Südflankenbrettern
Nach dem ich am Samstag endlich meinen angestauten „Streckenhunger“ abbauen konnte, nahm ich mir vor es am Sonntag etwas ruhiger zu nehmen und auch mal zwischendurch die Landschaft zu geniessen
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Zusammen mit Sterri fahre ich mit dem 10 uhr „Bändli“ nach Fiesch.
Am Startplatz sah es noch recht bescheiden aus. Alle dümpelten auf Starplatzhöhe umher, also hatte ich genug Zeit meinen Ballastsack mit kostbarem Fiescher Schnee zu füllen, eignet sich wirklich gut wenn man vorher vergessen hat zu tanken:-)
Als ich um 11:15 startete waren die Bedingungen immer noch schwach. Ich war in den ersten paar Minuten fast ein bisschen überfordert, da ich noch so im „Race mode“ von gestern war und nun plötzlich Höhe machen sollte in Thermik die ich gestern links liegengelassen hätte! Doch nach ein paar Umdrehungen waren meine Sensoren wieder austariert und ich konnte rechts rüber fliegen zur Lawinenverbauung. Dort ging es in schwächster Thermik bis auf 2460 aber keinen Meter höher. Ich zögerte mit dieser Höhe schon nach Bellwald zu queren, doch nachdem ich zum dritten Mal gegen die Inversion geprallt war, hatte ich es satt und dachte mir:“ Rumkratzen kannste auch auf der anderen Talseite“.
Drüben in Bellwald stieg es ok und ich machte mich auf das Goms abzufliegen. Überall ging es zuverlässig aber schwach und nicht hoch. Am praktisch gleichen Ort wie gestern setzte ich meinen Wendepunkt und flog zurück Richtung Fiesch. Auf dem weg dahin brach dann die Inversion und es war möglich höher aufzudrehen. Ebenfalls zeigten sich die ersten Cu’s am Himmel Richtung Fiesch.
Nach der Pinkelquerung (heute war alles dicht) nach Fiesch erwischte ich den ersten richtig starken Schlauch des Tages, Hoffnung keimte in mir auf, das es heute doch noch etwas werden könnte. Doch es war schon 13:30h, gestern war ich zu dieser Zeit schon beim Lötschental!
Also beginne ich Richtung Riederhorn zu fliegen und siehe da, ich saufe nur sehr wenig und immer wieder gibt es längere Steigpassagen dazwischen, so überfliege ich das Riederhorn und quere ohne zu Kreisen und bleibe dabei an der Basis. Und im gleichen Stiel ging es weiter, unglaublich! Erst bei der grossen Querung vor Montana gönnte ich mir 3 Kreise. So konnte ich die Strecke Fiesch-Montana in nur 1:15h zurücklegen! Ich hatte also das Glück 45km am Stück nur zu delphinieren! Nach dem Zähen Goms war es so, als ob man vom ersten direkt in den fünften Gang schalten würde.
Nach Montana ging es etwas langsahmer, aber immer noch sehr schnell vorwärts. Nach Anzere wollte ich eigentlich an den Sanetschpass fliegen, doch beim Anblick der schwächelnden Wolke über der Felswand verliess mich der Mut und ich wendete.
So starke Thermik kommt selten ohne Preis. Nach Montana fing es an zu Überentwickeln, dies äusserte sich in leichtem Schneefall über den Bergen. Ich gab acht, dass ich mehr auf der Tal Seite flog und ich nicht eingesaugt werden konnte. Das ist das gute an Überentwicklungen im Frühling, man kann sie meist ignorieren, da durch die tiefen Temperaturen weniger Wasser in der Luft löslich ist und somit weniger Energie akkumuliert werden kann( meine Private Theorie, keine Garantie auf Richtigkeit).
Auf der Höhe Visp wurde es dann recht schwierig, einerseits hatte ich mit Abschattungen/Überentwicklungen zu kämpfen und andererseits blies mir ein strammer Ostwind entgegen. Auch vollbeschläunigt war ich kaum mehr schneller als 25km/h. So kam ich immer tiefer, doch so schnell wollte ich mich nicht geschlagen geben und dachte mir:“ Wenn da schon so ein strammer Ostwind herrscht, dann kann ich den ja auch nützen“. So konnte ich an einer Felswand etwas hochsoaren und ich beschloss es zu wagen Richtung Roswald zu fliegen um dort an der perfekt beschonen Westflanke wieder Höhe zu tanken. Zum Glück war der Ostwind auf der Querung nicht mehr so stark, so dass ich mich dann auch getraute an die Flanke ins Lee zu fliegen.
Zuerst hatte ich etwas mühe ein ordentliches Steigen zu finden, es war stark zerrissen und ordentlich turbulent. Ich zapfte meine letzen Nerven Reserven an. Bald stiess ich auf einen Mörder Schlauch, es fühlte sich an als ob ich mit dem Presslufthammer nach oben befördert werde. Als ich dann über der Krete war schnaufte ich erst einmal durch, zum Glück ist es nicht immer so!!
Danach wurde ich jedoch belohnt mit einer super Aussicht auf die Walliser Bergwelt im Abendlicht, einfach herrlich! So glitt ich zurück nach Fiesch und landete in Lax. Die Landung war nochmals(unerwartet) recht heftig! Der Wind blies direkt vom Berg runter und ich hatte alle Hände voll zu tun um den Schirm offen zu halten. Nach dem hastigen Zusammenpacken kam dann auch schon der Zug, der mich zurück brachte.
Wieder einmal hat sich der Trip nach Fiesch gelohnt und ich konnte einen sehr abwechslungsreichen Flug geniessen, so macht fliegen Spass!
Hier der Flug auf xcontest.
Toller Bericht.
Bist einfach perfekt geflogen dieses Wochenden, Gratuliere.
War am Sonntag auch noch in der Luft, startete auch in Fiesch. Wäre aber nicht im Traum draufgekommen, dass so eine Strecke möglich ist. Starke Leistung.
Hallo Sebastian
Ich dachte schon, dass mein knapp 80km-Flug an diesem Tag bei diesen Bedingungen gewagt sei – bis ich deinen sah – .
Ich gratuliere Dir zu deinem tollen Flug, und vor allem für die Nerven die Du hattest (Ostwind, Graupelschauer usw.). Ich sehe, ich war nicht der einzige, der am Schluss eine etwas ungemütliche Landung bei Fiesch hatte
Gruss Urs