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Streckenflugseminar im Wallis, Tag 1

Als regelmässiger Leser des AirAddicts Blogs wirst Du Dich sicherlich an den spannenden Berichten der AirAddicts Cracks erfreuen. Mir geht es jedenfalls so. Mit viel Faszination verfolge ich die leidenschaftlich geschriebenen Blogbeiträge.

Leider kann ich mit dem fliegerischen Tempo und Können von Urs und Co. nicht mithalten. Dies ist sicherlich eine Frage der persönlichen Prioritäten was die Anzahl Flugtage pro Jahr anbelangt. Andererseits können nun nicht alle Piloten so talentiert sein… ;-)

Umso mehr freut es mich, endlich auch einmal etwas Interessantes zum Blog beizutragen. Diese Woche werde ich täglich von meinem Streckenflugseminar bei Hansi Zeiter vom Flying Center im Fieschertal berichten. Dabei biete ich Dir an, Fragen zum Fluggebiet Wallis, Streckenfliegen, Meteo Themen, Flugplanung mit Hansi’s Hilfe zu beantworten. Das geht ganz einfach: Füge Deine Frage(n) via Kommentar zu den einzelnen Blog Posts hinzu. Dieser Service ist natürlich kostenlos für unsere treuen Leser und gilt von heute Montag bis Donnerstag.

So, nun zum ersten Tag. Bin gestern Abend bereits mit dem Zug und Autoshuttle ins Fieschertal gereist. Es ist schon unglaublich, wie schnell das geht. In Thalwil voll bepackt mit Winterausrüstung um 17:40 eingestiegen, in Zürich HB und Brig umgestiegen und dann von Yolanda vom Casa Yolanda mit dem Auto abgeholt. Et voilà, um 21:00 bereits in meiner Wohnung, welche ich für die Seminarwoche zur Verfügung habe. Das Haus ist direkt neben Hansi’s Flugschule und dem eigenen Landeplatz. Zur Fiescher Bergbahn geht’s in nur 5 Minuten mit dem Shuttle der Flugschule. Wo gibt’s das schon? Hammer. Das Casa Yolanda kann ich übrigens wärmstens empfehlen. Pro Tag kostet die vollständig möblierte Wohnung mit zwei Schlafzimmern 35 Franken pro Person. Wir sind nun zu zweit, haben ein gemütliches Sofa, Satelliten TV, WiFi Internet Verbindung, grossen Kühlschrank. Sehr cool.

Heute Morgen ging’s um 9:00 los. Die 10 Seminarteilnehmer fanden sich bei Hansi im Schulraum ein. Sympathisch, es gab frische Gipfeli und feinen Kaffee. Das Teilnehmerfeld ist sehr heterogen. Da haben wir auf der einen Seite den Frisch-Brevetierten, der seine ersten Thermikflugerfahrungen sucht, und auf der anderen Seite alte Hasen, die mit 500 Flügen eine Auffrischung und Vertiefung in die Materie wünschen. Ich stecke so in der Mitte, was die Anzahl Flüge und Können anbelangt.

Mit Hilfe von Google Earth hat uns Hansi sehr anschaulich in das Fiescher Fluggebiet eingeführt. Zum Glück gibt es hier nicht annähernd so viele Seile wie im Engelbergertal. Sehr gut. Dafür hat es andere Tücken, wie zum Beispiel die kleinen Seitentäler, in welche wir nicht zu weit reinfliegen sollen, oder Passagen, welche zum Landen eher schwierig sind, wie zum Beispiel die Strecke zwischen Fiesch und Visp. Und dann hat er natürlich die bekannte Strecke zum Grimsel/Furka anhand von realen Flügen visualisiert in Google Earth besprochen. Für die Nicht-Wallis-Kenner unter Euch, das Goms, so heisst der Teil von Wallis, welcher zwischen Fiesch und Grimsel liegt, ist ein absolutes Mekka für Gleitschirmflieger. Insbesondere, da es hier auch Mittel-Talentierte auf beachtliche Distanzen bringen.

Nach dem Wetterbriefing, welches fliegbare Konditionen in Fiesch voraussagt, machten wir uns auf den Weg zur Fiescher Bergbahntalstation. Ich bin leicht angespannt, da es nun endlich soweit sein sollte. Marco soll vom Kühboden oberhalb von Fiesch mit einem Gleitschirm starten. Unglaubliche banale Sache denkt Ihr, für mich geht aber ein Kindheitstraum in Erfüllung. Als kleiner Bube stand ich mit meiner Familie hier oben und habe fasziniert den Deltafliegern zugeschaut, wie sie in für mich fast unendliche Höhen entschwanden. Ich habe dieses Erlebnis immer noch vor Augen und bekomme heute noch Hühnerhaut. Na gut, soviel zur Geschichte, zurück zum Doing. Das nächste positive Erlebnis war an der Talstation. Da gibt es doch noch Bergbahnen in der Schweiz, die das Halbtax akzeptieren. Nicht nur das, der Preis für die 12er-Mehrfahrtekarte kostet läppische 64 Franken. D.h. ca. 5 Franken pro Fahrt. Einmal auf dem Kühboden angekommen, machten wir uns sofort auf den kurzen Weg zum Startplatz Heimat, welcher zu meiner Überraschung sehr leicht aussieht. Dafür gibt’s massenweise Schnee. Soviel Schnee, dass für mich der Frühling noch in weiter Ferne liegt. Am Startplatz gibt uns Hansi letzte Instruktionen, z.B. wo die Hausbärte liegen oder wo es besser ist, das Fieschertal Richtung Bellwald zu überqueren. Danach sind alle ohne Probleme gestartet.

