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Cornizzolo. Schon wieder? Ja, aber besser.

Da gehts wieder mal auf die südliche Seite der Schweiz, sogar noch etwas weiter, nach Norditalien an das südliche Ende des Comersees nach Suello. Angrenzend an dieses Örtchen liegt der Monte Cornizzolo. Sebi und Domi haben das Feld schon letzten Sonntag bestellt, ich hab mich damals noch wegen etwas gar viel Aufwand für einen Thermikflug gescheut… Jetzt komme ich halt auch mal mit.

Dieses mal sieht’s wiederum nicht schlecht aus, natürlich hoffen wir auf sowas wie streckenfliegen. Noch am Freitag Abend gehts deshalb nach Santa Maria, was wir dann auch unbeschadet erreichen, obwohl von Grono nach Santa Maria sich der selbe Hirsch drei Mal versucht, vor unser Auto zu werfen. Wir übernachten im Ferienhäuschen von Domi’s Eltern. Nen Blick in die Nacht zeigt allerdings einen von Cirren umgebenen Mond, ich bin noch nicht wirklich vom morgigen Flugtag überzeugt.

Irgendwie bin ich um 7 Uhr am nächsten Morgen noch ein Stück müder als am Abend zuvor, warum nur stehe ich jetzt schon auf? Der erste Blick aus dem Fenster macht mich auch nicht fitter, eine milchige Suppe, cirrig. Warum lasse ich mich für ein blödes Flügli immer weichklopfen…

Da meine kargen Essensvorräte nur grad Thon zum Frühstück zulassen würden, entschliesse ich mich, keinen Hunger zu haben. Sebi hat die Motivation, nen Morgenabgleiter von Santa Maria ins Tal zu machen, Domi und ich fahren runter. Natürlich ist so ne Autofahrt, gegroundet wie man halt ist, immer etwas von Nervosität und einer unheimlichen Angespanntheit  geprägt, ob es den vielleicht doch schon fliegen täte.

Es tut’s nicht, die Spannung löst sich. Mein Flehen, es doch an der näheren Cimetta zu versuchen, wird von Sebi und Domi routiniert überhört, mit Tosca im Hintergrund gehts Richtung italienische Grenze. Ich wundere mich, warum ein so junger Bub wie der Domi hinter dem Steuer eines teuren Audi S8 nicht die Aufmerksamkeit des Zolls erregt, aber offensichtlich sieht man uns an, dass wir doch ganz Brave sind.

Am Landeplatz versammeln sich schon einige Piloten. Ozone-Rucksäcke, soweit das Auge reicht, wir fühlen uns fast etwas ausgegrenzt ;-) Aber Domi und Sebi werden tatsächlich noch erkannt: Hat der letzte Sonntag etwa Spuren hinterlassen? War da etwa mehr, als es das Flügli von Domi auf xcontest erahnen hat lassen? Muss man sich Sorgen machen?

Ich weiss es nicht. Oder, vielleicht doch. Den Domi hat nen Gradient Avax SR7 zum Testen dabei :-) Und zwar der mit der neckisch weinrot-pinkigen Eintrittskante. Obwohl Sebi und ich uns sicher sind, dass er den Schirm eh im Griff haben wird, bemerken wir doch eine gewisse Anspannung bei ihm. Anzeichen: Er isst nicht auf! So komme ich am Startplatz doch noch zu einem Frühstück. Danke Domi!

Erst gehts aber mal ans warten. Wie gesagt, es wimmelt von Ozones, ein Mantra Rrrrr schickt sich an, den Thermikdummy zu spielen und startet. Nachdem es ihn anfangs etwas durchschüttelt, steigt er doch beruhigend zuverlässig. Somit Window Open! Sebi startet, Domi auch. Nur ich verpasse das Start-Aufwindfenster und bleibe gegroundet für die nächsten Minuten… Schon etwas blöd, den meine zwei Kollegen sind schon auf dem Weg nach oben.

