Marokko mit Skyjam im Februar 2009
Zürich- Marrakech- Agadir
30 Kilo wog der Rucksack, in dem sich der Gleitschirm und noch ein paar andere Sachen wie Schlafsack, Schuhe und solches befinden, also 10 Kilo über der Limite für das Frachtgepäck. Die nette Dame am Vorabend Check-in Schalter merkte jedoch nicht, dass der sperrige Rucksack auf dem Förderband auf der Begrenzung rechts und links auflag. Ich kam mit 22 Kilo davon.
Am nächsten Tag Abflug vom Flughafen Zürich nach Agadir mit Zwischehalt in Marrakech.
Ich kriegte ein Fensterplatz, was für ein Glück. Meine beiden Sitznachbarinnen, so stellte sich heraus, reisten nach Marokko, um Golf zu spielen. In Marrakech golft es sich momentan offensichtlich besser als in der Schweiz.. Hm, ja, sicher auch sehr spannend.
Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug klebten die Kleider. Als ich ankam, war es Abend und etwa 20°C heiss, am Vorabend hatte es in Zürich noch geschneit! Die Skyjam-Gruppe, die schon eine Woche vorher angereist war, erwartete mich bereits, sonnengebräunt, zum Teil aber auch eher rot als braun. Wir fuhren in Richtung Süden nach Aglou (zwischen Tiznit und Sidi Ifni), wo sich unser Stammhotel befindet, und zwar direkt am Meer. Optisch nichts spezielles, dafür sind die Angestellten aber relativ modern. So konnten wir (und auch ich, obwohl ich eine Frau bin) zum Beispiel mit den Angestellten des Hotels Fussball spielen und uns auch mal ein Gläschen oder 2 genehmigen, ab und zu hat auch mal einer von denen mitgetrunken.
1. und 2. Tag (Samstag und Sonntag)
An den ersten beiden Tagen nach meiner Ankunft war schwacher Wind vom Meer her angesagt, ideal für die 300 m hohen Hügel, die sich von Aglou bis Sidi Ifni weiter im Süden dem Meer entlang erstrecken. Es reichte aber nur für Gleitflüge. Rauf gings dann wieder in unseren ‚Shuttle-Bussen’, 2 kleinen Fiat, jeweils zu dritt oder 4 mit zugehörigem Gleitschirm-Packsack beladen. Denen wurde wirklich alles abverlangt! Manche gingen zu Fuss wieder rauf, war auch nicht weit, nur 10-15 min, aber bei einer durchschnittlichen Temperatur von 25 °C am Nachmittag fühlte sich das wie ein halber Marathon an. Einmal an diesen beiden Tagen, als ich zu Fuss mit dem Packsack am Rücken loswanderte Richtung Startplatz, haben mich 2 Berberfrauen mit einem Esel eingeholt, die dort oben auf dem Hügel in einem Dörfchen wohnten. Die hatten wohl ziemlich Mitleid mit mir, auf jeden Fall befand sich mein Packsack kurzerhand auf dem Rücken dises Esels auf dem Weg nach oben.
Unser Lieblingsstartplatz befand sich etwa 5-10 Autominuten von Aglou entfernt Richtung Sidi Ifni. Dort haben sich ein Engländer und ein Franzose einquartiert und jeweils eine Startrampe präpariert. Der Franzose besitzt zusätzlich noch ein Hotel. Die beiden haben sich wohl etwas verkracht, so dass der eine nicht zum anderen darf und beim Franzosen nur Leute starten dürfen, die auch in seinem Hotel gastieren: wir durften also nicht. Beim Engländer ist es aber sowieso viel gemütlicher. Der Chef de la place, ein Marokkaner, servierte den traditionellen nana (Pfefferminze) Tee oder auf Spezialwunsch auch ‚Kaffee’, wie er es nennt.
Wenn man mag kann man sich an den rundherumwachsenden Kaktenfeigen bedienen, allerdings sollte man die nicht mit blossen Händen schälen so wie ich, da man sonst wegen der Stacheln der Pflanze noch eine Woche daran erinnert wird.
3. Tag (Montag)
Am dritten Tag hat der Sharqi (Chergui, heisser Sahara- Wind/ Sturm aus Osten) kurz Einzug gehalten. Die Berge, Hügel, Klippen und Dünen im näheren Umkreis sind für diesen Wind zum Fliegen nicht geeignet. Als Alternative haben wir eine kurze Spritztour gemacht zum Col de Kerdous, ein Pass mit Café, Guelmim, Sidi Ifni mit Retourweg der Küste entlang.
