Und grad noch einmal: Der Jura bringts an Ostern
Nun stehen wir also schon wieder am Startplatz, nicht mehr ganz so frisch als auch schon, sowohl das T-Shirt als auch der Geist. Das führt unweigerlich zu einem saudummen Rumgeblödel, echt, doch wir reissen uns am Riemen, als dann Janine auftaucht
Wie auch immer, am Boden kündigt sich an, wie es sich in der Luft anfühlen sollte, ein Dusty spediert beeindruckende Laubmassen in den Matzendorf’schen Himmel.
Die ersten Mutigen hebts denn auch überzeugend schnell den Wolkenfetzen entgegen, die sich mittlerweile gebildet haben. Also, dann wolln mer mal auch.
Sebi voraus, der ganze Rest inklusive mir hinterher gehts den Wolken entgegen und bald schon in Richtung Welschenrohr. Leider wollen alle um mich rechts rum drehen, ich tue mich da etwas schwer heute und mag nicht so recht, irgendwann ists mir zu blöd und so fliege ich halt etwas tiefer weiter über den Taleinschnitt zwischen Welschenrohr und Moutier.
Mir wär ja etwas Steigen schon recht. Aber was da sehr plötzlich an geballtem Steigen mitten über dem Taleinschnitt konvergenzmässig in meinen Schirm reinkracht, ist dann doch des Guten zuviel. Mamma mia, das fühlt sich gar nicht etwa nett an, solche Geschosse zeigen den Sinn des Schirm-Lasttests… Die Ohren sind mehr zu als offen, trotzdem versuche ich das Steigen irgendwie auszudrehen, aber nach 2, 3 Umdrehungen hab ich genug davon.
Immerhin resultiert aus dem Geschaukel neben einem schlechten Gefühl auch etwas Höhengewinn. So gehts, immer noch recht tief, weiter über den Taleinschnitt und drüben schnell wieder rauf. Aber irgendwie ist alles übermässig hackig heute, meist hantiere ich wie ein Hampelmann mit den Händen an den Bremsen und den Füssen am Beschleuniger rum. Denke mal, der Gradient hats heute in den unteren Schichten fast etwas zu gut gemeint.
Aber wollen wir nicht so negativ sein: Hat man das Gehacke mal einigermassen zentriert, steigts sehr gut! So gehts so schnell als möglich weiter, weiter, weiter… das macht richtig Spass, so geil! So ziehen sie dahin, die Dörfer, Moutier, Reconvilier, Tavannes, Tramelan. Wobei ab Tramelan ein Jemand an einem blauen Sigma 7 mit roter Eintrittskante den Lead bis St. Imier übernimmt, wer auch immer da dran gehangen ist, Respekt, super geflogen!
Ab Tramelan steht die Querung ins St. Imier-Tal an. Geht zwar einige Höhe dabei drauf, aber schlussendlich reichts gut und es geht auch gewohnt hackig wieder hoch und weiter bis nicht ganz St. Imier. Ich hab die CTR von les Eplatures im Hinterkopf und als dann der Flughafen in Sichtweite kommt entscheide ich für mich, dass ich genug nahe dran rangeflogen bin und jetzt irgendwie auweichen muss.
OK, was wären die Optionen: Zurückfliegen, neeeiiin, mühsam, langsam, schwierig, Arbeit, also nicht. Lieber locker, schnell, einfach, Spass, also mit dem Wind Heading Paris, wie Sebi gestern. Gut, gut, dann also ab übers Flache.
Bevor ich La Grande Nation erst mal erreiche, gehts gemütlich in der Nähe von Les Bois nochmals in die Höhe. Dann gilt es vor Paris auch erst mal den Doubs zu überqueren, auch dort gehts in nem etwas versetzten Schlauch wieder nach oben.
Aber irgendwie scheint Heading Paris doch nicht das Wahre zu sein, ich switche auf Heading Bordeaux. Mittlerweile ist alles mehr oder weger flach und ich frage mich, was den da als Abrisskante taugen wird und wo, im Gegensatz zu Australien, denn nun in Frankreich die Thermik entstehen könnte. Nun, ich habe bis jetzt noch keine Antwort auf diese Fragen
Einige Wölklein hats zwar noch, aber die Cirren sind zu spüren und, was schwerer wiegt, auch mein Unwissen. Einige Male kann ich zwar noch den einen oder anderen Meter an Höhe gewinnen, aber die Tendenz ist eindeutig und folgt dem Zeichen der Zeit, abwärts
So findet dann mein Auf-gut-Glück-Flachlandausflug in Le Russey ein Ende.
Naja, war nicht so weit, aber doch gmögig. Zufrieden packe ich meine sieben Sachen.
Wie siehts betreffend Rückreise aus? Ah ja, easy, einmal stöppeln nach Morteau und danach noch einmal nach Le Locle oder La Chaux-de-Fonds, und es ist erst halb vier, das sollte problemlos sein.
Nun, die Franzosen scheinen heute nicht wirklich auf irgendwelche Hitchhiker gewartet zu haben, trotzdem schaffe ich es dann doch noch bis an nen Kreisel kurz vor dem Zoll. Dort treffe ich nen zweiten Gleitschirmler, der per Autostopp zurück in die Schweiz gelangen möchte. Es ist Oliver Guenay, dem es ganz in der Nähe meines Landeplatzes in der Luft nicht mehr gepasst hat und jetzt auch hier gestrandet ist.
OK, wir finden dann tatsächlich nen netten Jurasier, der uns mit über die Grenze nach La Chaux-de-Fonds nehmen will. So einfach wird das dann aber nicht, am Zoll gibt man sich gegenüber den Hitchhikern misstrauisch und überprüft erst mal unsere Identitäten genauer. Das hat zur Folge, dass Oliver wegen ner unerledigten Kleinigkeit am Zoll mal fürs Erste festgehalten wird… Unser Fahrer muss aber weiter und ich möchte auch, so trennen sich unsere Wege wieder. Hoffe, dass sich die ganze Geschichte inzwischen geklärt hat und Oliver dann doch noch in die Schweiz hat einreisen dürfen.
Der Rest ist Bahn fahren… Um 21 Uhr bin ich endlich zu Hause.
Hier der Flug auf xcontest.
Natürlich waren auch die Kollegen fleissig. Hier die Flüge von Domi, Sebi, Jan und Stefan, Janine hat nix eingegeben, ist aber bis St. Imier gekommen.