Anderes Fliegen im Winter
Was mache ich eigentlich in letzter Zeit so? Da die Tage bekanntich immer kürzer werden und die Sonne tiefer über dem Horizont steht klappts nicht mehr so richtig mit dem Thermik- und Streckenfliegen, daher bin ich in den letzten Wochen oft mit dem Acroschirm und manchmal auch mit dem Skim unterwegs gewesen. Zum Runterfliegen brauchts einen geeigneten Hügel, in der Region bietet sich für mich der Brändlen an. Und so findet man mich dort in letzter Zeit fast an jedem Wochenende…
Samstag 22.11.2008
Manchmal aber auch nicht. Am letzten Samstag wars stürmisch und eigentlich grauslig, um sich draussen aufzuhalten, kalt, nass und ab und zu hats geschneit… Wie gesagt, eigentlich alles andere als Gleitschirmbedingungen, habs aber trotzdem nicht ganz lassen können. So ist der Skim wieder mal zum Einsatz gekommen…
Oberhalb von Root gibts nen schönen, leicht erreichbaren Hang, wenn dieser aus NW angestömt wird dann fliegts dort auch. NW war angesagt, so hab ich mich optimistisch auf den Weg gemacht. Schon auf der Fahrt nach Root hats dann aber eher nach W-SW ausgesehen, nicht ganz unerwartet, denn schon die Windmessungen der Meteoschweiz haben’s angedeutet. Aber egal, um etwas zu spielen wirds schon reichen, genügend Wind war auf jeden Fall prognostiziert.
Doch die Orkanböen liessen erst mal auf sich warten, hat kaum gereicht, um den Schirm in der Luft zu halten. Doch stetig wurde es stärker und langsam hat’s angefangen, Spass zu machen. Man muss dazu sagen, richtig Spass macht es eigentlich erst, wenn ab und zu Hüpfer am Schirm möglich sind, und für die 12 m^2 des Skims braucht es dazu doch recht viel Wind. Leider wurde es mit der Windrichtung den ganzen Tag hindurch nicht besser, die Luft ist schräg über den Hang geströmt und war dadurch auch recht tubulent…
Mittlerweile ist der Wind wiederum stärker geworden und ich etwas mutiger. Eine kleine, schräg zum Hang verlaufende Kante hat etwas Aufwind produziert und dort gabs beim Durchgang einer Böe jeweils grosse Hüpfer
Ist recht beängstigend, wenn sich hinter einem die Bäume biegen und es in den Wäldern rauscht, die Windprognose schien doch noch einzutreffen. Aber hat auch sehr viel Spass gemacht.
Der Wind wurde aber immer noch stetig stärker, irgendwann hab ich mich nicht mehr getraut, während einer Böe den Schirm in der Luft stehen zu lassen. Als mich eine solche dann doch erwischt und in die turbulente Luft gehoben hat und mich danach eine Turbulenz recht unsanft wieder gegroundet und, am Boden liegend, der umgedrehte und wild zappelnde Schirm mich langsam den Hang rauf geschleift hat hab ich dann zusammengepackt… Dieser Schirm in einem 40er Wind am Meer muss definitiv geil sein, wenn dieser 40er Wind aber irgendwie turbulent daherkommt dann ists, auch definitiv, gefährlich.
Sonntag 23.11.2008
Am Sonntag gings an den Brändlen. Allzu vortreffliches Wetter war nicht vorausgesagt worden, trotzdem zeigte sich der Himmel bald einmal blau und die noch vorhandene Feuchtigkeit formte bald die ersten Cumuli. Es war überraschend stark thermisch, recht zuverlässig konnte man sich schon bald an der Süd- und Westflanke des Brändlen halten und den einen oder anderen Meter bis zur Basis, welche sich etwa 100m über dem Süd-Startplatz bildete, an Höhe gewinnen.