In der Nähe von Guelmim war ein Thermalbad ausgeschildert. Kurz entschlossen machten wir einen kleinen Abstecher dorthin. Natürlich gingen Frauen und Männer getrennt dem Badevergnügen nach, also ging ich alleine ins Frauenbad. Ich war noch nicht mal richtig im Wasser und schon von etwa 20 Kindern umringt. Alle redeten gleichzeitig und wollten mir ihre Mütter vorstellen, die sich auch im Bad befanden. Also wurde ich etwa 100 mal hin und her kreuz und quer durchs Wasser geschleift und kam fast nicht mehr raus.
Später auf dem Ausflug bei Sidi Ifni besuchten wir dann noch den Soukh (Markt), und kauften alle ein paar Geschenke für Zuhause ein. Tja, das Feilschen liegt mir noch nicht so, und auch andere haben sich hinreissen lassen, noch mehr zu kaufen als eigentlich gewollt. Res zum Beispiel hat seiner Schwester 3 paar Ohrringe gekauft, anstatt nur den einen, den er ursprünglich ausgesucht hat, dafür aber mit Mengenrabatt (‚very good price’).
4.- 6. Tag (Dienstag- Donnerstag)
An den nächsten 3 Tagen war Soaring pur angesagt. Wir weihten die kilometerlangen Klippen nördlich von Aglou ein, die immerhin 200 m hoch sind. Der Wind war so laminar, dass man problemlos ‚freihändig’ fliegen konnte. Obwohl der Wind zeitweise relativ stark war, habens alle in die Luft geschafft. Und ich konnte endlich davon überzeugt werden, ich habs den anderen ja bisher nicht geglaubt, dass Marokko nicht nur Gleitflüge zu bieten hat.
Als es am Tag drauf an den Klippen nicht mehr ging, wars dann aber beim Engländer 2 Tage lang perfekt. Mit meinem Dünenschirm, einem up in modischem lila-pink, konnte ich bis 600 Meter überhöhen, was für eine Aussicht! Der Schirm war allerdings die reinste Katastrophe, die Leinen waren auf der einen Seite konstant verkürzt, ob es daran lag, weiss ich nicht, jedenfalls wollte der Schirm bei jeder Linksdrehung lieber grad eine Vrille machen. Tja, ich hab, glaube ich, nur an einem Tag ein paar ganz miserable halbstarke wing- overs riskiert, ansonsten war ich ganz brav in der Luft und hab so wenig Kurven wie nur irgend möglich gemacht, und die dann nur noch nach rechts. Dementsprechend fällt der Flugteil in diesem Bericht ungewohnt kurz aus. Aber das macht nichts: Üse, Domi und Sebi haben ja genügend Stoff aus Australien mit nach Hause und auf die Homepage gebracht. Für meine 2. Woche, in der ich noch alleine unterwegs war (und Skyjam schon wieder in der Schweiz am arbeiten) durfte ich netterweise Guys Schirm ausleihen.
Am letzten Abend der gemeinsamen Woche mit Skyjam waren wir zu Gast bei Majid, dem Zmorgekellner. Das ist so Tradition, am letzten Abend lädt er Skyjam immer noch zu sich nach Hause in Tiznit zum Essen ein. Seine Frau hatte sich echt Mühe gegeben beim Kochen, es wurden 2 Vorspeisen und eine Hauptspeise aufgedeckt. Es muss ziemlich lecker gewesen sein, so schnell wie es verputzt wurde, allerdings enthielt alles Fleisch, deswegen habe ich als Vegetarier meine Finger davon gelassen. Unterhalten konnte man sich nicht, auch wenn wir, etwa 10 Leute, in der kleinen Stube praktisch aufeinander gesassen: Pünklich mit dem Auftischen des Essens wurde auch der Fernseher eingestellt und zwar auf den Musikkanal in vollster Lautstärke. Es lief grad irgendein Song contest. Irgendwie hatten wir uns das aber doch etwas anders vorgestellt. Die 2 Weinflaschen, die wir mitgebracht haben, wurden innert kürzester Zeit geleert und auch Majid und seine Frau habens mit der Religion nicht so genau genommen und gerne mitgetrunken. Zum wieder fit werden, wurde café marocaine serviert, Tee mit Gewürzen und Milch, was ich aber eher als Tschai kenne.
