Herbst-Wanderung auf den Brunni am 25.10.2008
Am Freitag Abend hab ich gesehen, dass mein Aufruf zu nem Hike and Fly am wahrscheinlich letzten schönen Herbstwochenende offensichtlich nicht wirklich auf Gegenliebe gestossen ist. Sebi hat am Tag zuvor mit seiner Niesenwanderung schon Grosses geleistet, also Zeit nachzuziehen…
Trotzdem komm ich nicht aus den Federn. Eigentlich wollte ich um 8 Uhr ab Grafenort loswandern, ich hab um 11 Uhr mit Sebi und Dominik auf dem Brunni abgemacht. Stattdessen bin ich nur schon erst um 8 Uhr auf dem Zug. Zudem bin ich nicht wirklich motiviert, etwas wandern, OK, aber lieber nicht von Grafenort, besser die bequemere Variante ab Engelberg…
Ich sitze also im Zug nach Engelberg und versuche so vor mich hin zu dösen. Ist allerdings gar nicht so einfach, das kleine Zügli ist, wie immer, zum Bersten voll. Neben mir hat sich ne Gruppe versiffter Snowboarder breit gemacht, welche etwas auf dem Titlisgletscher rumrutschen gehen wollen. Irgendwie brauch ich deren Gesellschaft nicht bis Engelberg und so steig ich dann doch schon in Grafenort aus.
An und für sich sollte es es ne schöne Route sein. Zuerst auf der Nordseite der Walenstöcke bis Brunniswald, danach auf der Westseite des Rigidalstockes am Fusse der beeindruckenden Felsen entlang über die Walenalp weiter auf den Brunni. Der Weg ist mir beim Fliegen schon oft aufgefallen, er hat den Vorteil, dass man sich sozusagen im Rücken des Engelberg-Tumultes von hinten an die immer gut besuchte Brunnihütte anschleichen kann. Alternativ könnte man aber auch ausgehend von der Walenalp weiter in Richtung Bannalp wandern und bis zu den letzten Wiesen unter den grossen Felsen auf der Nordwestseite der Walenstöcke hochsteigen. Dort wäre problemloses starten möglich, wäre grad im Sommer eine wunderbare Abend-Tour, es wäre mit Garantie noch mit guter Thermik und damit einem beeindruckenden Flug an und vielleicht über die Walenstöcke zu rechnen. Natürlich stellt sich die Frage, warum man am Sommer hochlaufen soll…
Allerdings ists jetzt erst mal neblig. Für den untersten Teil bin ich mir nicht ganz sicher, ob ein einigermassen direkter Wanderweg existiert, ist der unterste Teil ab Grafenort doch erst mal recht felsig und steil. Laut map.search hats aber im besagten Gebiet ein oder zwei Bauernhäuser, somit wirds wohl auch nen Weg geben und da in der Schweiz ja eh jeder irgendwo vorhandene Weg als Wanderweg genutzt und markiert ist…
Der Nebel ist allerdings schon etwas mühsam. Erst gehts über einige Wiesen, ich wandere jeweils so aufs Geratewohl durch die Suppe, ab und zu taucht wieder eine rot-weisse Markierung auf. Endlich erreiche ich einen richtigen Weg und kann in den trancemässigen Dauerwandermodus umschalten – wobei ich in einen wunderbaren Trott verfalle, jeweils etwas abwesend bin, aber schnell vorwärts komme. Dabei scheine ich auch nen Abzweiger verpasst zu haben, irgendwann verläuft sich der Weg auf einer steilen, bewaldeten Flanke.
