Und noch einmal: Hello Jura am 15.04.2009
Da wieder Föhn prognostiziert ist für den heutigen Tag, entschliessen wir uns nochmals, es im Jura bei Matzendorf, obere Wengi zu probieren. Die letzten Tage lief es ja wirklich gar nicht mal so übel dort, also warum nicht ein weiteres Mal. Ausserdem reizt es mich total im Moment, über grünen Hügeln aufzudrehen, mal ohne Skihosen und 3 Fleecejacken, und trotzdem nicht zu frieren.
Also los geht’s mit dem 8:30 Zug ab HB, für mein Gefühl natürlich viel zu früh, aber die Prognosen sagen weiter auch noch frühe Cumuli Bildung und eventuell lokale Schauer am Nachmittag. Na gut, da muss ich durch. Neben mir konnte sich auch Üse für die Idee, heute fliegen zu gehen, begeistern und hat sich wieder einmal schlechten Gewissens frei genommen. Auch Sebi wollte mit dabei sein, hat aber dann abgesagt, weil er noch zu mitgenommen war nach seinem 8 Stunden und knapp 200 km Flug am Vortag! Wir schaffens auch ohni ihn
Entgegen all meinen sonstigen Gewohnheiten und Vorsätzen lasse ich mich doch tatsächlich dazu überreden, raufzulaufen. Ich glaubs jetzt noch nicht. Naja, bis ganz nach oben hab ichs nicht geschafft, jedenfalls nicht zu Fuss. Der Förster war dann so nett und hat mich noch ein Stückchen mitgenommen.
Als wir oben ankommen, sind wir die ersten Piloten. Mist, keine Dummies. Es ist ja auch noch früh am Tag und kein einziges Wölkchen am Himmel zu sehen. Also installieren wir uns mal noch gemütlich am Startplatz. Urs wollte sowieso noch meine Ballerinas probieren (sorry Üse, das musste ich jetzt noch loswerden
). Irgendwann kommt dann doch mal noch eine Handvoll anderer Gleitschirmler, so dass wir uns mal bereit machen, um am Schluss nicht doch noch hinten anstehen zu müssen.
Weit hinten Richtung Westen bilden sich langsam die ersten Cumuli, der Aufwind am Startplatz nimmt auch stetig zu. Ausserdem naht eine Zirrusdecke von Süden her, die bald alles abgeschattet haben wird. Also nichts wie los. Ich gehe zuerst, dicht gefolgt von Urs. Beim Startplatz finde ich nichts Rechtes, also gehe ich weiter zum östlichen Ende des Hügels. Urs hat die gleiche Idee. Dort werden wir beide fündig und befinden uns kurz darauf auch schon auf 1750 m, wo wir uns künstlich ausbremsen müssen: TMA ruft Üse mir entgegen, als ich noch weiter rauf wollte. Mist, daran hab ich gar nicht gedacht, über die Feiertage an Ostern war der Luftraum schön offen. Ich hab also keine Ahnung, wo genau ich wie weit jetzt rauf kann. Gut hab ich noch keine Nummer am Schirm
Wir machen uns gemeinsam auf den Weg nach Westen, ein leichter Südostwind unterstützt uns dabei. Und schon sind wir bei diesem Vorsprung kurz vor Welschenrohr, der mir so verhasst ist. Auch dieses Mal komme ich für meinen Geschmack viel zu tief an und muss ganz nah ans Zeug und die Thermik einzeln aus den Blättern der Bäume kratzen, um was zu finden. Irgendwie klappts dann doch, so dass ich endlich knapp überhöhen kann. Üse kommt auch nicht viel höher raus und schleicht dann irgendwann der Kante entlang weiter an Welschenrohr vorbei. Bald darauf schleuderts ihn gen Himmel, dass es nicht mehr schön ist. Ich machs ihm gleich und ereile dasselbe Schicksal. Urs steigt wieder etwa bei 1750 m aus und macht sich aus dem Staub. Da irgend ein anderer am gleichen Hang weiter auf dreht, bleibe ich noch länger im Schlauch und vertraue auf dessen Luftraumkenntnisse.
Weiter geht’s dann mit einer Höhe von 2500. Urs ist schon wieder etwas voraus und findet einen sanften Wiedereinstieg im Lee Richtung Corcelles. Ich fliege noch einen Hang weiter, habe ja auch mehr Höhe gemacht vorher, sollte also reichen. Jaja, ich finde mich plötzlich in einem riesen Sinken wieder und komme grad mal auf halber Höhe des Hügels an. Ich finde einfach nichts und stehe praktisch schon am Boden. Aus purem Blödsinn versuch ich’s dann noch über dem Wald in der Verengung am Talgrund zwischen meinem Hügel und dem Weissenstein. Zu meiner Verwunderung finde ich tatsächlich was, fühle mich zwar wie auf einem Hackbrett, aber kann immerhin wieder die Hälfe des Hügels gut machen. Urs ist in der Zwischenzeit in der gleichen Situation und gesellt sich zu mir aufs Hackbrett. Da ist allerdings nicht so viel Platz. Bald habe ich die Nase voll und wage mich an die Flanke zurück. Diesmal steigts recht schön, ich kann mich der Flanke entlang raufarbeiten und schaff eine Höhe von gut 2800 m. Urs kämpft derweilen immer noch ums blosse Überleben.