Sehr gespannt war ich auf meine ausgeliehenen Militär Winterhandschuhe. Den Tipp bekam ich vom King of Uetliberg, Schläpf, welcher mir sein Geheimnis verraten hatte, wie er bei Minusgraden so lange in der Luft rumkurven kann. Mir sind die Finger meist schon nach kurzer Zeit Nahe am Absterben. Die Handschuhe sind absolut genial. Es ist nicht nur ein normaler Fausthandschuh, sondern er hat einen separaten Finger für den Zeigefinger. Diesen kann ich aber wieder zurück in den Fausthandschuh nehmen, sollte es mir zu kalt werden. Die Dicke geht auch knapp, kann also normal die Bremsgriffe bedienen. Ich hatte beim ersten Flug noch zwei Unterhandschuhe an, einen Odlo und einen Stöckli. Im zweiten Flug habe ich das dann auf einen reduziert, da es wärmer war als erwartet. Diese Kombo kann ich wärmstens empfehlen. Da hat doch das Schweizer Militär einmal was Brauchbares produziert.

Jetzt habe ich bereits vorweggenommen, dass wir heute zwei Flüge absolviert haben. Und was für welche. Die Thermik war besser als erwartet, so dass ich den ersten Flug glücklich und strahlend wie ein Maikäfer nach 1.30 Stunden erfolgreich zu Boden brachte. Wir sind jedoch noch nicht auf Strecke gegangen. Hansi wollte zuerst einmal schauen, wie die 10 Piloten im Rudel fliegen. Es ist das Ziel, dass wir diese Woche als Team zusammen das Goms hoch- und runterfliegen, da ist es natürlich unerlässlich, dass sich alle an die Regeln halten. Für mich war es eine willkommene Wiederholung der Lötscher-Lektionen. Immer noch nur mit einem Gipfeli im Magen ging es nochmals hoch auf den Kühboden. Unterdessen war’s schon 15:00 Uhr. Der zweite Flug war kürzer, aber nicht weniger interessant. Wir hatten eine Abschattung über dem Eggishorn und Kühboden und haben uns direkt an die Talüberquerung Richtung Bellwald gemacht. Dort gab es zur Überraschung aller einen Schlauch der uns direkt an die Basis auf ca. 2600 katapultierte. Sekundiert wurden wir von zwei Adlern. Hansi hat danach erklärt, dass hier die Thermik von der aktuell herrschenden Bise unterstützt worden sei. Wir hätten nun die Höhe gehabt, das Goms raufzufliegen. Auf beiden Seiten haben sich zudem Wolkenstrasse gebildet. Da aber nur ca. die Hälfte der Piloten an der Basis rumkurvte und die Anderen den Anschluss verpassten, haben wir uns zur Umkehr entschlossen. Für den ersten Tag wollten wir es ruhig angehen. Ich habe dann die Höhe genutzt, meine Wingovers zu üben, welche langsam langsam auch wie solche aussehen… :-)

Alles in allem ein gelungener erster Tag. Abgeschlossen haben wir ihn mit einem feinen Nachtessen bei Dani Albrecht’s Familie im Rest. Des Alpes in Fiesch.

Hier ein paar Eindrücke. Merci Hansi für die Bilder:

donlamco Cross Country, Erlebnisse , ,

  1. Christoph
    Christoph
    31. März 2009, 02:29 | #1

    Toller marco. Sieht so aus als würde es fliegen in der Scheiz. Viele Spass weiterhin.

  2. Christoph
    Christoph
    31. März 2009, 02:49 | #2

    Hups …. Bericht…. hahahaha

  3. Skydive
    Skydive
    31. März 2009, 05:54 | #3

    Schöner Bericht, und alles schön aper ;) somit muss man sich jetzt Überlegen ob am fr, sa oder so Fiesch oder Fanas angesagt ist :D

  4. 31. März 2009, 07:04 | #4

    Hey Marco, super Bricht! Bi gspannt uf wiiteri Erläbnis us äm Goms ;-)

  5. Skydive
    Skydive
    31. März 2009, 15:45 | #5

    und natürlich viel erfolg bim strecke abspuele und bim gäsele ;)

  6. donlamco
    donlamco
    31. März 2009, 17:02 | #6

    @Skydive
    Am Samstag und Sonntag soll es hier Hammer sein (gem. Hansi). Dem Hoch sei dank. Werde höchstwahrscheinlich auch noch zwei Tage anhängen.

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