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Nicht immer nur Punkte, aber Erlebnisse

Prognose: Aufkomender Föhn, Emmagram ned wirklich ansprechend, Inversionen auf diversen Höhen.

Generell macht mich diese Prognose nicht direkt an, um fliegen zu gehen. Doch durch Zweifel, dass ich etwas verpassen würde, ging ich doch mit Jan und Sebi nach Fiesch. Zum Glück haben meine Zweifel mich nach Fiesch geholt, denn sonst hät ich einiges Verpasst. Aber dies musste erst reichlich erarbeitet werden.

Zuerst war es irgendwie komisch stabil im Goms. Man kam relativ gut hoch über Fiesch, doch dann war Bellwald überspült und erst mehrere Kreten später kam man hoch. Jan zog gut davon und Sebi parkierte sich mal bei einer Krete. Ich hab mir Zeit genommen mal ein  bisschen Höhe zu kommen. Doch nach und nach kam eine ganze Traube Gleitschirme zum Grimsel. Irgendwie sah es auf Ursener Seite für mich nicht wirklich prickelnd aus und somit entschied ich, wieder runterzubrettern. Leider blies ein strammer Ostwind uns ins Gesicht. Wenn man sauber an der Basis klebte, war von dem Wind nicht viel zu spüren. Da ich nicht die Wolken von drinnen sehen wollte, hielt ich teilweise zu viel Abstand und landete somit immer wieder im Ostwind.

In Fiesch angekommen hatten mich Sebi und Jan schon ein rechtes Stück stehen gelassen. Doch langsam gewöhnte ich mich wieder an die Thermik nach meiner langen Absenz und ich getraute mich wieder nen bissel agressiver zu fliegen. So konnte ich dann auch die ganze Meute beim Lötschberg einholen. Interessanterweise kamen alle Thermiken heute aus dem Lee. Per Funk schlug ich vor mal über den Pass zu flitzen. Leider hatte Jan seinen nicht bereit und so hoffte ich, dass er uns folgen wird. Sebi lies sich Zeit und wartete geduldig, bis auch ich Basis hatte und wir glitten in das Berneroberland.

Für mich war es die erste Überquerung ins Berner Oberland. Ich denke der Lötschbergpass ist ein relativ gemütlicher Pass, da es auf der anderen Seite direkt wieder runter geht. Nicht so wie bei Urs als er über den Gemmipass flog und fast wieder aufsetzte. Als wir rüberquerten sah man schon was auf uns wartete. Am Horizont lag eine fette Inversion. So gleiteten wir am Oeschinnensee vorbei bis kurz vor Frutigen. Wie nicht anders möglich, fanden wir im Lee durch Hilfe einen Schlauch und so arbeiteten wir uns ans Gehrihorn vor. Doch Sebi fand einen Schlauch und ich kämpfte und kämpfte und kämpfte und es ging einfach nicht über die Krete. Irgendwann riss auch am ewigs wartenden Sebi der faden und er glitt weiter an den Dreispitz. Schlussendlich kapitulierte ich und glitt mit verringerter Tiefe ebenfals an den Dreispitz. Dort angekommen konnte man wieder bis an die Inversion ran und wurde dann gestoppt. In letzter Verzweiflung querten wir noch an die Wätterlatte und dort konnten wir die Inversion durchbrechen.

Doch im schwachen Steigen, lies mich Sebi wieder liegen und ich glitt mit knapper Höhe über den nächstliegenden Grat zu Interlaken. Ganz eindrücklich war für mich, der Wechsel von der Berglandschaft zum Flachland. Wobei das beim Niesen ganz gut sichtbar wurde, da es sozusagen der letzte Berg war vor dem Flachen.

Jan machte noch den taktisch besseren Entscheid und flog noch über das Doldenhorn und glitt nachher noch bis Grindelwald.

Für mich kam noch ein weiterer Aspekt hinzu. In letzter Zeit war ich immer unmotiviert zu fliegen, wenn der Flug nicht mehr Punkte lieferte damit man im CCC besser wurde. So hatte ich auch ein bisschen die Freude am fliegen Verloren. Doch nun mit den neuen Flügen und den Coolen Pässeüberquerungen habe ich die freude am wahren Fliegen wiedergefunden. Neue Gebiete zu erkundschaften und neues sehen.