7. Tag (Freitag)
Am nächsten Tag habe ich Skyjam also am Flughafen verabschiedet- und da fing sie an, meine Pechsträhne. Sie hat sich zwar in der Woche vorher schon angekündigt, als meine Kamera flöte ging, aber richtig los gings von dem Moment an, als ich alleine unterwegs war. Mein Plan war es, noch weiter in den Süden runter zu gehen, bis nach Plage Blanche, die Sahara Randregion. Dort soll man sehr gut fliegen können an einer Düne oder Klippe. So circa nach anderthalb Stunden autofahren bin ich aber von einem Polizisten angehalten worden, mit 30 km/h zu schnell! Permission de conduire, s’il vous plaît. Nach mehrmaligem Durchsuchen meines Portmonnaies und allem, was sich in kleinerem und dann in grösserem Umkreis um mich herum befand, zeichnete sich langsam ab, dass ich sie gar nicht bei mir trug. Aber wo dann? Dann fiel es mir ein. Sie war immer noch bei Rä, der die Mietautos organisierte und meine Lizenz ebenfalls vorweisen musste, da er und die anderen ja eine Woche vor mir anreisten, ich aber dann ein Auto übernahm. Dann kamen meine Gedanken in Bewegung, denn Rä war ja zu der Zeit schon im Flugzeug, und das mit meiner Lizenz!! Da war vorläufig nichts zu machen. Irgendwie und sogar ohne Bestechung hat mich der nette Polizist dann laufen lassen, worauf ich mich schnell aus dem Staub machte, bevor er sichs noch anders überlegte. Zum Glück hatte das Flugzeug Verspätung und Rä konnte nochmals raus und die Lizenz einem M. Zaimani, chef de police, abgeben, den ich dann allerdings etwa 2 h suchen musste, aber das ist eine andere Geschichte.
An diesem Abend fuhr ich bis spät am Abend Auto und als ich nicht mehr konnte, wollte und wollte kein Hotel mehr kommen. Also richtete ich mir im Auto ein Lager ein, etwas abseits der Strasse. Gerade als es mit dem Einschlafen klappte, wurde ich ziemlich unsanft geweckt durch ein ziemlich unfreundliches Hämmern an die Fensterscheibe- die Polizei, schon wieder. Ich müsse jetzt wirklich ein Hotel suchen, jetzt sofort. Ich versprach es, obwohl man um 3 Uhr früh mit Sicherheit nichts mehr findet und fuhr weiter in Richtung Süden, wo ich mich dann am Landeplatz bei unserem Lieblingssoaringhügel erneut im Auto einquartierte. Und endlich weiterschlafen konnte.
8. Tag (Samstag)
Den nächsten Tag nutzte ich, um die Umgebung von Sidi Ifni etwas auszukundschaften. Ich fand eine herrliche Bucht, etwa eine h von der Strasse entfernt zu Fuss und nur per abenteuerlichen Klippenabstieg erreichbar.
Da man beim Abstieg Hals und Kragen riskiert habe ich angenommen, alleine zu sein. Aber gerade als ich mich nach einiger Zeit zum Baden im Meer umkleiden wollte, kamen 2 Männer scheinbar aus dem Nichts und haben mich ziemlich übel angemacht. Um nicht noch mehr Hoffnungen zu wecken, verliess ich die Bucht fluchtartig, zurück schaffte ich es sogar in einer rekordverdächtigen halben Stunde.
Nach diesem hoffentlich einmaligen Erlebnis machte ich einen Abstecher nach Mirleft, da ich dort noch was zu erledigen hatte. Rä hatte einen Platten noch bevor ich in Marokko ankam und musste den Reservereifen montieren. Weil die Strassen zum Teil recht miserabel sind, riskiert man ständig sich einen Platten einfangen, deswegen besorgte Rä in Mirleft ein neues Reserverad. Am Flughafen bei der Übergabe der gemieteten Autos, haben die Herren von Europcar jedoch festgestellt, dass man Rä einen zu kleinen Pneu verkauft hat und wollten, dass er das noch in Ordnung bringt (wenn Marokkaner immer so korrekt wären..). Da Mirleft jedoch 2 Autostunden entfernt liegt und das Flugzeug nicht auf Rä gewartet hätte, blieb das Ganze an mir hängen. In diesem Sinne war ich also unterwegs nach Mirleft zu dieser Garage in der Absicht ein Tauschgeschäft zu machen: falscher Pneu gegen richtiger Pneu. Die Typen dort haben den Irrtum auch sofort und wollten ihr Bestes tun. Leider hatten sie zu dem Zeitpunkt kein Rad der richtigen Grösse, deswegen haben sie Rä auch das falsche verkauft, wie ich vermute. Am kommenden Montag wollten sie aber einen solchen Pneu an Lager haben. Und als ich pünklich wie eine schweizer Uhr zu der verabredeten Zeit nochmals dort vorbei schaute, hiess es, dass sie am Tag darauf soweit wären, und am Tag darauf hiess es wiederum, am nächsten Tag.. Tja, Afrika halt eben.
