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Nach Piotta über Umwege

Trotz den vielen, vielen, meist nicht so sehr erfolgreichen Versuchen bin ich wieder mal optimistisch, dass heute alles besser wird und ich auch wieder mal nen längeren Flug machen kann. Die Vorzeichen sind super, das Wetter könnte nicht besser sein. Leider hat Sebi Prüfungen, Domi ist am Arbeiten und Jan in der RS, so sind wir heute nur zu zweit unterwegs, Stef M. ist auch noch dabei.

Waren auf der Anfahrt noch überraschend wenige grosse Rucksäcke zu beobachten so nimmt deren Dichte zur Fiescher Seilbahn hin stetig zu um… Viele nutzen das Wetter gleich für nen etwas längeren Aufenthalt im Wallis, die Gondel ist den auch gefüllt mit Gleitschirmen und einigen Deltas.

Auch am Start ist demzufolge keine ruhige Bergwelt. Glücklicherweise habe ich heute neben all den anderen Vorbereitungen mal keinen Notschirm umzupacken, trotzdem gilt es früh zu starten und so lege ich den Schirm mal aus. Doch vorerst vergesse ich das starten, seit ner Ewigkeit treffe ich Kathi wieder mal, so toll! Am Anfang eines Urlaubsjahres ist sie mit ihrem Stef V. hier am Tandemfliegen. Stef V. seilt sich alsbald zu seinen alpsfreeride-Kollegen ab, die am oberen Startplatz ausgelegt haben, während ich endlich wieder mal erfahre, wie’s meiner lieben Fluglern-Kollegin so geht. Ich hätte mich gerne noch etwas länger unterhalten, aber mittlerweile ist Stef M. gestartet und mein ausgelegter Schirm blockiert den Startplatz, so muss ich mich den halt leider von Kathi verabschieden und auch in die Luft…

Der Start ist etwas peinlich, aber schlussendlich schaff ichs nach einigem Hacken-rennen doch noch in die Luft. Nur langsam gehts rauf, aber es geht allen ähnlich und ich hab definitiv keine Eile, heute will ich in erster Linie lange in der Luft sein und nicht wieder blöd irgendwo schon nach kurzer Zeit am Boden stehen.

Über Bellwald lass ich mir etwas Zeit, was sich als gar nicht mal so langsam herausstellt. An der nächsten Krete ist Chrigel mit seinem Xalps-Schirm am Kratzen und zeigt uns nen Schlauch, er macht sich aber auf nach Westen. So gehts den gemütlich weiter in Richtung Grimsel, ich finde irgendwann mal nen schönen Schlauch, der mich weit rauf bringt und so fliege ich das Ganze nun etwas weniger absaufgefärdet weiter hinten über dem Grat.

Vor der Grimselquerung sind viele am Suchen des ominösen Schlauches, der doch irgendwo stehen sollte um einem nochmals in die Höhe zu spicken. Aber wie so oft scheints den nicht zu geben und so gehts halt direkt rüber. Problemlos erreiche ich mit Jörg Ewald den Rohnegletscher.
Dort verliere ich immer Zeit, so auch heute. Während andere recht mühelos aufdrehen, schaukel ich irgendwo in der Gegend rum und kann das Angebotene nicht nutzen. Während Jörg mit einigen anderen schon am Rohhoren ist, bin ich immer noch am Suchen. Irgendwann finde ich dann doch was Steigendes, aber das ist so turbulent, dass ich nonstop das Gefühl habe, es zerlege mir im nächsten Moment den kompletten Schirm. Nach einigen gewonnen Höhenmetern muss ich dort weg und habe prompt nicht die Höhe, um weiter hinten anzuhängen. Zurück auf Start. Stef ist mittlerweile auch hier, viel höher angekommen und dreht schon in ner wunderbaren Höhe etwas weiter vorne. Ich mühe mich noch einmal ab, während es für mich auch langsam hochgeht überquert Stef schon die Furka und hängt mich ab. Na dann…

Irgendwie kommen immer wieder Schirme von der Furka her zurück… Ich weiss zwar nicht warum, aber wirklich beruhigen tuts mich nicht. Trotzdem hab ich irgendwann mal die nötige Höhe und fliege ab. Schlussendlich ist zumindest die Furka selbst nicht wirklich ein Problem, locker spülts einem ins Lee. Schon wieder bin ich tief irgendwo am Kratzen. Nach einigem Suchen gehts dann aber endlich hoch und rüber zum Oberalp. Uff, nicht versoffen, zumindest mal bis hier, jetzt schön vorsichtig weiter…

Ich mach viel zu viel Höhe für den Oberalp und geniesse etwas die Aussicht nach Norden. Gemütlich! Was trinken, es etwas regnen lassen, ahh, das Leben ist schön :-) Einzig die Variotöne beunruhigen mich irgendwie, so hören die sich doch an wenn dem Vario demnächst der Saft ausgeht. Aber sind neue Batterien drin, no problemos…

Weiter gehts die Surselva runter. Immer schön hoch, kein Risiko heute Urs, gemütlich, lange fliegen, dann gehts auch weit. Ich hab mir am Vorabend mal Sebi’s Dreiecks-Idee angeschaut und mir nen Wendepunkt bei Sumvitg rausgeschrieben, den fliege ich jetzt an. Die Bedingungen sind wirklich perfekt, sozusagen kein Druckunterschied, man spürt nur ne sehr leichte Westkomponente, die Basis ist hoch, es muss einfach gehen. Also rüber übers Tal und drüben wieder an die Basis. Ich bin jetzt schon seit längerem so hoch, dass das die Variobatterien offensichtlich genügend lange kalt gehabt haben und sich das Vario deswegen verabschiedet. Aber die Batterien sind fast neu! Es muss am Kontakt-Widerstand liegen. Zum Glück steigts aber auch ohne Vario. Mit ner wunderbaren Höhe fliege ich auf ne riesige Radarstation zu und grad vor dem sich drehenden Radar durch… Da macht man sich andere Gedanken!

