Streckenflugseminar im Wallis, Tag 2
Der zweite Tag hat wie der erste um 9:00 im Schulraum begonnen. Das Wetterbriefing war ein bisschen ausgedehnter, da sich das Tief im Mittelmeeraum als Südföhnwand im Verlauf des heutigen Tages ankündigte. Im Theorieteil ging’s um die Grimsel Schlange, dem berühmten Wetterphänomen. Diese wird so genannt, wenn Ausgleichswinde aus dem Haslital über den Grimsel ins Goms gelangen. Wenn es jetzt noch feuchte Luft hat, und ein bisschen Nebel auf dem Grimsel drücken diese Winde die Wolken über den Grimselpass hinunter bis vor Oberwald. Das Ganze sieht so aus, als ob eine Schlange über den Grimsel hinunterzüngelt. Ziemlich eindrücklich. Für die Flieger ist das natürlich eine wichtige Information, denn dadurch entsteht ein Bergwind, welcher bei Baschi/Ulrichen auf den Walliser Talwind trifft. Hansi hat uns verschiedene Flugtaktiken aufgezeigt, mit welchen wir eine Querung von Grimsel und Furka besser meistern sollten.
Um ca. 11.00 waren wir dann in corpore am Startplatz auf dem Kühboden. Wir waren überrascht, dass von der gemeldeten Inversion auf 2200 Meter nichts zu sehen war. Zwei, drei Piloten kurvten bereits auf Eggishorn Höhe rum. Euphorisch machten wir uns startklar. Leider war mein Schirm immer noch von den zwei gestrigen Schneelandungen durchnässt. Da der Starplatz aber heute für einmal präpariert war, wollte ich es so probieren. Ich ging als fünfter Pilot in die Luft. Sofort konnte ich über dem Wald nahe beim Bergbahnmasten aufdrehen. Ich gesellte mich nach wenigen Vollkreisen zu meinen Kollegen auf 2600 Meter. Die ersten zwei machten sich bereits auf den Weg Richtung Älpli nordlich von Kühboden. Dort machten wir nochmals Höhe und gingen mit 2850 Meter auf nach Bellwald. Diesmal war ich es, der nicht länger an Ort rumkurven wollte. Einerseits wollte ich nicht mehr die letzten paar Meterchen ausdrehen und andererseits hatte mich ein 50% Klapper heimgesucht. War nicht weiter schlimm. Ein Kollege hat mir danach fasziniert davon erzählt. Er war gerade schräg hinter mir und konnte das Ganze aus nächster Nähe beobachten.
Bellwald war, wie sich im Nachhinein herausstellte bereits eine Schlüsselstelle. Fünf von zehn Piloten haben sich hier selber ‘versenkt’. Nur noch zu dritt (zwei folgten später) konnten wir hoch über Bellwald einen weiteren Schlauch ausdrehen. Die Adler von gestern haben wir leider nicht mehr gesehen. Weder Patrick noch Roger, so hiessen meine zwei Begleiter, wollten den nächsten Schritt wagen. Hansi ist zu diesem Zeitpunkt erst gestartet. Warten wollte ich nicht, denn höher ging es nicht mehr. Also machte ich mich auf, das Goms zum ersten Mal hinaufzufliegen. Die Szenerie heute war unglaublich. Strahlend blauer Himmel, leichte Zirren und eine sich langsam aufbauende Fohnmauer im Süden. Beim nächsten Seitental konnte ich nochmals entscheidend Höhe tanken, es gelang mir dabei besser als meinen zwei Kollegen, welche unter mir rumkurvten. Ist halt schon ein geiles Gefühl der Höchste im Schlauch zu sein…
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Über Funk hörte ich, dass die Ersten bereits wieder im Fieschertal landen gingen. Für mich ging’s mit der nächsten Seitentalüberquerung weiter dem Grimsel entgegen. Patrick und Roger waren dafür einfach zu tief. So war ich alleine auf mich gestellt. Selbst ist der Mann, dachte ich, und so steuerte ich bereits auf Höhe Gluringen den nächsten Bergausläufer an. Hier ging’s dann nochmals ziemlich ab, wobei ich hier merkte, dass mich ein stärker werdender Ostwind immer wieder wichtige Meter Talabwärts blies. So gewann ich zwar Höhe, musste aber wieder Meter gutmachen. Via Funk bestätigte Hansi, dass der Wind schon spürbar zugenommen hat. Auch war die Föhnwand bereits kurz vor dem überschwappen. Er meldete dann via Funk, dass wir in Baschi landen sollten. ‘Wir?’, dachte ich, war ja alleine auf weiter Flur. Also machte ich mich auf nach Baschi, wo es übrigens ein Hammer Restaurant geben soll. Bei der Seitentalüberquerung bei Münster war es dann aber sehr turbulent. Hatte dazu mehr als 4 Meter sinken. ‘Na toll, jetzt ist der Föhn bereits durchgebrochen’, dachte ich. Mir war es gar nicht mehr wohl bei der Sache. Hab’s dann aber trotzdem geschafft, vor Baschi auf der Langlaufloipe zu landen. ‘Siidefiin’ würde der Berner sagen, da mich der Grimselwind schon stark abgebremst hat.
‘Marco ist in Baschi gelandet’ habe ich über den Funk mitgeteilt. War schon ziemlich stolz auf mich. Nicht so sehr wegen der geflogenen Weite, welche mit 20 Km ein Pappenstiel für die Fliegercracks ist, aber viel mehr wegen der Tatsache, dass ich als Erster aus einer 10er Gruppe die Strecke absolviert habe. Von den neun anderen Schülern hat es übrigens nur noch Peter geschafft, der es in nur 1.5 Jahren bereits auf über 230 Flüge gebracht hat. Hansi kam ebenfalls mit seinem Sigma 7 angeflogen, so dass wir zu dritt auf den Shuttlebus von Fiesch warteten.
Die starken Turbulenzen seien übrigens dem Grimselwind zuzuschreiben gewesen, sagte mir Hansi im Debriefing. So steht es also nun 1:0 für den Grimsel. Ich probiere es in Bälde wieder.
Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Wir gingen nochmals hoch auf den Kühboden, sassen gemütlich auf der Sonnerterrasse des Bergrestaurants, assen einen Wurst-Käse Salat und machten am Schluss noch einen kurzen Abgleiter ins Fieschertal. Die Föhnwand war übrigens zeitweise rückgängig, war nun aber definitiv am rüberschwappen. Das hiess für mich, Steilspirale runter und die letzten Höhenmeter mit Wingover-Übungen vernichten.
Da ich heute zu stark mit meinem Flug beschäftigt war, hier die Bilder von Peter.
Mal schauen, ob es Morgen fliegt. Wenigsten haben wir schönes Wetter angesagt.
Over and out.
Konntet ihr wieder fliegen am 1. April? Hatte ja etwas Bise, aber wird schon gegangen sein, oder nicht?
Hast dir keine schlechte Woche ausgesucht…
Urs
@Uersel
Am 1. April waren wir nicht fliegen, der Südföhneinfluss war zu gross. Am 2. April war dies ebenfalls noch zu spüren, haben aber einen kleinen Flug gemacht. Heute war zwar immer noch die Föhnmauer am Alpenkam zu Italien zu erkennen, die Thermik war aber schon extrem gut. Morgen und Sonntag wird’s abgehen hier im Wallis.
wir kommen