Später an diesem Tag versuchte ich es noch mit Fliegen bei der Hügelkette um Legsira zwischen Aglou und Sidi Ifni. Der Startplatz liegt inmitten einer stillgelegten steinzeitlichen Militäranlage und Ruinen von irgendwas anderem. Dort oben traf ich auf eine polnische Gruppe, die den Tag ebenfalls noch durch einen schönen Abendflug ausklingen lassen wollten.
Wir mussten allerdings feststellen, dass der Wind abwechselnd seitlich und schräg von hinten kam und auch relativ böig, da sich der Hügel auf der ‚Rückseite’ im Lee befindet. Ausserdem ist der ‚Startplatz’ dort durchsäht von stacheligen Kakteen, Bäumchen und Stachelsträuchern. Da ich nur Sandalen trug und ausserdem Guys Schirm bei mir hatte, wollte ich nichts riskieren und überhaupt wars zu turbulent und man hätte es nicht mal auf die ‚Vorderseite’ des Hügels geschafft wegen dem erhöhten Sinken. Den Polen war das allerdings egal, die einen (alles Schüler!) sind dann tatsächlich nach etlichen Versuchen mehr schlecht als recht rausgekommen und nach einem total verwackeltem Flug irgendwo im Lee eingebombt. Wieder vereint beschlossen wir noch was zusammen zu unternehmen und besichtigten die Arches (ausgehölte Klippen), die sich direkt bei der auberge d’ abdul befinden.
9. Tag (Sonntag)
Ich schaffte es also erst am Sonntag nach Plage Blanche, genau einen Tag zu spät, denn ab diesem Zeitpunkt wehte ununterbrochen wieder einmal der Sharqi, dieses Mal aber 6 Tage lang. Also mit Fliegen war die ganze 2. Woche nichts mehr. Plage Blanche war aber trotzdem sehenswert, kilometer lange, hohe Klippen, die sich bis zum Horizont und noch weiter ziehen, und die bestimmt der Hammer wären zum fliegen.., das Meer, kleine Dünen und ein Flüsschen mit Vögel, die für mich aussehen wie Flamingos, bloss eben nicht ganz. Es waren dann aber Löffler, wie sich dann in der Schweiz rausstellte.
Das Dörflein dort besteht aus etwa 10 Häusern, wovon alle, auch das Hotel, Niet- und Nagelfest verrammelt waren. Mit mir haben sie wohl nicht gerechnet. Also, wieder mal schlafen im kleinen Fiat.
10. Tag (Montag)
Am nächsten Tag Rückreise der Küste entlang über Aglou und Tiznit nach Tafraoute, das sich weiter im Osten im Landesinnern befindet. Hin und wieder winkt einer am Strassenrand, der gern mitfahren möchte. Bei alten Männern, Frauen oder Kindern habe ich auch gerne angehalten und ein bisschen Chauffeur gespielt. Man muss allerdings wissen, dass man hinterher ziemlich abgeknutscht wird, so als Dankeschön, und manchmal waren die Leute nicht gerade stubenrein. Gerade als ich in die Stadt Tiznit reinfuhr und am ersten roten Signal halten musste, passierte es: der blöde Wagen liess sich nicht mehr beschleunigen und hüpfte nur noch im Schritttempo langsam vorwärts. Zum Glück war dort grad das Handwerker Viertel, so war es nicht weit bis zum Mechaniker. Nach 2 Stunden Aufenthalt in der Garage und Austauschen eines Benzinfilters lief die Karre wieder.
Also weiter nach Tafraoute. Da der Weg nirgends ausgeschildert war, fragte ich einen alten Mann, den ich am Strassenrand sah. Dieser versicherte mir, dass dies die Richtung sei und hüpfte völlig unverhofft ins Auto und meinte nur, das sei auch seine Richtung: Mir wird klar, dass es in Marokko einfach nichts gib, dass es nicht gibt. Er war ein recht unangenehmer Mitfahrer, da er die ganze Zeit wissen wollte, wieviel man in der Schweiz verdiente und ob ich ihm Geld geben würde. Von diesem Moment an, war ich dann immer aus Italien bei Napoli. Wirklich gut italienisch kann ich zwar nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Durchschnittsmarokkaner besser italienisch spricht, ist relativ klein. Einmal jedoch hatte dann tatsächlich einer die besseren Italienischkenntnisse als ich. Zum Glück erreichten wir nach einer halben Stunde seinen Zielort und ich musste nicht mehr so tun, als ob ich ihn nicht verstehe.
