Home > Cross Country, Erlebnisse > Vom Jura Richtung Zürich am 07.04.2009

Vom Jura Richtung Zürich am 07.04.2009

(Flug und Bericht ist von Thomas K.)

Manche Kollegen haben es einfacher, wenn sie nach Hause fliegen wollen. Die Zürcher Piloten müssen da einige Hürden überwinden: es gibt keine Kreten und namhafte Flugberge denen man entlang fliegen könnte und vor allem, selbst wenn das Fliegerische gelingt, bleibt noch der Flughaben Zürich als schier unüberwindliches Hindernis. Aber immerhin: Bis in die Region Lenzburg-Baden sollte es gehen und von dort aus fährt man schon bequem mit der heimischen S-Bahn nach Hause.

Für den letzten Dienstag sah die Wetterprognose gut aus: Eine schwache Kaltfront sollte die Schweiz am Abend erreichen und bis dahin trocknet eine kurze Föhnphase die Luft nochmals ab. Im Jura und Mittelland werden Quellwolken erwartet (wie herrlich!). Mit der aufkommenden Labilität und der SW-Strömung sollte ein schöner Flug möglich sein.

Kampfkater am Stierenberg
So verschob ich alle Termine und nahm den Dienstag frei. Als Startplatz wählte ich den Niederwiler Stierenberg. Was für ein Name! Sind dort wilde Stiere oder erwartet uns Rodeo-Thermik? Im Berggasthaus begrüsste uns  nur ein verschmuster, alter Kater. Also Entwarnung. Auch das Schild: „Vorsicht vor dem Kampfkater“ wird selbst Mäuse kaum beeindrucken. Nach einer kleinen Stärkung gingen die etwa acht Piloten an den noch immer verschneiten Start und dann wurde es doch noch harzig. Kurz nach zwölf konnten wir uns nur mit Mühe halten. Kurze Thermikblasen hoben uns etwas an und schon schaute man gierig nach dem nächsten Steigen. Labil war es durchaus und auch turbulent. Aber kein Schlauch zog wirklich durch. Der Stierenberg zeigte uns die Hörner und einige soffen ab. Überall wo man hinflog – Gegenwind. So jedenfalls kam es mir vor. Von der erhofften SW-Strömung gab es noch keine Spur.

Auf nach Zürich
Erst ab ca. 13:30 wurde es besser. Die Thermik führte weiter nach oben und endlich ging die Reise Richtung Zürich los. Leider waren die Tango-Zonen aktiv und jeweils vor 1’730m musste ich die Schläuche verlassen. Immerhin war die Absaufgefahr gebannt und es ging gut voran. Bei Oensingen musste ich mich entscheiden: Folge ich der Krete oder den Wolken. Ich entschied mich für die Cumuli und bog nach Nordosten zur Talmitte ab. Es funktionierte und ein gemütlicher Schlauch brachte mich hinauf. Auf einmal hatte ich wieder genug Höhe für den Sprung zurück in Richtung Olten. Ich überquerte die Krete und die Wolken dort zogen mittlerweile unglaublich. Mir war wohler, Richtung Flachland zu fliegen, wo es ruhiger wurde und man die „Tangos“ hinter sich liess. Ab da wurde es ein richtiger Genussflug. Gemütlich ging es bei Aarburg über die Aare, links Olten und vor mir Aarau. Erneut fand ich Thermik und nun durfte man weiter hinauf. Bei 2’000m hiess es aber auch hier, Ohren rein und weiter.

Im Flachen
Weiter ging es mit Kurs auf Aarau. Die Mittellandseen kamen hervor und dank dem, dass es föhnig war, gab es recht gute Sicht. Am Horizont suchte ich schon nach dem Üetliberg. Ab dort hat es ganz viel Spass gemacht. Mittlerweile hatte ich auch die Segelflugkarte hervorgekramt und sie einmal mehr halb zerknüllt zwischen Jacke und Fleece gestopft. Südlich fliege ich an Gösgen vorbei. Die Dampffahne des Kraftwerks steigt fest senkrecht nach oben. Dann wieder eine Thermik und ein Bussard zeigt mir, wo es noch viel besser steigt. Mehrmals sah ich alte, dürre Blätter mit nach oben fliegen, dachte zuerst, es seinen Schwalben. Aber die kommen ja erst im Mai. Das Fliegen im Flachen ist immer wieder toll. Solange man genügend Höhe hat, ist es das Schönste überhaupt, ruhig und gemütlich fliegt man den Wolken entlang. Mittlerweile bin ich vor Lenzburg und nun gilt es etwas nördlich einer 1‘350er TMA auszuweichen. Auch hier steigt es. Aber leider ist ein anderes Hindernis im Weg: der Flugplatz Birrfeld und dort hat regen Seglerbetrieb. Schliesslich lande ich vor der nächsten vielversprechenden Krete, bei Mägenwil. Ein Segler-Pilot hält mit seinem Auto an und nimmt mich bis zum Bahnhof mit. Von dort aus geht es mit der S3 gemütlich nach Hause :-)

Uersel Cross Country, Erlebnisse , , ,

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks