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Charakterfrage

Nun sind wir wieder in der Schweiz. Der erste Arbeitstag ist auch schon wieder absolviert, wir hoffen auf nen schönen Frühling in den Alpen.
Manilla ist allemal ne Reise wert, wenn man im Flachen streckenfliegen möchte. Flachlandfliegen war für mich neu, ich habe hier einiges darüber gelernt.

Auch neu war für mich die Teilnahme an einer Competition. Auch diese Erfahrung hat mich einiges gelehrt, ich bin mir über einige Gefahren, welche mir bis anhin unbekannt waren, bewusst geworden. Auch glaube ich etwas besser zu verstehen, warum Unfälle wie z.B. Ewa’s Gewitterflug überhaupt passieren können. Diese Comp hat bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und mir klar werden lassen, was mir Gleitschirmfliegen bedeutet und was nicht.

Wie aus den vorherigen Berichten rauszulesen war, hatten wir während der Dauer des XCOpen’s nicht wirklich Wetterglück. Wenn es den überhaupt mal möglich war zu fliegen, hatten wir mit einer meistens sehr feuchten und labilen Atmosphäre zu kämpfen. Die Folge waren natürlich Überentwicklungen schon sehr früh am Tag, lokale starke Schauer manchmal schon um 11 Uhr und Gewitter etwas später. Dies muss das Fliegen nicht verunmöglichen, aber es schränkt ein, sowohl in der Routenwahl wie auch im Startzeitpunkt.

Weiter bringt es eine Comp mit sich, dass man sich an Startfenster und manchmal auch an Wegpunkte halten muss. Diese werden von einem Komitee ausgegeben und hängen von verschiedenen Punkten ab, natürlich auch von der aktuellen und weiter zu erwartenden Wettersituation. Nach diesen Randbedingungen wird der aktuelle Task dann gestartet und geflogen. Aber Wettersituationen können sich ändern.

Ich möchte nachfolgend die zwei Tasks beschreiben, welche mir etwas die Augen geöffnet haben.

Obwohl die XCOpen-Serie an und für sich so ausgelegt ist, dass normalerweise, abgesehen vom Startfenster, keine weiteren Restriktionen bezüglich Tasksetting bestehen und einfach die längste geflogene Strecke gewinnt, wurde beim ersten Task eine Strecke entlang einiger Wegpunkte ausgeschrieben. Dies wohl in erster Linie wegen der besseren Kontrollierbarkeit der Situation durch den Veranstalter, da sich schon früh Überentwicklungen und Gewitter im Norden und Osten gebildet haben. Der 65km-Task führte im Zick-Zack der Ridge entlang und wurde nach einigen Verschiebungen um etwa 13 Uhr gestartet. Schon bald haben sich auch über der Taskroute dunkle Wolken gebildet, während sich der Himmel abseits des Tasks gegen Westen hin vielversprechend gezeigt hat.

Auch der zweite Task wurde einige Male verzögert. Zwar hatten sich drohende Regenschauer im Osten aufgelöst, aber in der Zwischenzeit haben sich die Wolken über dem Mt. Borah schon so dunkel und hoch entwickelt, dass unter regulären, sprich Nicht-Comp-Bedingungen, ich nicht gestartet wäre, grad auch angesichts der weiteren Umstände, nämlich einem Flug im Gegenwind in eine vorgegebene Richtung, nach Westen in diesem Fall.

Was hat sich gezeigt: Eine Comp bringt Umstände mit sich, welche für mich und viele andere ganz eindeutig eine Erhöhung des Risikos mit sich bringen.

Zum einen hat sich der Umstand, diversen Zwängen durch Comp-Regelungen ausgesetzt zu sein, für mich als Risikofaktor herausgestellt. Ich habe gesehen, dass ich mittlerweile sehr wohl Entscheidungen treffen kann, welche sicheres Fliegen ermöglichen und ich das tatsächlich auch mache. Insbesondere brauche ich niemanden, der mir sagt, wann ich starten darf und wann nicht. Dies hat sich in meinen Augen offensichtlich als Erhöhung des Risikos ausgewirkt, ist aber natürlich an einer Comp nicht zu vermeiden.

Zum anderen wurde wieder einmal gnadenlos sichtbar, was für einen fatalen Einfluss der menschliche Stolz auf das Verhalten haben kann. Die XCOpen-Comps sind als Fun-Comps ausgeschrieben, es gibt sozusagen nichts zu gewinnen. Trotzdem reicht es offensichtlich locker aus, dass am Band Entscheidungen getroffen werden, welche etwas abseits stehend und deshalb rationaler betrachtet als ganz einfach dumm bezeichnet werden müssen.