Die Landschaft dort auf der Strecke nach Tafraoute ist wirklich umwerfend schön, die Strasse führt direkt an der Kulisse des Antiatlas vorbei. Überall auf den Äckern und Feldern sieht man Pflückerinnen, die irgend eine Pflanzeart mit gelber Blüte (vielleicht Raps?) zu Tonnen einsammeln, alles in mühsamer Handarbeit. Es wächst allgemein relativ viel Grünzeugs, da es vor ein paar Wochen ziemlich heftig geregnet hat. Zum Teil sieht man jetzt noch kleine Tümpel, wo eine Palme rausschaut oder so.
Da ich mich verfahren hatte, kam ich erst spät am Abend in Tafraoute an. Das erst beste Hotel, das ich fand, war auch grad das billigste überhaupt auf meiner ganzen Reise. Eine Nacht kostete nur 40 Dirham = 6.-, viel Komfort gab es demnach auch nicht, das Zimmer war auch nicht sauber, von den Toiletten sprech ich schon gar nicht, dafür hatte es aber warmes Wasser zum Duschen (eine echte Wohltat, denn abends und nachts wars schon recht kühl).
In Tafraoute traf ich auf Fabian aus der Schweiz oder Fafa, wie ihn die Leute dort nennen. Er ist schon seit einem halben Jahr unterwegs, unter anderem lebte er eine Zeit mit Nomaden in Kirgistan. Dementsprechend wusste er schon fast nicht mehr, was warmes Wasser ist zum Beispiel oder wie bequem es ist, in einem Auto zu reisen.
11. Tag (Dienstag)
Am nächsten Tag fuhren wir also gemeinsam mit meinem Auto weiter, und das obwohl ich ihm von der Panne erzählt habe. Aber da er im letzten halben Jahr entweder zu Fuss oder in schmudeligen Bussen unterwegs war, konnte ich ihm das nicht ausreden. Und ausserdem hatten wir die gleiche Richtung: er musste ganz in den Norden und nach Spanien übersetzten, um dort seine Freundin zu treffen, und ich wollte die Stadt Essaouira nördlich von Agadir anschauen. Der Weg dorthin führte wiederum durch eine sehr schöne, farbige und gebirgige Gegend, vorbei an einer hübschen und renovierten Kaspah und vorbei an einer riesengrossen Dromedarherde.
Kurz vor Agadir gings dann allerdings nicht mehr weiter, weil das blöde Auto nochmals eine Panne hatte. Glücklicherweise befanden wir uns ganz in der Nähe des Flughafens, wo man mir diese Schrottkarre vermietet hatte. Wir stellten sie kurzerhand dort ab, ohne weiteren Komentar und türmten. Von dort kommt man allerding nur noch mit dem Taxi weiter am Abend. Die Taxichauffeure direkt beim Flughafen waren ziemlich überteuert und verlangten freche 30.- für eine Strecke, die höchstens Benzin für 1.- kostete. Als wir ihnen klar machten, dass wir zwar Touristen sind, aber uns nicht in diesem Ausmass linken lassen und ausserhalb des Flughafengeländes ein Taxi suchen würden, wurden sie agressiv und hielten uns beinahe handgreiflich auf. Das ganze Theater löste sich dann aber in heisse Luft auf, als wir kurz was von police erzählten, so dass wir uns endlich auf die Suche nach einem fairen Taxi machen. An der Hauptstrasse fanden wir eines, umringt von etwa 5 Leuten. Da nicht klar war, wem das Taxi nun gehörte, wendete ich mich an den erstbesten. Ob da noch Platz wäre nach Agadir. Ja, ok für 100. Ich feilschte den Preis auf 50 runter. Euro hörte ich da noch ganz leise. Die versuchens echt mit allen Mitteln. Nein, natürlich ist die Rede von Dirham, schliesslich befinden wir uns ja in Marokko! Mann, ist der dumm. Alles klar, 50 DH. Das Gepäck wurde verstaut und wir nahmen Platz im Taxi. Dieser Typ jedoch, der mit uns über den Preis verhandelt hatte, blieb draussen stehen, während ganz andere Leute einstiegen: Zwei weitere Passagiere quetschten sich vorne auf den Beifahrersitz, obwohl es bei uns noch Platz hatte. Der richtige Chauffeur drehte sich zu Fabian und mir um, und verlangte plötzlich 100 DH, anstatt die ausgemachten 50. Na toll, hier gilt kein Wort mehr. Wir verharren auf unserem Standpunkt, denn abgemacht ist abgemacht und überhaupt, soll doch der Taxichauffeur mit dem anderen ein Hühnchen rupfen und nicht mit uns. Nach langem hin und her und erbittertem Kämpfen und in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit kamen wir dem verlogenen Chauffeur bis 70 entgegen. Ein Teil davon ging dann noch als Provision für den einen Typ drauf, der mit uns das Geschäft gemacht hatte. Endlich konnten wir losfahren. Trotz aller Dubiosität und Befürchtungen wurden wir sogar am richtigen Ort abgesetzt und das Gepäck war auch noch vollständig. Wir fanden ein günstiges, aber relativ komfortables Hotel, wo wir uns nach einem langen und nervenaufreibenden Tag erholen konnten.