In der Zwischenzeit hat sich eine schöne Wolkenstrasse gebildet in Richtung Saignelégier. Weiter vorne dem Chasseral entlang hingegen ist immer noch kein einziges Quellwölckchen zu sehen. Die Abschattung durch die Zirren befindet sich auch schon auf dem Vormarsch. Die Entscheidung fällt nicht schwer, ich übernehm also mal die Führung, steh in den Trampel und hüpfe von Cumulus zu Cumulus der Strasse entlang. Üse hat sich offensichtlich aus der Misère befreit und holt mich bei Les Genevez ein. Nach einer kurzen Beratung entscheiden wir uns fürs Weiterfliegen. Ich hab absolut keine Lust zum Umkehren, ich hab auch schon französische Luft gewittert
Der Spiess dreht sich um und ich fliege wieder mal heading Urs
Irgendwo Nähe Saignelégier trennen sich unsere Wege, die Wolkenstrasse geht dem Ende zu. Urs holt etwas nach Norden aus und ich versuchs an den Hängen beim Doubs auf Frankreichseite. Cumuli hat es dort noch, aber das hilft mir auch nicht recht mit dem Einstieg. Mittlerweile hat der Wind auch dermassen zugenommen, dass die Schläuche völlig in Schieflage kommen und ich nicht mehr weiss, wo suchen. Ja, wo sucht man eigentlich im Flachland? Das ist ein weiteres Problem. Ich finde immer wieder mal etwas Halbstarkes, das mich wieder 100- 200 m weiter rauf bringt und mich vor dem endgültigen Absaufen bewahrt. Irgendwann entdecke ich Urs weiter nördlich, ganz hoch oben bei den Wolken. Toll, da hab ich mich schön falsch entschieden. Der Wind schiebt mich immer weiter nach Südwesten, so habe ich dann etliche km ganz nah am Boden hinter mich gebracht. Urs hat mich mittlerweilen überholt und in sich Warteposition gebracht. Was für ein Gentleman
Bei Le Grand Comunal scheints dann definitiv zu Ende zu gehen, bin wieder mal so tief, dass ich mir schon einen Landeplatz ausgesucht habe. Mit den letzten mir verbleibenden Metern versuch ichs noch über einem kleinen Wäldchen. Ich will einfach noch nicht landen, gerade heute muss ich mal nicht auf die Toilette und habe die Konzentration und innere Grösse und was auch immer, und ausserdem habe ich keinen Schimmer, wie ich zurückkommen würde. Ich habe Glück, in der hintersten Ecke Wäldchens gehts dann ziemlich zügig aufwärts, so dass ich mich wieder bis auf 2600 m raufretten kann. Urs hatte lange Zeit, um sich sogar noch höher als die Wolken raufzuschrauben.
Wieder zusammen fliegen wir noch etwas weiter und versuchen die Kurve zu kriegen wieder in die Schweiz zurück oder mindestens in die Nähe davon, damit wir nicht am nächsten Tag noch mit dem Rückreisen beschäftigt sind. Der Wind hat gedreht, so dass wir starken Gegenwind aus Süden haben.
Bei der Orschaft Les Fins (F) ist sinnbildlicherweise auch definitiv Schluss mit lustig. Ich komm stehend kurz vor dem Dorf runter, Üse schaffts bis zum offiziellen Landeplatz der Ortschaft. Philippe, ein netter Deltaist aus der Region, fährt uns bis nach Morteau, von wo aus man gut über die Grenze kommt. Merci beaucoup!
Wir haben beide zu viel Sonne abgekriegt, sind dehydriert und völlig geflasht vom Flug, die Heimreise ist dementsprechend auch sehr lustig
Üse, das mached mer wieder mal!
Hier noch Urs’ Flugdetails.
Ich selbst hab leider noch kein Kabel, um die GPS Daten auf den Compi zu laden. Kommt aber alles noch!
Übrigens Janine, glaube der Luftraum war auch offen…
(ganz sicher bin ich allerdings nicht, müsste mal nachschauen).
Aber wir habens ja trotzdem geschafft… Warum einfach wenn’s auch kompliziert geht
@Uersel
wär ja toll, dänn chani min track au mal no ufelade, wenn i s kabel ha
Salü zämu,
Da heider ja nu en tolle Tag mit dumu super Flug ka. Flotte Bricht mit schöne Fotos
.
Cu und bis es andersmal
Jan
coole flug häder da gmacht. bis zum nächschte mal