Flüge: Dominik / Jan / Sebastian

Fotos: Dominik / Jan / Sebastian

Skydive Cross Country, Erlebnisse , ,

  1. Thomas K.
    2. August 2009, 10:40 | #1

    Hoi Dominik, hoi Jan und Sebi
    Auf Eure Flüge bin ich neidisch. Die Querung ins BO habe ich noch nicht gemacht und ich denke, solche Flugerlebnisse sind in der Erinnerung viel mehr wert als die XC-Punkte. Die Alternatiuve wäre ein Ziel-Rückflug gewesen. Sicherlich anspruchsvoll aber nichts dagegen! Übrigens war ich gestern an der Wispile, wo es ordentlich + sehr turbulent zuging. Gegenüber dem restlichen BO ist dieser Talkessel super labil. Hatte beinahe Föhnangst ;-)
    En liebe gruess, thomas

  2. 2. August 2009, 13:45 | #2

    Hey, schöne Flug uf d’Nordsite! Lötschepass isch sicher vel schlauer als d’Gemmi, ha eifach nid gwüsst, dass die sich no so zieht… ;-)

    Vor allem unter dr unterschte Inversion het me geschter so richtig de ganzi Dräck gseh (und gschmeckt), wo so i d’Luft gloh wird am 1.Auguscht… Het no guet usgseh ;-)

  3. 2. August 2009, 15:24 | #3

    Schöne Flug heit dir da gmacht! Schad het euch nid bis zum Sihlsee glängt ;-)
    See you

  4. Johannes
    2. August 2009, 19:53 | #4

    Servus

    Ich bin ja sicherlich der letzte, welcher XC-Punkte mehr gewichtet, als das fliegerische Erlebniss und eure Flüge nach Zernez, Maloja und jetzt der Lötschenpass sind die coolsten des Jahres im CCC. Allerdings frag ich mich, ob ihr es nicht später bereut, wenn ihr eure jetzigen Spitzenplätze auf dem Endspurt so leichtfertig aufgebt. Aber vielleicht spricht da auch nur der Neid aus mir ;) Gratulation zur tollen Leistung, ihr seid ein tolles Team und ich drück euch weiterhin die Daumen!
    En Greuss, Johannes.

  5. 2. August 2009, 21:28 | #5

    @All
    Thx für die netten Worte.

    Wegen den Pünktchen. Wie man ja an diesem Tag sehen konnte wäre es noch gut möglich gewesen, Dreiecke zu fliegen.
    Ich denke alle von uns waren von Anfang des Jahres sehr motiviert weite Strecken und viele Punkte zu machen. Vor allem hatte Sebastian grossen Erfolg damit. Doch was mich ein bisschen stutzig machte war, dass damit ein enormer Druck auf andere Piloten ausgelöst worden ist. Indirekt natürlich auch auf mich, da ich meine Leistung mit seiner ebenfalls verglich. So zählten Flüge unter 150km nichts mehr und ich war dann enttäuscht obwohl ich einen guten Flug erreicht hatte. Diese Entwicklung schockierte mich schon ein bisschen.
    Weiter habe ich das Gefühl gekriegt, dass gewisse Leute für Punkte fast alles machen. Das nachfolgende soll für niemanden eine Anschuldigung sein und es ist nur meine Sichtweise. So hatte ich den Eindruck, dass Piloten fliegen, bis der Schirm um die Ohren klappt oder der Föhn einem in die Knie zwingt. Für mich ist das eine gefährliche Entwicklung. Aber es liegt nun mal in unserer Art.
    Über all dem ist wirklich die ganze Freude untergegangen und so denke ich nicht, dass es uns sehr beschäftigt, wenn wir die Leiter runterrutschen. Denn wie Sebi schon mal sagte, es ist nur ein Hobby, dass wir nichtsdesto trotz mit Leidenschaft betreiben. Ich hoffe einfach nicht das in nächster Zeit wieder mal ein grösserer Unfall passiert.
    Und natürlich würde ich mich auch freuen wenn ich die 200km Marke knake aber der Tag wird kommen und er wird nicht auf biegen und brechen erzwungen sein.
    Hoffe habe jetzt niemanden zum Feind oder irgendwelche Gefühle verletzt ;)