Ganz einfach dumm war es, Wegpunkte abzufliegen, welche sich unter Wolken befinden, vor welchen jeder, wäre es keine Comp, flüchten würde. Aber der Weg ist ausgesteckt und somit wird er auch abgeflogen, koste es den Hals. Wir sind stattdessen nach Westen. Der Task wurde nach kurzer Zeit gecancelt.
Ganz einfach dumm war es, nur schon in einen Task zu starten, grad als erstes unter wirklich dunklen Wolken aufzudrehen, Schauer im Rücken, welche sich augenscheinlich auf den Startplatz zubewegen, und zudem in einen sehr offensichtlichen Gegenwind. Ich war der erste. Beinahe alle drehen unter dieser Wolke bis an die Basis, irgendwann ich habe den Mut nicht mehr und fliege weg. Allerdings kommt diese Einsicht zu spät, wenig später regnet es auch weiter vorne (über dem Start tut es dies schon lange), ich und alle anderen fliegen an diesem Tag durch mindestens eine heftige Schauer.

Diese zwei Flüge haben in mir die Frage gestellt, was ich da eigentlich mache, warum man in dieser Situation zu solchen Risiken bereit ist. Weit fliegen kann keine Begründung sein, weiter fliegen schon eher. Aber brauche ich das wirklich? Erfolg ist gut und recht, tut manchmal der Seele gut, aber unter Inkaufnahme solcher Risiken? Denke, schlussendlich verhält es sich ähnlich wie beim Motorradfahren, sicher unterwegs zu sein braucht weniger ne gute Technik als vor allem nen starken Charakter.

Was mich zudem stört: Irgendwie verleitet die ganze Comp-Geschichte zu ner Angsthasenfliegermentalität. Es ist definitiv nicht sehr schlau, als erster wegzufliegen, irgendwas zu versuchen u.s.w., denn wenn es klappt sind alle schnell da und wenn nicht steht man alleine unten. Da fehlt doch etwas die Genugtuung.

Ich für mich persönlich habs gesehen mit irgendwelchen Comps, alles in allem fehlt mir die Befriedigung dabei. xcontest ist nach wie vor OK, für mich verbindet das die Ideen des Wettkampfes und des freien Fliegens ganz gut, mit aller Freiheit unterwegs und doch gibts danach noch den Vergleich und etwas Zahlenspielerei.

Nun den, das war meine Meinung zum Thema. Wie auch immer gibts auch andere. Und das ist gut so, den dafür gibts die Kommentarfunktion :-)

Übrigens: Gaynors XCOpen-Bericht über ähnliche Themen ist auf jeden Fall lesenswert…
The Lemming Effect – by Flygirl

Uersel Cross Country, Reisen, Wissen , , ,

  1. Thomas
    24. Februar 2009, 21:51 | #1

    Hoi Urs
    Schön, dass ihr wieder wohlbehalten hier seid! Es hat viel Spass gemacht, Eure Berichte zu lesen und die Bilder anzuschauen. Vielen Dank dafür!!! Natürlich war ich auch etwas neidisch – denn hier war es sehr kalt und es gab zuletzt eine lang andauernde Nordlage. Schlecht im Norden, Föhn im Süden. Fliegen war im Februar selten möglich.
    Deine Meinung zum Wettkampf kann ich verstehen. Leider ist auch in Mexiko ein tragischer Unfall passiert (wobei ich nicht weiss, ob Stefan Schmoker zuviel riskierte). Jedenfalls ist das immer furchtbar traurig und wir sollten keine unnötigen Risiken eingehen. Vor diesen dunklen Wolken habe ich auch sehr viel Respekt. Es lohnt sich wirklich nicht, da etwas zu erzwingen.
    Ich freue mich auf ein paar Flüge mit Dir / Euch im Frühling hier :-) ))
    Liebe Grüsse
    Thomas

  2. Christoph
    Christoph
    25. Februar 2009, 02:29 | #2

    Hallo Urs!
    Kann mich nur Thomas anschliessen: Schön seid ihr wieder alle wohlbehalten zurück! Wenn ich das so lese läufts mir kalt den Rücken runter! Da ich nicht dort gewesen war kann ichs natürlich nicht wirklich beurteilen aber ich kann dich voll und ganz verstehen. Schlussentlich muss halt jeder für sich entscheiden was er/sie will, was ihm/ihr Spass macht und wo die PERSÖNLICHEN Grenzen liegen. Du scheinst deine oder zumindest eine gefunden zu haben und das ist eigentlich eine ganz gute Sache oder?
    Ich für meinen Teil mache es wegen dem Spass der Sache und weil mich wenig oder eigetnlich noch nichts so grundlegend berührt hat wie die wunderschönen Flüge die ich bis jetzt erleben durfte, in ein paar der schönsten Flecken überhaupt! Wie du ja weisst ertape ich mich immer wieder mal beim schwärmen, auch wenn meine Flüge nicht die längsten oder weitesten sind.