12. Tag (Mittwoch)
Agadir gefiel uns nicht sonderlich, überall wird man reingelegt und muss aufpassen.
Wir machten uns eilig auf den Weg zum Busbahnhof, um den Bus nach Essaouira zu erwischen. Nach 3 h warten kam er dann auch schon. Während des Wartens lernten wir 2 nette ältere Herren kennen, die auch nach Essaouira wollten. Die Gespräche verlaufen immer etwa so: Bonjour, ça va? Wo wir denn herkommen? Aus der Schweiz? Wie schön… Liegt das nicht in der Nähe von Frankreich? Wie lange wir denn schon verheiratet sind? Kinder? Wieviele? Ah, nicht verheiratet…??… Ja, und natürlich, als ich alleine unterwegs war, wurde ich generell 2 mal gefragt, wo sich mein mari befindet. Irgenwann habe ich dann angefangen zu sagen, dass er grad noch Besorgungen macht oder beim Barbier sitzt und sich den Bart schneiden lässt. Dass eine Frau alleine unterwegs ist, sorgt entweder für Überraschung und Irritation oder stösst auf totales Unverständnis oder bei etwa 80 % der Männer signalisiert es, dass die Frau noch nicht vergeben ist und man ihr den Hof machen kann- ob willkommen oder nicht.
In Essaouira, kaum aus dem Bus ausgestiegen, kümmerten sich schon mindestens 3 Leute um uns und jeder wusste von einem besonders günstigen Hotel. Grundsätzlich wenn man weiss, was man will oder auch wenn nicht, sollte man immer so tun als ob. Also in diesem Sinne hatten wir schon eine Reservation in einem Hotel und liefen einfach mal los.
Glücklicherweise war Fafa schon mal in Essaouira und wusste noch ungefähr, wo sich die Medina (Altstadt) mit den Hotels befindet. Mit dem Taxi ist dort nichts zu wollen, denn die ganze Medina ist autofrei. Also waren wir mit dem schweren Gepäck ca eine halbe Stunde zu Fuss unterwegs bis wir beim in unserem Reiseführer ausgeschilderten Hotel ankamen. Wir haben spezifisch eines ausgewählt, das laut Führer günstig sein sollte. Ausserdem gehörte dasjenige Hotel einem Australier, der vielleicht noch was von fixen und fairen Preisen wusste. Das Hotel hatte zwar ziemlich viel Charme und Ambiente, aber für den uns genannten Preis für das letzte freie Doppelzimmer dann doch zu wenig. Ausserdem stellte es sich später raus, dass noch weitere Zimmer frei waren, tja, soviel zur Ehrlichkeit des Australiers, hat sich wohl schon ziemlich gut eingelebt in Marokko.
Wir machten noch einen abendlichen Spaziergang in der Medina zum Hafen und versuchten uns nicht zu verirren in den tausen kleinen Gassen, die zum Teil scheinbar ohne Plan angelegt wurden.
Es ist eine wirklich sehr hübsche Medina und die einzige vollständig erhaltene in ganz Marokko. Die Medina ist gleichzeitig ein grosser Soukh, überall wurden Kaftas und Tücher, aber auch westliche Kleider, Babouches, Gewürze, Fleisch, Obst, Schnitzereien und Lampen angeboten- kein Wunder, die Stadt war förmlich überflutet von Touris, und das, obwohl noch nicht mal Saison war. Die Preise waren auch dementsprechend hoch. Aber da gibt’s einen einfachen Trick: man muss nur behaupten, genau das gleiche Objekt schon mal im Süden gesehen zu haben, aber zu einem 8tel des vom Händler festgelegten Preises. So trifft man sich dann irgendwo bei einem Viertel, was meistens immer noch ein stattlicher Preis ist.
Bei einem Café schauten wir dann noch eine Weile dem nächtlichen Treiben zu und machten uns dann auf den Rückweg ins Hotel. Als wir es endlich fanden, spielten ein paar Gäste vom Hotel ein bisschen Gitarre und sangen dazu. Es lagen weitere Instrumente rum, aber ein Didgeridoo (das einzige Instrument, das ich und lustigerweise auch Fafa wirklich beherrschen) hatte es leider nicht, obwohl ja der Typ, dem das Hotel gehörte, aus Australien stammte.
