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Im Winter besser nicht…

Nachdem ich am Freitag 11 Flüge in gut 4 Stunden am Brändlen abspulen konnte war ich wieder so richtig spitz aufs Acrofliegen. Höhe war gefragt und kein Nebel, lasst uns wieder mal das Parpaner Rothorn ob Lenzerheide versuchen.

Wie’s bei mir meistens so ist, ist am frühen Morgen die am Abend noch im Überfluss vorhandene Motivation fast zur Gänze weg. Es reicht knapp auf den Zug, endlich weiterschlafen. In Thalwil warten schon zahlreiche Wintersportler, die’s alle in Bündnerland zieht. Alles egal, ich hab mir nen Sitzplatz erkämpft und kann weiterdösen. Aber nicht für lange…

Irgendwo im Hinterkopf ists noch vorhanden: Es könnte doch einiges an SW-Wind geben heute. Und das Parpaner Rothorn ist immerhin knapp 3000m hoch. Wird das gehen? Ja sicher, wahrscheinlich, vielleicht, ich will schlafen…

Andere sind penetranter. Janine fragt sich das gleiche, aber konsequenter, und so wirds schwierig mit dem Verdrängen. Aber nachdem Thomas (der am Morgen nochmals ins Meteo geschaut hat) am Telefon beruhigende Töne anschlägt und auch die Cassons-Windstation einigermassen vernünftige Werte meldet lassen sich meine Bedenken wieder besser zur Seite schieben und auch Janine ist beruhigt.

In Chur trifft sich unser heutiges Grüppli. Als da wären: Janine, Rahel, Barbara, Thomas und ich, schon sind die Männer in der Minderheit, gut so :-) Im Bus nach Lenzerheide muss ich nochmals bei der Cassons-Windstation anrufen, uhh, der Wind hat zugenommen, mit 22 km/h im Durchschnitt würds noch gehen, aber später solls sicher nicht schwächer werden…
Nun gut, die Entscheidung, obs den ne Tageskarte oder Einzelfahrten werden sollen, wird uns erleichtert, als wir nach der Gleitschirmler-Tageskarte fragen: Sowas gibts nur im Sommer, im Winter kostet der Tag Fr. 62.-, für alle, auch für uns. Da hab ich mich offensichtlich mal gehörig getäuscht, fängt ja gut an.

So gehts vorerst weiter: Barbara hat ihre Jacke im Bus liegengelassen, sie wird erst mal dieser nachrennen und uns halt alleine fliegen gehen lassen müssen (wow, ein Verben-Friedhof, das sogenannte Plusquamfuturpräsens :-) ). Bis später…

Mit ner Einzelfahrt für Fr. 14.- (mit Halbtax/GA) gehts nach oben, wenn’s denn zu stark ziehen sollte hält sich immerhin der Verlust in Grenzen. In der Mitte ist noch kein Windhauch zu spüren und auch oben, nur ein lauer Windhauch aus Nordwesten! Gut, wir wusstens schon vor der Ankunft, der Seilbahn-Kabinen-Cheffe, der schon seit 35 Jahren Erfahrung mit Gleitschirmlern hat (offensichtlich ein Pionier ;-) ), hat uns darauf vobereitet, dass es zum Fliegen nicht gut werden wird, da es fast kein Wind hätte. Da haben wir wieder was gelernt :-)

Nun den, es soll mal ein Flügli werden, den Kaffee, nach welchem Janine schon seit langem lechzt, solls erst vor dem 2. Anlauf geben. Obwohl, wir haben ja Zeit, mehr als 4 Flüge dürfens nicht werden, ansonsten würde sich unsere Einzelfahrten-Taktik am Ende noch als Fehler entpuppen, und soweit solls nicht kommen. Trotzdem sehen wir ein, dass es sich nach einem absolvierten Flug, also sozusagen nach der Pflicht, gemütlicher irgendwo hinsitzen lässt, denn per Definition haben wir ja schon triumphiert und es dem Berg gezeigt, jawohl!

Es sollte eine weise Entscheidung sein.

Wir finden etwas unterhalb des Gipfels eine Kuppe, von wo aus es sich starten lassen müsste. Der Schnee ist recht hart, ab und zu kommen die altbekannten, scharfkantigen Steine durch. Ich mache den Vorflieger, Janine übernimmt den Besenwagen-Job. Trotz leichtem Aufwindli schlägt mein erster Start fehl, der Schirm dreht sich anstatt dass er hochkommt, warens wieder mal die Steine? Wie auch immer, danach gehts besser und bald fliegen schön gleichmässig hintereinander 4 Schirme vom Rothorn weg in Richtung gefrorenem Heidsee.