Bald wurden es aber für das bisschen Aufwind sehr viele Schirme und ich hab mich dem gewidmet, für was ich eigentlich gekommen war: Acro, juhuu ![]()
Ich war nicht der einzige, auch Benno war mit seinem 17m^2 Sol Supersonic unterwegs. Der Schirm dreht im Heli wirklich schnell und vor allem dreht er auch noch wenn er mal etwas schräg in der Luft steht. Meiner 6907 ist da etwas gemütlicher, dreht auch wegen des immer leicht kollabierten rückwärtsfliegenden Ohres langsamer, was schade ist, und sträubt sich bald mal gegen jede Drehung, wenn schon nur sehr wenig nicht stimmt. Feue mich auf den gebrauchten Sol Sonic 2, den ich im Tausch mit meinem alten Artik hoffentlich bald mal erhalten sollte. Dann gehts richtig ab
Ich war an diesem Tag endlich wieder mal mit meinem neu erstandenen, aber natürlich gebrauchten, Acrogurtzeug unterwegs gewesen. Ich sitze hier viel aufrechter, habe etwa 2 Flüge benötigt um mich daran zu gewöhnen. Als der Heli endlich wieder ging hab ich mal nen SAT versucht, und was soll ich sagen, ich muss bei der Einleitung auf meinen Kopf achten. Ich bins nämlich gewohnt, dabei den Schirm anzuschauen, dies hat bisher nicht grosse Kopfbewegungen benötigt, ich hab mich liegender im Gurtzeug befunden. Jetzt muss ich meinen Kopf weiter nach hinten neigen und das hatte ungeahnte Folgen… Es hat mir bei der ersten Einleitung beinahe den Kopf abgerissen!!! Ohne Vorankündigung haben die g’s meinen Kopf gnadenlos nach hinten geklappt, konnte mich im ersten Moment nicht dagegen wehren! Als ich endlich richtig im SAT drin war und die Kräfte nachliessen konnte ich meinen Kopf unter vollster Kraftanstrengung innerhalb von etwa 3 oder 4 Sekunden wieder “geraderichten”. War heftig und unerwartet! Immerhin hatte ich den Workaround bald raus: Kurz bevor die angebremste Seite nach oben kommt Kopf nach vorn und den Blick vom Schirm weg wieder gradaus, dann geht ein Grossteil der Belastung senkrecht auf die Wirbelsäule und die auszugleichenden Kräfte sind kleiner. Hatte übrigens am Montag richtig deftig Muskelkater im Hals (konnte fast nur gradaus schauen
), spüre ich heute noch…
Wie auch immer, ich bin schon seit längerem am Üben des SAT-zu-Heli. Eine echte Ausdaueraufgabe! Zu konkreten Fortschritten hats auch an dem Sonntag nicht gereicht, nur zufällig hats manchmal funktioniert, meist mochte der Schirm, kommend aus dem abgerissenen SAT, einfach nicht weiterdrehen und bliebt bockstill stehen. Die Überei wurde mit der Zeit etwas frustrierend, naja, immerhin scheine ich mittlerweile zu wissen, wie ich mich grundsätzlich im Manöver verhalten muss. Die Quote von misslungenen zu erfolgreichen Versuchen steigt langsam, an diesem Sonntag betrug sie etwa 8:1… Ich kann mich also noch verbessern.
Donnerstag 27.11.2008
Heute bin ich um 9 Uhr im Geschäft erschienen, habe ein Meeting plus ein Stündli Release-Aufwasch erledigt und bin um zwanzig nach elf wieder verschwunden
Der Tag war einfach zu schön um nicht fliegen zu gehen.
Wiederum gings mit dem 69 an den Brändlen. Kalt, aber blauer Himmel und wunderschönes Wetter. Und ich war gut drauf, hab mich irgendwie vieles getraut und es hat vieles funktioniert, vor allem auch etwa die Hälfte aller SAT-zu-Heli-Versuche. Tut gut, wenn sich wieder mal etwas Fortschritt abzeichnet! In totester Luft hats schlussendlich 8 Flüge gegeben, die Tage sind halt mittlerweile schon recht kurz.
So, jetzt freu ich mich aufs Wochenende, es ist Zeit für weitere Fortschritte…
häsch so viel überstunde… oder bisch scho uf 80% abegstuufed worde
grati zu dine werdende sat – heli
Ich hätte soviele Überstunden dass ich grad etwa einen Monat frei nehmen könnte…