Aber irgendwann gehts dann auch für mich. Ich gondle im Moment zwar noch etwas unzentriert rum, aber hoch geht es trotzdem. Da allerdings Sebi mit Domi im Schlepptau schon am Wechseln zum Hauptgipfel des Berges ist, muss ich das halt notgedrungen auch tun, notabene mit etwas weniger Höhe. Aber macht nichts, es geht trotzdem recht zuverlässig hoch.

Apropos: Das wundert mich ein wenig. Die Cirren haben sich inzwischen zwar fast aufgelöst, aber unter der Inversion (und unter der fliegen wir) ist es extrem dunstig, die Sonne nur milchig und die Fernsicht, wenn man dem überhaupt so sagen kann, extrem schlecht, man sieht so knapp an die nächste Ridge. Das macht die Flugplanung etwas schwierig, weil ich, als nicht grad ortskundiger, keine Ahnung hab, welches Tal sich da wohin erstreckt und welche Ortschaft den wo sein soll. Aber es fliegt, und das gar nicht mal schlecht.

Meine zwei Mitstreiter fliegen schon wieder weiter, an den Monte Barro. Es gibt nichts, ich muss auch. Während es für die zwei drüben grad mal schön rauf geht dümple ich noch ein wenig am Gipfel des Monte Barro rum und nerve mich ab anderen Gleitschirmlern, und diese sich wahrscheinlich ab mir ;-) Irgendwann finde ich dann aber zusammen mit einem der Mantra Rrrrr’s nen schönen Schlauch und endlich gehts rauf zu den anderen.

Wir wissen nicht so genau, was wir eigentlich wollen. Aber es fliegt wirklich gut, ich weiss zwar nicht mehr, wie das Örtchen heisst, wohin ich zurückstöppeln müsste, aber egal, wir sollten den Weiterflug wagen. Nach einigem Rumgeschreie sind wir uns dann einig, dass es über den See und weiter so etwa nach Osten gehen soll. Also los.

Inmitten der Querung fängts auf einmal an zu steigen, irgendwo im Nichts. Toll, aber wo kommt das den her? Egal, mitnehmen, weiterfliegen ins White-out. Den man sieht, wie gesagt, wirklich nicht sehr weit.
Wir queren nicht grad auf kürzestem Weg an die nächste Flanke, hinter uns machen das zwei Locals anders, das macht nicht grad optimistisch. Egal, wo wir hinwollen muss es einfach raufgehen, und direkter für den Weiterflug ists sowieso. Guter Entscheid, es geht grossflächig, ab jetzt bin ich optimistisch. Weiter gehts nach Osten an ne Ridge, uns kommt ein Advance-Proto entgegen, ich kann den Namen auf dem Schirm leider nicht lesen, laut Domi war ne Nummer 11 auf dem Schirm. Würd mich interessieren, wer das war!

Dieser Schirm bringt mich grad etwas aus dem Konzept. Wärs nicht toll, grad die Ridge und das nachfolgende Tal zu queren, an der nächsten Ridge wird es sicher wieder raufgehen (falls den irgendwo eine ist, den man sieht sie nicht…), hoffentlich. Wenn nicht, dann wär einfach ne längere Rückreise zum Auto angesagt… Schlussendlich lass ich mir die Entscheidung abnehmen, spiele Lemming und folge Sebi, er fliegt weiter der Ridge entlang.

Die nächsten Kilometer gehts mal gratis, zwar nie wirklich hoch, aber wenn interessierts, es fliegt gut. Ich versuche, etwas zu pushen, möchte schnell sein und fliege fast keine Kreise. Und hier zeigt sich die Leistung von Domi’s Schirm: Das Ding ist im Trim schon unheimlich schnell, stehe ich nicht im Beschleuniger dann geht er in nem Affenzahn an mir vorbei.