  6. 3. August 2009, 07:59 | #6

    Ein Pilot, welcher schon lange und sehr gut fliegt, hat mal zu mir gesagt: Es sind nicht Punkte und Kilometer, welche beim Fliegen zählen, sondern nur das Grinsen, welches man nach der Landung auf dem Gesicht trägt!
    Wie recht er damit hatte …

  7. 3. August 2009, 13:53 | #7

    @Skydive
    Meine Gefühle hast du schon lange verletzt mit deinen weiten Flügen :-)

    Ich seh’s ja eigentlich gleich, aber trotzdem bin ich halt immer noch ehrgeizig… Nicht das ich Erfolg damit hätte, aber für mich kommt sofort so was wie ein Wettkampfgedanke auf wenn ich z.B. mit einigen anderen nach Bellwald quere und es dann das Goms rauf geht. Mag armselig klingen, das ist mir bewusst, aber so empfinde ich es halt. Und ganz nebenbei: Dieses Fliegen macht mir oft auch Spass! Ich kann mich noch an den Flug irgendwann mal anfangs Jahr erinnern, als ich mit Sebi zusammen das Goms rauf, runter und weiter bis Leukerbad geraced sind (dort haben sich dann unsere Wege getrennt), das hat Spass gemacht! Sich gegenseitig pushen, mal läufts dem einen besser, mal dem anderen, das motiviert ungemein und ist zumindest für mich eine weitere Seite, welche ich auch wirklich spannend finde und mir was gibt.

    Ich muss auch sagen, dass es mich schon stolz machen würde, wenn ich im xcontest den einen oder anderen Tag gewinnen könnte oder zumindest gut platziert sein würde. Nicht dass ich da irgendwo in der Nähe wäre, aber bedeuten würde es mir auf jeden Fall was! Deshalb ist für mich dein Satz, Barbara, einfach etwas unvollständig. Die Absicht zur Leistung und damit auch zum Erfolg ist ein Aspekt, welcher für mich auch beim Fliegen auf jeden Fall ne Rolle spielt, mir was bedeutet und mir auch Spass macht, so ehrlich muss ich sein. Kann auch sein, dass sich so ein Satz etwas leichter spricht, wenn man sich mal nen Leistungsausweis erarbeitet, seine eigenen Ansprüche erfüllt und es sich selbst gezeigt hat, dass man es “kann”.

    Das ist grad in diesem Jahr nicht wirklich der Fall bei mir. Und so wird der Leistungsanspruch, welche ich selbst an mich habe, mit der Zeit zur Belastung. Grad durch Sebi wird uns ganz direkt klar, was möglich ist an Tagen, wo ich selbst auch geflogen bin und in erster Linie durch schlechte Entscheidungen einen weiten Flug verhindert habe. Leistungswille macht dann Spass, wenn ab und zu auch der Erfolg da ist und damit die Bestätigung.

    Zum Problem wird das Ganze für mich, wenn eine gewisse Ausgeglichenheit unter den Aspekten fehlt, die mir für einen tollen Flug wichtig sind. Und diese Ausgeglichenheit war schon seit Anfang dieses Jahres vor allem durch den Anspruch, welcher ich mir dann gestellt habe, nicht mehr gegeben. Wie Domi sagt beunruhigt es mich dann, wenn ich eigentlich zufrieden und für mich stimmig gelandet bin, mir dann aber am Boden Vorwürfe mache, weil ich weiss, dass der Flug im xcontest nicht viel Wert sein wird. Mich persönlich stört das jetzt mehr als der Sicherheitsgedanke, weil ich weiss, dass ich trotz dieses Druckes eigentlich eher zu sicher unterwegs bin, zumindest beim Streckenfliegen ;-)