13. Tag (Donnerstag)
Den ganzen Donnerstag verbrachten wir mit Umherlaufen in der Medina und ein paar Geschenke einkaufen, da ich schon bald ans nach Hause gehen denken musste. Es war der einzige Tag, an dem es regnete und kalt war (15 °C). Interessanterweise trugen die Marokkaner gleich viele Schichten bei Regen wie bei Sonnenschein. Manchmal sieht man sie sogar noch Wollmütze und Schal tragen während ich fast verschmachtet bin.
Aus Respekt vor den muslimischen Religion trug ich trotz der Hitze natürlich immer langärmelige Sachen.
Am Busbahnhof fanden wir heraus, dass ich schon am Donnerstag Abend zurück nach Agadir musste, obwohl mein Flugzeug erst am Freitag Abend nach Zürich zurück flog. So trennten wir uns also schon an diesem Tag.
14. Tag (Freitag)
Den letzten Tag nutze ich, um noch einige kulturelle Sachen in Agadir anzuschauen. Zuallererst wollte ich eine Kaspah (Ruine) besichtigen, die sich auf einem Hügel gleich beim Hafen befindet. Die petit Taxi in Agadir sind alles Fiat und orane und kosten immer 20 DH (3.-), egal ob für eine Fahrt quer durch die Stadt oder nur 200 m weit. So kosten sie bis zum Hafen also 3.- , aber wenn man noch etwas weiter möchte bis zur Kaspah rauf, verlangen sie umgerechnet 30.-! Lassen sich das denn alle Touristen gefallen?? Ich jedenfalls bin dann vom Hafen zu Fuss raufgelaufen, was nicht mal 15 min dauerte. Die Aussicht von oben auf die Stadt mit dem Hafen und dem kilometer langen Strand war atemberaubend. Der Aufstieg in der Hitze hat sich gelohnt.
Als nächstes stand das musée municipal de Agadir auf dem Programm. Dort wird einem etwas über die Geschichte der Berber erzählt, über Gebrauchsgegenstände, Techniken zum Häuserbau, Waffen und Schmuck.
Nun hatte ich noch Zeit für eine weitere Besichtigung: ich entschied mich für den Soukh in Agadir, der recht gross sein sollte und natürlich weniger touristisch wie derjenige in Essaouira. Und es stimmte, der Soukh war überdacht und so gross wie ein Kaufhaus und man fand dort alles vom alltäglichen Bedarf wie Essen, Kleider bis hin zu Möbeln und Matratzen, alles unter einfachen Ständen untergebracht. Ich hatte mich bis dahin fast schon daran gewöhnt, dass ich überall angequatscht werde. Ich gehe nur in die Stände rein, wo die Verkäufer zurückhaltend sind und ich mir selbst aussuchen kann, was mir gefällt und mir nicht ständig jemand Sachen in die Hände drückt oder vor die Augen hält, die mich nicht ansprechen. Manchmal möchte man doch einfach nur Schauen.
Als es so weit war aufzubrechen, holte ich meine 7 Sachen aus dem Hotel und suchte den Busbahnhof auf. Beim Einsteigen in den Bus zum Flughafen wurde ich gemeinerweise beklaut und durfte noch einen kleinen Abstecher auf den Polizeiposten machen. Die Polizisten waren wirklich nett, sie haben mir sogar noch was zu essen und trinken besorgt, offensichtlich wussten sie, dass es sehr lange dauern würde, den Rapport zu schreiben (den ich übrigens selbst schrieb, da die netten Herren von der Polizei die Tastatur nicht so recht bedienen konnten, jedenfalls nicht in französischer Schrift, und arabisch hätte meiner Versicherung nicht viel gebracht) und auf die Unterschrift des chef de police zu warten. Lustigerweise sah das Revier eher aus wie ein Hammam, da alles geplättelt war und schöne Mosaike, Muster und Ornamente zu sehen waren.
Jedenfalls, mal vom Stress abgesehen, den ich hatte, weil ich nicht wusste, ob es schlussendlich zeitlich noch aufs Flugzeug reichte, war es recht spannend bei der Polizei. Ich durfte mir alles genau anschauen: die Einwohnerkartei und sogar die Verbrecherkartei. Zum Schluss wurde ich dann tatsächlich noch von dem einen Inspektor zum Flughafen gefahren, da es sonst wirklich nicht mehr gereicht hätte aufs Flugzeug.
