Back to the roots – ohne Vario, one way, so weit wie es geht
Nach dem Thermikgekratze am Amisbühl vom Vortag wollte ich wieder mal richtig fliegen! Da ich im Xcontest gesehen hatte, dass es sogar bei so viel Wind noch flog im Wallis, entschied ich mich für die Riederalp. Neben Urs und Jan waren auch noch einige bekannte Wettkämpfer am Start und natürlich Paolo Manfrin. Kaum kam ich aus der Bahn raus, sah ich schon Thomas Koster im Standard Schlauch aufdrehen. Sieht gut aus! Dachte ich mir und machte mich bereit.
Doch dann kam es wie es kommen musste, kaum drei Kreise gedreht im Startschlauch, fängt mein Vario an zu spinnen. Die Batterien halten halt doch nicht ewig, wie ich gehofft hatte
. Ohne Piepsen gings also Richtung Fiesch, über der Galvera erwischte ich einen guten Schlauch, der mich in den noch blauen Himmel beförderte. Ich musste mich recht überwinden zu drehen, mein Gefühl sagte mir die ganze Zeit: „hey es piepst nicht, flieg weiter“. Die Querung nach Bellwald erwischte ich optimal und verlor nur ca. 150m!! Da merkte ich, hoch fliegen war heute gleich zu setzten mit schnell fliegen.
So ging es flott voran. Hinten im Goms hatte ich jedoch wieder mal mühe den Bart zu finden um die so wichtige Höhe für die Querung zu tanken. Alle stiegen über mir weg, nur ich dümpelte unten irgendwie herum. Nach einer Ewigkeit fand ich dann das Steigen auch und Querte. Drüben kam Urs von einem ersten Furka Querungs-versuch zurück und Jan schloss zusammen mit einem blauen Gin auf.So machten wir Höhe und flogen über den Furka.
Danach konnte ich das schlechte steigen am hang einfach nicht richtig drehen, und sehnte mir ein Vario herbei, doch ich musste einsehen, dass es hier nicht mehr steigen würde. Zum Glück fällt das Gelände recht stark ab, so dass beim vorwärts fliegen auch ein gewinn an Höhe gegenüber dem Talgrund resultiert. So erwischte ich dann vor Realp nahe am Hang einen guten Bart, der mich wieder hoch brachte. Als ich wieder eine Komfortable Höhe erreichte waren alle anderen verschwunden. Tja, flieg ich halt alleine..
Doch als ich drüben beim Windrad ob Andermatt ankam sah ich den blauen Gin und Paolo wieder, zusammen versuchten wir in der stark verblasenen Thermik etwas Höhe zu machen, doch viel war nicht drin. So machte sich der Gin Richtung Schöllenen auf und Paolo flog mit der wenigen Höhe auf den Oberalp los. Ich versuchte vergeblich noch etwas mehr Höhe zu tanken und folgte schliesslich Paolo, als ich sah das er etwas Höhe machen konnte. Mitten über dem Schnee fing es dann an recht turbulent zu steigen und schwups war ich in der Surselva. Der blaue Gin hatte an der nächsten Rippe in der Schöllenen mächtig aufgedreht und überflog mich nun mit einer monster Höhe.
In der Surselva standen dann alle Wolken auf der Südseite, die Nordseite sah recht überströmt aus, so querte ich das Tal und konnte das erste Mal so richtig aufdrehen. Von 3800m Schaute ich Richtung Chur und sah schon einige Überentwicklungen, so entschloss ich mich einen weiter südlichen Kurs einzuschlagen. Am Eingang zum Sumvitg fand ich dann wieder einen super schlauch(nach dem ich fast dran vorbeigeflogen wäre). Er brachte mich rasch auf 4000m, von hier hatte ich eine super Aussicht auf den Greinapass. Da war doch mal was, so ein Dreiecks Projekt über den Greina, dennoch zögerte ich etwas, so ganz ohne Vario über den voll verschneiten Greinapass?
Doch ich rang mich zu einem entscheid durch und machte mich auf gen Süden. Entlang der Kette hatte ich ein recht gutes Gleiten und so kam ich ohne drehen über den Pass.
Danach musste ich erst einmal leer schlucken, ich war am hinteren Ende eines Stausees ziemlich weg von der Zivilisation, das hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. Doch es ging zum Glück flott hoch. Über Olivone erwischte ich einen super Schlauch, der mich wieder gen Basis beförderte. Richtung Südtessin war alles Blau, nur nahe am Alpen Hauptkamm hatte es leckere Wolken. So entschloss ich mich, über all die schlecht landbaren Täler Richtung Bergell zu fliegen. Im Val Malvaglia drehte ich noch Mals an die Basis und flog über das Calanca Tal ins Misox. Dort war dann leider der Westhang abgeschattet von den Wolken über dem Calanca Tal und es stieg nicht mehr richtig. So blieb mir leider der Einflug ins Bergell verwehrt. So entschloss ich mich noch möglichst weit in Richtung Bellinzona zu fliegen.
In Grono war dann endgültig Schluss und ich landete nach über 7h auf einer gemähten Wiese. War ein super Flugerlebnis. Das Fehlende Vario konnte ich mit viel Gespür und noch mehr Geduld wieder wettmachen, dennoch effizientes fliegen ist so nicht wirklich möglich. Um 0:30 war ich dann wieder zuhause in Basel, immerhin noch fast am gleichen Tag, nicht wie David Rossi, der nach seinem super Flug nach Teglio im Veltlin erst am nächstem Mittag zurück war!!