Ich schüttle dieses blöde Vario, schlage es gegen die Schnallen, gegen die Karabiner und den Helm, irgendwie müssen sich die Kontakte doch reinigen, muss sich das Ding wieder zum Laufen bewegen. Und siehe da, nach 5 Minuten bangen piepsts wieder. Es hört sich zwar sehr zart und und zerbrechlich an und ich wage das Gerätchen kaum anzurühren, aber es piepst! Zum Strom sparen schnell den Sinkalarm raus und auf die leiseste Stufe, gut, es scheint die Prozedur überstanden zu haben. Sorgenfrei gehts weiter.

Im Tessin angekommen steigts zwar immer noch sehr zuverlässig, aber häufig nicht mehr so sehr schnell. Ich bleibe vorsichtig schön hoch, schaue aber je länger je häufiger auf die Uhr… Nein, vorsichtig bleiben Urs, das ist egal, ganz gemütlich, nichts riskieren und blöd vesaufen wenn’s endlich mal gut läuft, einfach bis 21 Uhr fliegen, dann könnt es immer noch reichen… ;-)

Weiter gehts bis vor Bellinzona, dort fliege ich raus in Richtung Stadt, halt soweit wie’s meine zur Vorsicht mahnende innere Stimme erlaubt, und wieder zurück. Das Steigen ist mittlerweile doch schon etwas schwächer, aber glücklicherweise finde ich grad vor der Biasca-Querung noch nen guten Schlauch, der mich zügig nochmals auf 3000m bringt. So gehts mit ner super Höhe über Biasca, endlich bringe ich während eines Fluges die Gatorade-Drinkflasche mal leer.

Drüben siehts mittlerweile sehr blau aus. Doch der Leventina-Ostflanke entlang gehts zuverlässig, eigenlich müsste man nicht einmal drehen, einfach dem Gelände entlang soaren und mit dem eigenen Schatten spielen. Das ichs nicht bis ins Goms schaffen werde ist mittlerweile sehr wahrscheinlich, klar, die Hoffnung stirbt zuletzt. Vor Airolo hat sich ne etwas höhere Wolke gebildet, die schattet gegen Süden leider etwas ab. Airolo zu erreichen wär schon angenehm, von dort hätt ich nen super Anschluss nach Hause. Aber leider gehts langsam aber sicher tendenziell nur noch runter, ich lass mich einfach mal weiter nach hinten spülen, so genau weiss ich gar nicht, wo ich bin. Auf einmal weitet sich das Tal und ne Startpiste ist auf mich gerichtet, ah, Ambri…

Ja wo soll man den da landen wenn nicht auf dem Flugfeld? Dieses passt hier irgendwie grad so in den Talkessel, viel Platz für was anderes ist da nicht mehr. Aber ich muss da runter, ich hab keine Wahl, hoch komm ich nicht mehr… immerhin scheint kein Betrieb zu sein ;-) Schlussendlich lass ich mich halt einfach noch ans Ende der Startbahn blasen und lande bei Piotta grad vor der Piste in nem angenehm schwachen Talwind.

Beim Zusammenlegen warte ich konstant darauf, dass ein Fahrzeug hält, mir jemand auf italienisch die Leviten liest und ich noch was abdrücken muss ;-) Aber nix geschieht.

Leider ist der Anschluss nicht ganz so top. Nachdem mich niemand bis Airolo mitnimmt warte ich in Piotta ne halbe Stunde auf den Bus, der mich nach Airolo bringt. Dort ist der Zug aber grad vor 5 Minuen weg und so darf ich nochmals ne Stunde warten. Aber eigentlich ists mir egal, endlich hab ich Zeit das Erlebte zu geniessen und zu verdauen.

Und noch was zum Sebi-Dreieck: Dieses sollte wirklich gehen! Der erste Turnpoint ist vielleicht etwas weiter die Surselva runter zu setzten (z.B. bei Trun, meine Turnpoints hätten wahrscheinlich ganz knapp nicht für 200km gereicht) um dann etwas weiter östlich ins Tessin zu queren und durchs Blenio nach Bellinzona zu fliegen. OK, die Bedingungen waren perfekt, aber wenn’s fliegt wie heute dann geht das und spart schätzungsweise etwas Zeit. Viel Rennstrecke ist auf jeden Fall auf der gesamten Route vorhanden und wenn man nicht so gemächlich wie ich unterwegs ist, dann siehts gut aus. Wie’s im Bedrettotal und am Nufenen am Abend aussieht weiss ich halt nicht.

Der ersehnte tolle Flug hat doch noch stattgefunden, mein erst 2. Hundert+ in diesem Jahr und mein erster (willentliche) Dreiecks-Versuch ever. Zwar mit ner alles andere als berauschenden Geschwindigkeit von gut 19km/h geflogen, aber super wohl gefühlt, genossen, Spass gehabt die ganze Zeit und nie gross vor nem Absaufen zittern müssen. Ich hab den Flug echt gebraucht! Jetzt kann ich wieder riskieren :-)

Hier der Flug auf xcontest.

Stef M. ist bis Chur. Hier sein Flug.

Und hier noch der Flug von Kathi und Stef V..

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  1. Christoph
    Christoph
    21. August 2009, 04:02 | #1

    Aber holla! Wirklich toller Flug Urs und ewig lang. Gratulation.
    Weiter so.

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