Am Flughafen angelangt, traf ich eine weitere Gruppe Gleitschirmflieger aus der Schweiz, die ich mit Skyjam schon in der ersten Woche angetroffen hatte. Die hatten während des Ostwindes eine Woche lang ausgeharrt an Ort und Stelle und auf besseres Flugwetter gehofft. Und redeten mit mir, als ob nichts gewesen wäre in der Zwischenzeit, so als ob ich die letzte Woche mit ihnen verbracht hätte. Irgendwie kam mir plötzlich einfach alles, alle Erfahrungen, die ich gemacht habe in der 2. Woche, alleine und auf mich gestellt, plötzlich kam mir alles so absurd und unrealistisch vor. Hatte ich das wirklich alles erlebt? So viel? Mir kam die Zeit vor wie 2 Monate.. Zum Glück habe ich ein paar Fotos gemacht, sonst würde ich es selbst nicht glauben. Sicher ist jedenfalls, dass ich wieder nach Marokko gehen werde, denn das Land bietet sehr viel Spannendes und Unkonventionelles und ein Abenteurer folgt dem nächsten, langweilig wird’s bestimmt nie!
Toller Bericht Janine! Was zum miterleben…
Wundert mich, dass bei dir die Polizei nicht mal grundsätzlich 400DH für alles verlangt hat – so wars nämlich bei uns. Schlussendlich haben wir nie was bezahlt, das erste Mal allerdings fast, bis wir begriffen haben, dass Touris grundsätzlich zu schnell fahren oder was auch immer… Ab dann haben wir jeweils naiv gelächelt, nichts mehr verstanden, nie Geld dabei und immer marokkanischen Sound im Auto laufen gehabt (daran hatten sie jeweils Freude
). Hat ganz gut funktioniert.
Hey schön geschrieben. Kann mich gar nicht mehr erinnern, dass wir so abgezockt worden sind, aber waren ja auch mehrheitlich am Fliegen
. Das näschste mal musste noch durch den Atlas, der war auch ganz ganz schön….
Hey Janine, super Bricht! Sehr unterhautsam zum läse! Hmmm, muess gloubs würklech mau uf Marokko ga flüge! Vor auem d’Soare a dr Klippe schiint dr Hammer zsi! lg
Janine, dem Bericht fehlt das Foto der Autorin, irgendwo…
..aber du weisch doch wien ich usgseh
?
danke für d kompliment ihr alli!
Ebe num so rächt… Bisch derbi am Sa, Tessin?
Hey Janine,
. Kleine schäbige Absteige, aber auch bei mir letztes Jahr nur 6 euro.
hat viel spass gemacht, deinen Bericht zu lesen. Vor allem, weil ich letztes Jahr einen Teil deiner Route auch gemacht habe und mich an vieles erinnere. Scheint, als ob wir in Tafraoute im selben Zimmer übernachtet haben!!! Welch Zufall
Ach ja mega respekt noch. Mir wars schon als mann teils zu aufdringlich..
Schönen Gruss, Sebastian
Wirklich ein super Bericht Janine! Habe zwar nicht ganz so viel erlebt in Marokko wie du, da wir meistens am Strand rumgehängt und gesoard haben aber so einige Begegnungen mit der Polizei hatten wir auch, gäll Urs! Weiter so!
cool mit dem zimmer, sebi, hast du auch deinen namen in die wand geritzt
?
ehrlich gesagt wäre mir am strand rumhängen und soaring einlagen schon lieber gewesen. hätte mir eine menge ärger erspart… was war denn das mit ürsel und der polizei? … die geschichte kenn ich glaubs noch nicht..
So schlimm war das eigentlich nicht, wir wurden nur einfach 3 Mal angehalten und jedes Mal haben sie genau 400 DH verlangt. Das letzte Mal wollten sie uns noch auf den Polizeiposten mitnehmen, aber auch da sind wir schlussendlich drumrum gekommen.
Das erste Mal bekamen wir zu hören, dass wir zu schnell gewesen seien. 400 DH. Wir haben uns mal lange angeschaut (waren doch etwa umgerechnet Fr. 80.-), kam uns doch schon recht teuer vor und wollten wir eigentlich nicht bezahlen. Wir haben uns geziert und etwas verhandelt (merci Sämi), aber langsam doch nach unserem Geld Ausschau gehalten. Irgendwann wurde dann unser Polizist von seinem Kollegen gerufen, sie haben irgendwas miteinander getuschelt. Er kam danach lachend zurück und hat uns eröffnet, dass das jetzt schon gut sei, wir müssten nicht bezahlen. Ganz erstaunt hat er uns dann noch gefragt, ob wir die 400 DH wirklich hätten bezahlen wollen…
OK, alles klar
Er hat uns danach aber noch ganz begeistert einige Ausflugstipps gegeben und noch etwas vom Land erzählt…
aha, so war das. man kanns ja mal probieren
aber eigentlich schon nicht so toll, wenn einem sogar die polizei reinzulegen versucht.