Gestern hab ich mich erstmals getraut, so was wie Misty Flips zu versuchen, hat sich als harmloser als gedacht herausgestellt. Das wird jetzt hoch über dem See wieder versucht, geht an und für sich gut, aber die Schirmreaktionen sind schneller, wird wieder mal an der Höhe liegen, oder bin ich einfach noch müde? Wie auch immer, die Situation hier ist geil, ich bin mitten über einem riesigen Landeplatz, Wind hats keinen, ich mache einfach ohne Pause was mir grad so in den Sinn kommt… Uhh, langsam wirds tief, Zeit zum landen und schon stehe ich unten, mitten auf dem Seelein. Naja, was solls.

Und auch Barbara hat, nach einer Odysee rund um die Lenzerheide garniert mit störrischen Buschauffeuren, ihre Jacke wieder und steht schon neben mir. Bald kommen auch Rahel und Thomas angeflogen und platzieren sich bei uns, mitten auf dem Eisfeld.

Ich hab aber noch weiter nach oben zu schauen, denn Janine ist im Anflug und sie wird Acro fliegen. Und zwar richtiges Acro. Ich bin wirklich immer wieder beeindruckt, sie fliegt verdammt gut, wirklich gut, Wingover superhoch und sauber, Asy-SAT ist Routine aus allem was Schwung bietet. Das ist nicht alles, auch bei den abgerissenen Manövern kennt sie wenig, Heli ist eh kein Problem, sogar der Twister (Helico-to-Helico) und der Heli auf die andere Seite klappen! Das ist wirklich schwieriges Zeug! Es gibt nicht viele Frauen, die das fliegen, das ist ganz einfach richtig gut geflogen, Respekt!

Aber der Flug ist halt trotz viel Höhe für alle schnell vorbei, und so gehts für Fr. 14.- wieder nach oben, dieses Mal ins Restaurant, wo Janine endlich etwas gegen ihre Entzugserscheinungen machen kann ;-) Mittlerweile hat die Sonne doch einige Löcher in den Cirren entdeckt und es ist auch auf der Terrasse angenehm warm, zumindest für einige Zeit.

Irgendwann wirds aber doch allen etwas kälter, zudem steigt bei den Anwesenden doch langsam die Lust auf nen nächsten Flug. Rahel, Janine und ich nehmen den Weg an unseren vertrauten Startplatz, Thomas und Barbara entscheiden sich für die Südwestseite, da sie an unserem Startplatz Abwind erwarten und auf der Südwestseite eher Aufwind. Nun, sie haben recht, es hat tatsächlich etwas Abwind hier, könnte schwierig werden, da das Gelände nicht eben steil ist und irgendwo sicher Tiefschnee lauern wird, welcher Startversuche jeweils recht abrupt beendet.
Nun, wir versuchens trotzdem, Janine wird als erste gehen, danach Rahel und ich mache den Besenwagen. Aber Janine’s Startversuch macht nicht eben Hoffnung, der Schirm bewegt sich nicht mal vom Boden weg und schnell macht Tiefschnee weiteres Rennen unmöglich. Rahel ist die nächste, sie hat in etwas steilerem Geläde ausgelegt, vielleicht klappts. Aber eine Bremsleine verfängt sich an nem Stein und lässt den Schirm nicht steigen, immerhin hat das Maleur nur den Mantel der Leine gekostet und nicht grad die Leine zerrissen. So versuche ichs halt als nächster, ich profitiere von den beiden Fehlstarts und kann meinen Startplatz optimieren. So klappts denn mit etwas Glück und knapp gehts über die Kante in Richtung Acro-Zone.

Aber hinter mir folgt niemand. Ich acroe etwas rum, bemerke, dass sich im Tal doch ein nennenswerter Talwind gebildet hat. Nach der Landung lässt sich darin sogar etwas spielen, ich warte einfach mal ab. Endlich sehe ich einen Schirm, der vom Rothorn über den See quert. Aber es ist der weisse Epsilon von Thomas, ich ahne, dass die Starterei an unserem Rückenwindstartplatz wahrscheinlich nicht eben einfacher geworden ist.

Thomas fliegt über den See, produziert noch ne lustige Vrille und landet dann bei der Scalottas-Bahn. Mit Barbara, welche schon dort gelandet ist, möchte er auf den Scalottas rauf und von dort auf einletztes Flügli nach Westen starten.

Aber von den beiden Skyjam-Frauen ist immer noch nichts zu sehen. Ich rufe an und erfahre, was zu vermuten war: Weitere Startversuche waren auch nicht von Erfolg gekrönt, sie machen sich auf den Weg zur Südwestseite, was ne gewisse Zeit dauern wird. Ich warte derweilen auf dem Heidsee, hier bläst ein für die Jahreszeit für mich erstaunlicher Talwind, es reicht so knapp, um darin zwischen den Spaziergängern und den Langläufern mit dem Schirm zu spielen.

