMS kam denn, nicht ganz überraschend, aus Kandersteg, der Schlüsselstelle dieses Streckenplans. Ging sich für ihn für ein FAI aus, cool! Und ich hab diesen Flug über die Gemmi mittlerweile auch schon genügend oft gemacht, neue Ideen sind gefragt! Einige sind schon da, mal sehen, was daraus wird…

Heute war ich einfach nicht wirklich bereit, diese ganze Hackerei zu ertragen, nicht bereit für nen richtigen Streckenflug in eher turbulenten Bedingungen. Kopfsache, da hats an Bereitschaft gefehlt, ansonsten hätt da mehr gehen müssen. Aber immerhin ist der Flug noch ganz OK geworden.

Hier mein Flug auf xcontest.

Hier Jan’s Flug auf xcontest.

Fotos sind allesamt von Jan, aber trotzdem schön ;-)

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  1. Peter J.
    30. April 2010, 13:15 | #1

    Tolle Sache und ein interessanter Flug. Es ist immer wieder ein Genuss die Berichte Eurer Flüge zu lesen. Dieser ist Dir speziell gut gelungen, weil man sich gut in Deine Gemütslage einfühlen kann. Auch die Bilder sind sehr beeindruckend und schön. Wirklich super!

  2. Clemens
    30. April 2010, 16:16 | #2

    Macht wirklich Spass Eure Berichte zu lesen. Die Motivationsprobleme hatte ich auch schon. Mit nem breiten Grinsen im Gesicht lese ich das es anderen auch ab und zu so geht! :-) )
    Weiter so auf neuen routen! Danke, Clemens

  3. 30. April 2010, 19:31 | #3

    schöner flug. was neues ist immer gut.
    ich kann dir genau nachfühlen. mir ging es am letzten sonntag etwa so… ;-)

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