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Jura-Plausch

Manchmal ists schwer, hinter geschlossenen Storen im Geschäft vor dem grellen Bildschirm zu sitzen, zu hacken, nicht dran zu denken, das grad jetzt draussen die Sonne scheint und die kalte Luft an tristen Waldhängen zum Kochen bringt. Der Dienstag war so ein Tag, glasklar, dass in der frischen Luft des noch jungen Jahres was gehen wird, Sebi und Jan in Fiesch, Janine in Fanas habens bewiesen.
Aber nix zu machen, machmal gehts einfach nicht und für mich gilt das bis auf weiteres jeweils für den Anfang der Woche.

Dafür hats am Mittwoch gepasst. Nun, die Luft ist nicht mehr ganz so explosiv und vor allem hat sich mittlerweile ne Föhnströmung eingestellt, ich brauche nen Wink von Domi um drauf zu kommen, dass dies im Frühling ja die geeigneten Bedingungen für den Jura sind. So wandere ich also um 10 Uhr gemütlichen Schrittes auf die obere Wengi um mich auf der Startwiese mal breit zu machen.

Kein Mensch weit und breit zu sehen. Bruno und Rafi sollten irgendwann noch auftauchen, ich warte. Es geht ne Weile, bis die ersten Piloten erscheinen, dabei die gesuchten Gesichter und auch Barbara, welche hier auf nen Geburtstagsflug aus ist. Ich möchte aber nicht mehr lange warten, die Sonne bescheint die Hänge schon lange und auch ein lauer Aufwind hat sich etabliert, es muss gehen und so wird schnell ausgelegt.

Puh, in der Luft… Mit dem Startplatz sind nicht nur gute Erinnerungen verbunden, eigenartigerweise denke ich grad in dem Moment dran, als ich abhebe. OK, mal schauen, was geht, es blubbert und Meter um Meter geht’s nach oben, langsam und zäh, man säuft nicht ab aber auch Überhöhen der Hügelkette ist nicht wirklich drin.

Es geht wirklich nur zäh. Bin ich erst noch vorsichtig so verliere ich alsbald die Geduld und fliege halt trotz fehlender Höhe mal weiter. Nach Westen gehts, langsam, ein Hangaufwind-Grundrauschen plus einzelne Thermikpeaks halten mich auf ner halbwegs konstanten Höhe, tief, Höhe Hügelkette, zumindest etwas Angst vor dem Absaufen ist immer da.

So etwa auf Höhe Welschenrohr bin ich dieser Schleicherei überdrüssig, wenn’s nicht bald mal besser geht, dann lass ich das für heute… Was machen? Die Lösung soll weiter nördlich zu finden sein, Wolken bauen sich dort auf, kein hammer XC-Himmel aber allemal besser als hier… Und so geht’s, nachdem ich mich um etwas Zusatzhöhe bemüht habe, auf nen Sprung  an die dritte Kette.

Tatsächlich, hier geht’s auf Anhieb besser. Endlich mal die 1700 erlaubten Meter erreicht, auf einmal wirds dann sogar knapp weil das Steigen überraschend grossflächig ist. Aber weiter gehts, über Moutier und weiter in nen bewaldeten Kessel.

Der macht mir etwas Sorgen… Quer über alles verläuft ne Stromleitung und ich bin wieder mal nicht eben hoch unterwegs. So gilt mein Augenmerk primär mal dem gesunden Überqueren dieses Zauns, danach wird’s schon wieder irgendwo raufgehen. Doch mit ner erneuten Thermiksuche muss ich mich gar nicht beschäftigen, ein Leitungsmast fungiert offensichtlich als Thermiktrigger, endlich, endlich gehts mal richtig weit und richtig schnell nach oben. Ganz geil, ein perfekter Schlauch, völlig ruhig und grossflächig gehts bis an die Basis.

Yeah, so macht das schon sehr viel mehr Spass! Ich versuche, noch etwas weiter der Ridge zu folgen, allerdings bläst hier ein markanter Südwind und so ist meine schöne Höhe bald auch schon wieder weg. Erst versuch ichs so halbwegs soarenderweise noch etwas an der Ridge, bald bin ichs mir aber leid, hier im Wind rumzustehen und lasse mich weiter nach hinten verblasen. Werden sehen was kommt, ansonsten trete ich halt von hier den Heimweg an.