Irgendwann ist dann die Ridge zu Ende und ne weitere Entscheidung steht an. Bis jetzt wars sehr gemütlich und ist super geflogen, mittlerweile ists aber wieder etwas cirriger geworden und die Thermik etwas schwächer, wir möchten wirklich wieder zurückkommen, das heisst: Umdrehen.
Somit steht der nächste Streckenteil fest, racen ist angesagt! Das macht Spass, manchmal ist Domi in Front, dann wieder ich, fast gar keine Kreise sind nötig und auch dass das Vario mal verrückt spielt wegen einigen Funkantennen ist nicht wirklich tragisch. Sebi beobachtet das von etwas weiter hinten, holt uns aber beinahe wieder ein, als wir doch mal wieder etwas länger drehen müssen wegen ner anstehenden kleinen Querung.

Ich versuche ja, Domi davon zu fliegen, aber es gelingt mir nur temporär. Nach der kleinen Querung (alles Vollgas) komme ich etwas höher an und erwische so den Lift etwas schneller. Yeah, nur schnell rauf. Reicht es für die längere Querung zurück an den Monte Barro, müsste doch, also los. Obwohl ich fast alles voll im Gas stehe, holt mich Domi nur schon auf dem Weg an den Barro fast wieder ein. Verdammt, dieser SR7 ist einfach schnell! Auch steigt er mit dem Ding gut, vom Monte Barro fliegen wir gleichzeitig ab, aber Domi etwas höher.

Ich hätte nicht gedacht, dass wir es so locker zurück an den Cornizzolo schaffen. Dort kommen wir dann zwar nicht mehr sehr hoch an, nach etwas kratzen geht es aber gratis rauf. Zusammen mit vielen anderen Schirmen ist dann noch etwas rumspielen angesagt, ein wunderbarer Ausklang. Die Sonne scheint wirklich nur noch sehr milchig, aber irgendwie löst an den steilen Wänden auch die warme Luft aus dem vorgelagerten Flachland ab, mit etwas Höhe geht es zu dieser Tageszeit überall hoch.

Ob sich der Riesenaufwand für den Flug gelohnt hat? Ich weiss es nicht, aber auf jeden Fall wars ein tolles Erlebnis! War mein erster halbwegs vernünftiger Streckenflug in der Schweiz (OK, oder so) in diesem Jahr (allerdings hat mein GPS schon kurz nach dem Start schlappgemacht, somit auch kein Track). Unser Team-Streckenfliegen hat wirklich viel Spass gemacht! Und ich glaube, dieser Flug am SR7 hat Domi in der Seele gut getan ;-)

War toll!

Hier Domi’s Flug und Sebi’s Flug auf xcontest.

Hier geht’s zu den Fotos von Domi von diesem Tag.

Uersel Cross Country , ,

  1. 16. März 2009, 19:23 | #1

    Hi Urs, Hope you don’t mind me writing in english either. Good job! Nice flight, good read and very inspiring. I hope to fly more than 20Km’s once (or more!). If Domi is racing past you already with that SR7 I’ll stick to the safe side and never try to compete with him on my 1-2 Infinity…Well actually, I will not try to compete with any of you three…say untill 2050…when I have enough airtime to start thinking about comp-flying ;) See you later, good flights!
    Niels

  2. Skydive
    Skydive
    16. März 2009, 20:08 | #2

    @Niels Posthuma
    Hey niels, nice to hear from you.
    for shure you will fly further also with your 1-2. Its not important which wing you have, sebi made almost 200km with the old rotten mamboo.
    I think spring will be good in netherland. So try to get every day off and fly ;)
    And when you want to get more airtime, come over to switzerland, i’m shure we can offer you a cheap acomodation, when not for free ;) you have our e-mail adresses…
    cu and nice flights dominik

  3. 16. März 2009, 23:54 | #3

    @Niels Posthuma
    Just stick to Hugo Robben and things will go their way… ;-) It seems that Toldjik is not that far from Enschede, but a bit further from Leiden… ;-)

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