Einige Zeit, vielleicht ne Stunde später tönt Janine um einiges ernüchterter. Der Wind hat abermals gedreht, im Tiefschnee der Südwestseite klappts so auch nicht, beide sind mittlerweile von der Starterei im Tiefschnee kaputt und kündigen an, dass sie per Seilbahn nach unten fahren werden. Ach, ist wirklich schade, dem Berg fehlt im Winter einfach einen zuverlässigen Startplatz. Tut mir leid für die beiden.

Nun den, unten diskutieren wir kurz, ob wirs am Scalottas noch versuchen sollen. Die Motivation ist bei uns allen aber nicht mehr die beste und so befinden wir uns, nach etwas Odysee in den Sportbussen der Lenzerheide, bald auf dem Weg zurück nach Chur. Von Thomas höre ich, dass er mit Barbara in Thusis gelandet ist und die beiden auch auf den 17:09 Uhr Zug nach Zürich kommen werden. Eine gute Nachricht, so sehen wir uns alle nochmals bei der Rückfahrt!

Naja, wir haben uns natürlich mehr erhofft. Das Landen auf dem gefrorenen See ist toll, die Manöverhöhe ist gut und landschaftlich ists die Gegend auch schön. Aber dem Berg fehlt einfach ein guter Startplatz im Winter, sowohl nach Norden wie auch nach Süden sind nur immer irgendwelche mühsamen Starts möglich, bei denen jeweils die Windbedingungen stimmen sollten. Zudem ists hässlich, dass im Winter nicht ne bezahlbare Gleitschirm-Tageskarte für den Hügel zu haben ist. Obwohl, im Nachhinein war dies für uns ein glücklicher Umstand, da wir ansonsten sicher mehr Geld ausgegeben hätten…

Aber was solls, war trotzdem ein tolles Ausflügli, ein nächstes Mal werden wir, wo auch immer, sicher mehr Glück haben! Leider scheint das schöne Wetter aber erst mal eine Pause einzulegen…

Hier noch die Fotos dieses Tages von Janine.

Und noch einige ausgewählte von Janine und mir…

Uersel Acro, Erlebnisse ,

  1. david
    20. Januar 2009, 18:05 | #1

    schade, am freitag wäre es besser gewesen: «soaring deluxe» im südwind! wenn die verhältnisse passen ist das rothorn wirklich ein toller berg! betreffend startplätzen: wenig n-wind ist wirklich mühsam. bei sw-wind empfiehlt sich der startplatz am ostgipfel. der ist zur zeit wirklich schön verschneit und auch hart. auch empfehlenswert ist der winter-gleitflug nach chur. vielleicht habt ihr nächstes mal ja mehr glück.

  2. Uersel
    Uersel
    20. Januar 2009, 18:32 | #2

    @david
    Merci für deine Tipps. Hatte schon tolle Flüge am Rothorn, aber am Sa schien es nicht so ganz unser Tag gewesen zu sein.
    Wo genau ist der Ostgipfel? Wäre gut zu wissen, wahrscheinlich haben wir den nämlich einfach verpasst.

  3. Thomas
    20. Januar 2009, 19:25 | #3

    Hoi Ürsel
    Hat Spass gemacht das nochmal zu lesen und die Bilder anzuschauen. Gerade richtig bei dem Sauwetter. Am Sonntag habe ich dann noch meinen Schirm mit Baby-Puder eingepudert um den komischen Bewuchs zu stoppen ;-)
    Liebe Grüsse
    Thomas

  4. david
    20. Januar 2009, 20:12 | #4

    @Uersel
    den ostgipfel erreicht man, indem man in südöstlicher richtung über den grat läuft (ca. 10 minuten marsch). ich glaube, ein paar von euch sind im herbst auch schon dort gestartet. als wind-indikator fürs rothorn ist der cassons wenig geeignet. insbesondere bei sw-wind kann am cassons noch lange geflogen werden, während es am rothorn schon zu stark ist. die windwerte vom piz martegnas sind ein besserer anhaltspunkt fürs rothorn

  5. Skydive
    Skydive
    20. Januar 2009, 20:53 | #5

    @david
    meinsch du de spot?

  6. Uersel
    Uersel
    20. Januar 2009, 21:34 | #6

    @david
    Ja, denke Barbara und Thomas sind von dort gestartet und Janine und Rahel habens von dort versucht.

    Merci für die Info, Cassons war halt grad die Nummer, die ich auf dem Mobile hatte. Werd dann mal die des Piz Martegnas raussuchen…

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