Nähe Glovelier erspähe ich dann tief unten nen Boomi, kratzend irgendwo über kleinen Hügeln. Oben dran sind Wolken, er scheint trotz seiner geringen Flughöhe nicht zu versaufen, irgendwo wirds dort hochgehen. Mit etwas Glück fliege ich direkt in den Schlauch und werde wunderbar zügig an die Basis geblasen. Während der arme Boomi derweil immer noch tief am Kratzen ist (er hats später auch noch rauf geschafft) darf ich hier zwischen Wolkenfetzen rumgondeln, ne offensichtlich etwas feuchtere Warmluftblase kondensiert alsbald weit unter mir, wunderschönes Fliegen am Rand der entstandenen Wolke.

Derweil merk ich nicht, dass ich mich hier wieder in TMA-Gebiet aufhalte, ich sehe später, dass ich nur durch Zufall in der CCC-Toleranz geblieben bin ;-)

Wo möchte ich den eigentlich hin? Gegen Westen werden die Wolken wieder kleiner und verlaufen sich schon bald im milchig-blauen Himmel. Gegen Nordosten sieht der Himmel besser aus, also dann versuch ichs dort. Aber nein, hier fliege ich gegen nen Wind an… Ok, dann solls halt doch erst nach Westen gehen, danach umkehren und nach Osten zurück. So der Plan, los geht’s.

Wieder mal überquere ich den Mäander des Doubs bei Pruntrut, Frankreich kann nicht mehr fern sein… Es geht nicht mehr so toll hoch, ich möcht eigentlich nur noch einmal an die Basis und danach umkehren… Aber eben, was einfach scheint ists nicht immer, es steigt zwar noch einige Male halbherzig, aber nach der vergangenen Flugstunde bin ich verwöhnt und erwarte mehr. So ende ich irgendwann tief über den Hängen des Doubs-Flusstals. Den Rest geb ich mir, als ich, einer vermeintlich schlauen Idee folgend, ne Rauchfahne anfliege, welche sich nach geländenahem Verlauf irgendwo ablöst, in der Hoffnung, dort den Thermiktrigger gefunden zu haben. Funktioniert nicht und so versenke ich mich tatsächlich grad neben dem Doubs.

Naja, schlimm ists nicht. Ist ein wirklich schönes Fleckchen Erde dort, die Sonne scheint, die Luft ist warm, nur das Wasser des Flusses etwas kalt. Aber zumindest die Füsse müssens erdulden.
Die Heimreise gestaltet sich nicht schwierig, aber zeitlich etwas aufwändig… Nachdem ich erfahren hab, dass ich grad etwa 300m neben der Grenze, allerdings schon in Frankreich, gelandet bin (in Brémoncourt), überquere ich diese wieder, dieses Mal zu Fuss, um danach per Autostopp nach St.Ursanne zu gelangen. Von dort gehts per Regio nach Basel und weiter per IC nach Luzern. So vernachlässige ich immerhin meine Lernereien nicht…

War wieder mal nen wunderschönen Ausflug in den Jura, genau das Richtige an nem Arbeitstag :-)

Hier mein Flug auf xcontest.

Auch Domi, Jan und, wie erwähnt, Bruno sind an diesem Tag im Jura geflogen. Hier ihre Flüge auf xcontest:
Domi, Jan, Bruno

Uersel Cross Country , , ,

  1. 31. März 2010, 19:12 | #1

    War ein cooler Tag. Entlich mal wieder Thermik.

  2. Christoph
    Christoph
    1. April 2010, 00:23 | #2

    Sieht nach einem schönen Frühlingstag aus…
    …. ach wie schön.

  3. 1. April 2010, 11:01 | #3

    @Christoph
    Komm du halt endlich wieder in die Schweiz ;-) Nein, geniess dein letztes Jahr noch, und wünsche nen thermikreichen New Yorker Frühling :-)

  4. Christoph
    Christoph
    1. April 2010, 15:38 | #4

    @Uersel
    Ja, ja, recht haste aber ändern lässt sich das halt nicht ganz so leicht.
    Muss schon sagen der Sebi scheint ein bischen verwühnt worden zu sein iher an der Ostküste oder hat einfach alle guten Tage aufgebraucht. Seither wars echt mager (Terry).
    Aber Kopf in den Sand stecken machts auch nicht besser. Ich plan jetzt mal in Richtung Chelan Open…..

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