Nach Westen hin
Ein bisschen bevor sich Urs nach Osten aufmachte, hatte ich die Idee nach Westen aufzubrechen. Allerdings hatte ich mich für die Faule Variante entschieden mit dem Zug/Auto/Flieger zu reisen.
So machte ich mich am Montag den 6.07. auf mit dem Zug von Basel via Genf nach Montpellier wo mich Martin einer der berühmten X-riders (das Französische Pendant zu den airaddicts) aufgabelte. Nachdem wir das Polizeiverseuchte Montpellier (Tour de France) verlassen hatten gings via Perpignan in die Cerdagne nach Estavar in den Pyrenäen. Wo mich Nina, die ich von unserem Airaddicts Trip nach Australien her kenne, empfing.
Estavar liegt fast an der Grenze zu Spanien und gehört klimatisch gesehen zur spanischen Seite der Pyrenäen, was sich meist in einer deutlich höheren Basis äussert.
Doch als wir über den Grimsel der Cerdagne (weil er auch nen hübschen Fallwind produziert a la Grimsel) fuhren, war nicht viel zu sehen von den Bergen, alles war Nebelverhangen und alles war grün und es sah ähnlich aus wie in den Alpen. Martin erzählte mir, dass normalerweise alles gelb ist um diese Jahreszeit und die Region eine der sonnigsten Regionen Frankreichs ist.
Wesshalb ja auch der four solair dort gebaut wurde. Ein grosses Spielzeug für grosse Jungs mit x hundert Parabolspiegeln können im Brennpunkt 3700°C innert weniger Sekunden erreicht werden! Aber was sie genau machen ausser Sand zu Glas zu schmelzen und andere Materialien zu versengen weiss ich nicht, spielen halt
Am nächsten Tag war alles noch recht zu und es sah nicht nach Flugwetter aus, so gingen wir wandern. Die Pyrenäen sind wirklich toll zum wandern! Alles ist leicht begebar und man braucht meist keinen wirklichen Pfad. Auf dem Weg hatte es etliche grosse Boulder, die richtiggehend danach schrieen beklettert zu werden. Ich bereute sehr meine Klettefinken nicht mitgenommen zu haben, doch ein paar Boulder hab ich trotzdem geschafft, ganz nach dem Motto: „who needs feet, lets campus“.
Das Wetter blieb schlecht zum fliegen, zwar war es sonnig doch auch sehr windig. So hatte ich das vergnügen zusammen mit Nina auf den Markt zu gehen und Honig zu verkaufen, den ihre Eltern in ihrem Kleinbetrieb selbst produzieren. Zuerst schaute ich nur zu, doch bald lernte ich die Honig-verkäufer Sprache: Miel de Framboisier, c’est un Miel très doux. On a aussi Pissenlit de la nouvelle récolte usw…
Und am Ende des Marktes schaffte ich es sogar ein paar Gläser zu verkaufen. War wirklich mal eine lustige Erfahrung hinter dem Marktstand zu stehen und auf Französisch ein Verkaufsgespräch zu führen.Es folgten einige weitere ausgedehnte Wanderungen, besuch von heissen Quellen und ich erlernte noch etwas mehr Imkerhandwerk (Waben aufschneiden u. Zentrifugieren).
Dann am 10.07 war es Fliegbar und nach dem Morgen Markt starteten wir am Reumeux. Es war ein deutlicher Westwind zu spüren, der verhindert hat, dass es wirklich überentwickelte. Es stieg (zu)gut und ich konnte eine kleine Runde drehen und die zuvor Bewanderten Plätze schnell abfliegen. Dann landete ich in Estavar im Cerdagne Grimseler, auch ein Erlebnis
Der darauf folgende Samstag war dann nochmals fliegbar, recht stabil, aber ich konnte mich immer genügend hoch schrauben um ein paar Wingovers zu machen und am Schluss hats dann sogar noch nach hause gereicht.Somit ging dann die kurzweilige Cerdagne Woche schon zu Ende und ich machte mich auf nach Piedrahita.
Mit dem Regiozug gings durch die Pyrenäen nach Barcelona und von da mit dem Highspeed Zug in 3h nach Madrid, wo mich Steve Ham zusammen mit einer Gruppe Engländern und 2 Holländern vom Flughafen abholte. Kaum in Piedrahita angekommen fuhren wir auf den Berg und genossen eine wirklich geile Abend Soaring Session! Soaren am Starplatz und dabei versuchen immer einen Fuss am Boden zu behalten, tiefe Wingover, mit max. speed über die Strasse rauschen usw…
Das Wetter in Piedrahita war sehr stabil, viel Sonnenschein aber auch eine mächtige Inversion auf 2200m die im laufe des Tages nicht durchbrochen wurde. So sah dann jeder Tag ähnlich aus, so gegen 12h am Startplatz noch 1-2h warten, dann für ein paar Stunden relativ tief aber zuverlässig übers Flache gondeln, dann irgendwo absaufen und um 19h gings wieder auf den Berg um noch 1-2h zu spielen. Interessant war es auch mit den Störchen zu fliegen, die um diese Jahreszeit ihren Jungen das Thermikfliegen beibringen um dann nach Afrika weiter zu fliegen. Die Geier waren aber meist die besseren Thermik Indikatoren, die sollte man echt in den Alpen ansiedeln, wirklich nützlich die Vögel!
Ich war mit Abstand der jüngste in unserer Gruppe, der Jüngste der „Alten“ war sicher doppelt so alt wie ich! War irgendwie witzig, wenn sie davon erzählt haben, dass es toll ist mit ihrer Frau im richtigen abstand im Wohnzimmer zu sitzen, einen Tee zu trinken und ein gutes Buch zu lesen.
So verging die Zeit in Piedrahita auch sehr schnell und weil die Prognosen auch in Spanien von Scirocco gesprochen haben, hab ich mich dazu entschlossen am So nach hause zu gehen. Dies hab ich in Treibhauseffekt maximierender Manier erledigt und zwar flog ich von Madrid zuerst in den Norden nach Kopenhagen und von dort wieder zurück in den Süden nach Zürich. Die Verbindung war einfach mit abstand am günstigsten, auch wenn sie absolut keinen Sinn macht….
Spanien war irgendwie auch ein Gedanke, den ich noch gehabt habe zum ausweichen vor dem etwas schlechteren Wetter, aber irgendwie hab ichs trotzdem nie wirklich in Betracht gezogen. Komisch eigentlich!
Allerdings wundere ich mich, dass ihr nicht zumindest einen Abend in Organya geflogen seit. Streckenfliegerisch natürlich nicht wirklich interessant, aber vom Phänomen her sehr speziell!
Aber mal nächstes Jahr schauen.
Bin wieder recht stark auf der Acro-Schiene im Moment. Irgendwie würds mich schon wieder mal reizen, dort eine Woche Acro fliegen zu gehen, richtig zu trainieren, immer wieder den Brändlen hochrennen wird mit der Zeit anstrengend…
Schade, dass die Bedingungen in Piedrahita nicht so super waren. Hab öfters mal in den xcontest geschaut auf der Suche nach weiten Flügen von dir. Scheint vom Timing her schon etwas Pech gewesen zu sein, zuvor hats doch einige gute Flüge gegeben…
Aber egal, nicht nur fliegen macht Spass! Hoffe hasts gut gehabt!
Scheint ja nicht gerade die Hammer Therikzeit im “alten Kontinent”zu sein.
Wenns euch tröstet, hier ist es nicht besser. Feucht, regnerisch, viele Tiefdruckgebiete und windig. aaarrrggghhhhh!