    Was möchte ich sagen: Ein Flug, welcher meine Leistungsansprüche befriedigt, kann sehr wohl ein sehr toller und befriedigender Flug grad deswegen gewesen sein. Handkerum fehlen diesen Flügen meistens viele Aspekte, welche mir grad in letzter Zeit wieder sehr wichtig geworden sind, nämlich: Mit einigen tollen Leuten gemeinsam einen guten Tag gehabt zu haben, zusammen zu landen um zu zu hören und erzählen zu können, in der Luft Zeit zu haben um wahr zu nehmen, wo ich mich eigentlich befinde, was für ne geile Landschaft sich mir da einfach so erschliesst und was für neue Wege ich ohne viel Aufwand nehmen kann… Somit muss so ein Flug halt einfach weit sein, ansonsten fehlt die Befriedigung.

    Naja, das scheint halt so ne Entwicklung zu sein, die ich mache. Dinge ändern sich und ab und zu orientiert man sich neu, was nicht heisst, dass die Streckenfliegerei, auch orientiert an Punkten, für mich nichts mehr zählt. Schlussendlich ists einfach, wenn man Freude an dem hat, was man so macht, dann ist es, wie’s sein soll.
    Was ich mir wünsche sind mehr dieser gemeinsamen Flüge wie z.B. dieser zusammen mit Janine durch den Jura, nicht wirklich weit aber sehr entspannend und wunderbar durch verschiedene Gegenden. Und wenn man dann das zusammen erlebte am Schluss auch noch gemeinsam wiederkäuen und sich erzählen kann, dann stimmts halt einfach.

    Und gegen Herbst hin machen wir dann wieder einige Wanderflugtage, nicht…? ;-)

  8. 3. August 2009, 15:35 | #8

    @Uersel
    Wieder mal eine Urs Abhandlung ;) , das nächste mal bitte noch mit Zeilennr. damit ich Referenzieren kann :D

    Du bringst es auf den Punkt Urs. Auch ich hatte letztens mal mit dem Sebi ein cooles Race in dem wir uns gepusht haben und einen 2-3er und einen Wettkampfschirm eingeholt und liegengelassen hatten. Das hat riesig Spass gemacht und es war auch ein kleiner Wettkampf zwischen uns entstanden.
    Doch da ich in letzter Zeit nur auf km geflogen bin und dementsprechend enttäuscht war, wenn der Flug kurz war. Tat es mir jetzt besonders gut, wieder ein bisschen die km zu vergessen und die Erlebnisse in den Vordergrund zu rücken. Nun muss ich noch die richtige Mischung finden und dann wird das schon gut ;)

    Jap und im Herbst natürlich wieder auf die Berge kraxeln und Runterfliegen. Freu mich schon drauf :)

  9. osimo
    osimo
    3. August 2009, 16:16 | #9

    Schliesse mich da meinen Vorrednern an. Punkte sind schon ok, aber man darf sie auch nicht überbewerten.
    Das gute am XContest ist, dass er dazu animiert das Maximum aus einem Tag zu holen und richtig weit zu fliegen!
    Die Negative Seite ist, dass etwas die kreativität verloren geht und auf biegen und brechen versucht wird Punkte zu machen. Z.B letztes Wochenende sind ja praktisch alle blindlings in den Föhn reingerösselt…
    ab Mi Grosses FAI in fiesch?

  10. 3. August 2009, 16:21 | #10

    @osimo
    Ich kann leider nicht den ganzen Tag sondern nur am Nami ein wenig, schade, sieht gut aus, nicht…

  11. Johannes
    3. August 2009, 21:35 | #11

    Servus
    Na bei so viel Einklang kann ich ja wieder beruhigt schlafen, oder eben nicht mehr, weil ich ab Mittwoch wieder gespannt den xcontest verfolgen muss ;)
    nachdem mir am letzten Samstag der Föhn einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, geh ich ab Mittwoch noch mal in die Region um den Albula. Und da ich Wurm das nicht von Fiesch aus schaffe, werde ich mal wieder die Wadderln für den Wanderherbst trainieren `:/
    Toitoitoi für’s Wallis und auf tolle Erlebnisse rund um’s Fliegen,
    En gruess, Johannes.

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