    Hoffe es gibt für euch alle bald schöne Flüge in den Alpen wenn den der gnaze Schnee mal weg ist. Hahahaha

    Happy landings!

  3. 25. Februar 2009, 07:49 | #3

    Hey Ürsel

    I cha mi de anderä 2 nume aaschliesse: schön sit dir aui 3 gsund und munter widr zrügg! was du über comps gschribe hesch, bestätiget mini meinig. i bi zwar no nie are comp gsi, aber was i drüber ghört ha, deckt säch so öpe mit dine erfahrige.
    de wünsche ig guets aaklimatisiere und überwinde vom jetlag und me gseht säch gli mau ir luft!

    Barbara

  4. Marcel D.
    26. Februar 2009, 16:14 | #4

    Schöner Aufsatz, Urs! Ich teile Deine Meinung eigentlich uneingeschränkt, d.h. habe es für mich persönlich ziemlich genau gleich erlebt und verzichte daher auf das Fliegen von zentralen Wettkämpfen.

    Ähm, und weiter so mit innovativen Streckenflügen, spannenden Berichten und dieser Seite!

  5. 26. Februar 2009, 20:57 | #5

    Danke Euch für Eure Kommentare. Fast etwas schade, dass die Meinung so einhellig zu sein scheint, wäre sicher auch interessant, die Beweggründe eines angefressenen Wettkämpfers zu lesen…

    @Christoph
    Mit dem Schnee hast du wirklich recht, war am Mittwoch Nachmittag schnell im Engelberger Tal unterwegs, auf dem Brändeln liegt etwa 1m Schnee! Der Winter hat offensichtlich grad erst begonnen.

    Grüsse Urs

  6. 27. Februar 2009, 01:06 | #6

    Ciao Urs

    Dominik hat mich aufgefordert einen pro Wettkampf Kommentar zu schreiben :-) Also mache ich das doch einmal. Dann könnt ihr mich nachher zerrupfen ;-)

    Ich Fliege noch nicht sehr lange und die meisten Wettkämpfe habe ich in der Schweiz geflogen. XC-Open Piedrahita und German-Open waren da die ausnahme.
    In der Schweiz finde ich die Tasks immer sehr sinnvoll gesetzt und auch über das Wetter werden wir immer genau informiert. Es wird auch darauf hingewiesen, dass man landen gehen soll, wenn man es nicht mehr für sicher findet. In Piederahita, fand ich die Tasks nicht immer sehr sinnvoll was automatisch ein höheres Risiko zur Folge hatte.

    Nun zu Problematik: Ich finde der Veranstallter hat eine Verantwortung für den Task. Das Denken der Piloten kann er aber nicht übernehmen. Jeder muss in der Luft selber entscheiden können, ob er noch weiter fliegen will oder nicht. Was für mich wichtig ist, ist das Können der Piloten. Ich flog meinen ersten Wettkämpf mit meinem Aspen II und dem Können für den Schirm. Wenn ich schon lange landen gehen muss, weil die Bedingungen nicht mehr fliegbar sind für mich, können Piloten wie Chrigel noch lange fliegen. Das muss man sich immer bewusst sein und nicht blind jedem nachfliegen.
    Ganz klar ist man bei einem Wettkampf einem Druck ausgesetzt. Stress und solche Sachen. Es braucht Mentalestärke um zu sagen ich gehe jetzt landen. Es ist nicht einfach die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich denke man sollte auf diese Kopf-Sache verstärkt den Fokus legen.

    Schlussendlich muss aber jeder selber wiesen ob er Wettkampffliegen will. Ganz klar finde ich, dass es nötig ist, dass man gute Taskseter hat und ein gutes Meteobriefing.

    Jetzt bin ich gespannt was ihr dazu meint. @Dominik: Du schuldisch mir es bier ;-)

    Gruess
    Marco

  7. 27. Februar 2009, 06:47 | #7

    Hi Urs,
    Thanks for sharing your thoughts on this subject. Allthoug my german is not the best in the world I understood your points. I am not a comp-pilot, but after talking about the XC-Open with Gaynor the week priot to the comp I got really interested. Then I read about the waypoint-tasks, something I think takes out the spirit of the XC-Open, scoring the true freeflying! So I lost interest again. I will keep in touch and check up on the XC-open though…first point: a bit more XC skills!
    Having fun working again?

  8. 27. Februar 2009, 21:41 | #8

    Danke Marco für deinen Kommentar. Hab doch gewusst, dass der Wettkampfnachwuchs nicht nur im Berner Oberland zu finden ist :-)

    Worauf ich in Text hinaus möchte ist, dass sich mir gezeigt hat, dass sich die Handlungsweise der Piloten (natürlich inkl. mir) verändert nur aus dem Grund, DASS der Flug in einer Comp gewertet wird. Dies auch ohne irgendwelches Tasksetting, auf welches sich u.U. Schuld würde abwälzen lassen. Zudem denke ich, dass grad aufgrund der Forderung, auch während Comps beim Abfliegen der Route mitzudenken, hinsichtlich der Sicherheit keine Schuld auf irgendwelches Tasksetting abgeschoben werden kann, da dies impliziert, dass ich meine Selbstverantwortung nicht wahrgenommen habe.

    Natürlich ist dies eine idealisierte Vorstellung und natürlich darf man auch mal was riskieren, habe kein Problem damit. Ich bin einfach erschrocken, wie gross dieser Einfluss auf die Piloten tatsächlich zu sein scheint.

    Einer Meinung mit dir bin ich mit dir bezüglich Flugtechnik/Schirmbeherrschung, wenn sich das so äussert, dass z.B. ein Chrigel Maurer (bin allerdings vorsichtig mit Aussagen à la “gewisse Leute können alles”) noch irgendeinen Hammer-Leeschlauch sicher ausdrehen kann wo’s mir den Schirm um die Ohren hauen würde. Da hast du natürlich recht, hier heissts Charakter zeigen und es woanderst versuchen gehen, wo’s vielleicht nicht ganz so zügig aber dafür ruhiger geht. Das man sich hier mit geeigneter Technik nen Wettbewerbsvorteil holt ist offensichtlich und auch gerechfertigt. Wenn ich aber durch den Wettbewerb was anfliegen muss, was mich überfordert oder das ich nicht einschätzen kann, so muss ich mich fragen, warum ich das überhaupt mache.

    Ich hab aber mehr ein Problem damit, dass bei dem, was ich gesehen habe (und das ist zugegebenermassen nicht viel, nämlich nur dieses eine XCOpen), durch die Comp viele Leute sehr mutig sind und das Rudelverhalten dann den Rest besorgt.

    Grundsätzlich halte ich es aber nach wie vor mit folgendem: Jeder ist selbstverantwortlich und kann am Schirm tun und lassen was er will. Möchte nämlich selbst die Freiheit, auch mal was Dummes zu tun… ;-)

  9. 28. Februar 2009, 21:51 | #9

    Sali Urs

    Also das mit “gewisse Leute können alles” bin ich auch vorsichtig. Es kann den “Besten” Piloten erwischen. Wollte damit nur sagen, dass es unterschiedliche Stufen des Könnens gibt.

    Ja das mit dem Rudelverhalten ist leider so. Und jeder von uns erwischt es einmal, wenn wir ganz ehrlich zu uns sind. Dies sieht man ja auch sonst im Leben. Wieviele Menschen machen einfach etwas weil es die Mehrheit macht. Ich sage mir da halt, nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Das braucht eben Stärke, nicht einfach zu allem “Ja” zu sagen.

    Ich finde das Rudelverhalten oder den Lemming-Effekt sieht man aber auch bei nicht Wettkampfpiloten am Hausberg. Sobald einer Startet, springen alle hinter her. Egal was für Bedingungen. Finde es erstaundlich was manche Piloten riskieren für absolut nichts. Sie könnten ja morgen wieder einen schönen Flug am Hausberg machen.

    Ja grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass jeder tun kann was er will. Aber es gibt halt da ein Problem. Unfälle und solche Sachen werfen ein schlechtes Bild auf unseren geliebten Sport. Das schadet uns allen. Und leider gibt es auch bei unserem Sport Regeln wie der Luftraum und da müssen wir auch aufpassen. Auch wenn ich gar kein Freund von den Lufträumen bin und die TMA Sion mir gar nicht gefällt :-) Kenne da noch jemand, der hat auch keine Freude an dieser TMA… gäll Domi ;-)

  10. el Globo
    6. März 2009, 10:31 | #10

    hey Domi, super text, mer merkt dasd um einiges riifer worde bisch durch die reis. Findi super :)

    bis bald mal wieder bim flüge, sobald sich de schnee verpisst :)

  11. Skydive
    Skydive
    6. März 2009, 13:41 | #11

    @el Globo
    hey globi
    das hät de urs gschribe ;) aber danke :D

    jup see you am soare oder so ;)

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