Nun den, viel ist nicht mit Orientierung, aber wirklich orientieren muss ich mich auch nicht, das Ziel ist irgendwo weiter oben, diese Erkenntnis bestimmt die Route. Steigt es anfangs noch mässig wird es je länger je steiler und steiniger und ich hoffe, nicht plötzlich irgendwo am Fusse einer Felswand zu stehen und nicht mehr weiter zu können. Zudem ists vom immer noch alles umschliessenden Nebel überall nass und glitschig, 2, 3 Male gehts auf dem Bauch oder auf dem Hosenboden wieder für einige Meter nach unten… Wirklich schnell vorwärts komme ich so nicht, ich mag solche Kletterpartien nicht wirklich, zuviel Konzentration und zuwenig Dauerlaufwandern…
Nach einigem Gefluche bin ich froh, als ich unverhofft auf einen Weg treffe, der horizontal dem Hang entlang führt. Ich entscheide mich für die Richtung, die auf den ersten Blick tendenziell in die Höhe führt. So wandere ich nun für die nächsten 5 Minuten, keine Ahnung, wo der Weg hinführen wird. Aber auf einmal gehts wieder steil runter, zudem für meinen Geschmack zu stark in Richtung Engelbergertal-Mitte. Ich drehe um und versuche es in die andere Richtung. Wieder bin ich etwa 10 Minuten unterwegs, allerdings verliere ich auch hier nur Höhe, zudem ist weit und breit keine Wanderwegmarkierung zu sehen. Abermals kehre ich um, nun aber fürs letzte Mal, wenns halt wieder zurück nach Grafenort gehen sollte gibts immer noch das Bähnli nach Engelberg…
Doch der Weg stellt sich nach einer diesmal etwas weiteren Begehung als gar nicht so falsch heraus. Nach einiger Zeit steigts wieder an und bald komme ich aus dem Wald zu nem kleinen Stall mit einigen Kühen. Und siehe da, ein Wegweiser, wunderbar! Zudem lese ich alles, was ich so als Eckpunkte meines Weges kenne, ich bin richtig hier!
Jetzt geht es ans Geniessen. Der erst mal recht schlammige Weg verwandelt sich in einen guten Pfad, ich bin fit und es geht stetig, aber angenehm in die Höhe. Trotzdem kann ich mir nur schwer vorstellen, wo ich den im Moment etwa in der Landschaft stehe, es ist immer noch neblig. Doch die drei Hütten, welche sich offensichtlich Brunniswald nennen, sind erreicht, kurz darauf wird es heller und wenige Höhenmeter später klärt sich die Sicht. Superschön, ein völlig blauer Himmel, grad unter mir beginnt das Nebelmeer. Und endlich der bösen Kaltluft entronnen ists auf einmal angenehm warm.
Obwohl, kalt habe ich bis jetzt trotz kühler Nebelsuppe nicht gehabt. Jetzt ists eher schon recht heiss, denn es geht nun recht stotzig den Walenstöcken entgegen. Ich erfahre, dass Dominik und Sebi auf dem Weg rauf auf den Brunni sind, bis 11 Uhr werd ichs definitiv nicht schaffen, eher bis 13 Uhr… Aber das ist mir im Moment egal, den die Szenerie stimmt und endlich komm ich mit dem Tempo vorwärts, dass ich gern schon einiges früher gehabt hätte.
Auf der anderen Talseite erhebt sich, irgendwie höher als sonst, der Arvigrat, die obersten 30 Meter des Wellenbergs bilden eine Insel im weissen Meer und etwas weiter hinten bilden Brändlen und die Flanke zum Haldigrat und Brisen die weiteren Küstenabschnitte. Wie in einen Fjord ergiesst sich der Nebel aus dem Mittelland bis in den letzten Winkel des Tales, es ist das erste Mal, wo mir schwant, dass heute auch Engelberg von der weissen Suppe nicht verschont geblieben sein wird, was unsere Flugpläne vor erhebliche Hindernisse stellen könnte.
Doch erst mal gilt es die Walenalp zu erreichen. Zeit für eine Pause und zur Orientierung. Weiter vorne in Richtung Brunni sollten jetzt eigentlich einige farbige Tüten am fliegen sein, aber nichts ist zu sehen, demnach war meine Wahl, heute erst mal etwas zu wandern, nicht schlecht
Auf der Walenalp treffe ich auf die ersten Wanderer vom Brunni, welche jetzt vor der Wahl stehen, weiter runter ins Tal und damit in den Nebel zu laufen oder doch eher in diesen Höhen zu bleiben um den stahlblauen Himmel noch etwas zu geniessen.
Auf gehts zu letzten Etappe, am Fusse der Felsen vorbei über einige Geröllhalden auf die Brunni. Der Weg ists jetzt beinahe flach, es gilt einzig, die fehlenden etwa 3 Kilometer Wegstrecke noch zurückzulegen. Mittlerweile spüre ich meine untrainierten Unterschenkel, macht aber nichts, den bis zum Härzlisee sinds nur noch einige Meter.
Und hier lungern auch schon die ersten Gleitschirmflieger rum, Sebi und Dominik und zwei Ostschweizer, welche sich den Sigma 7 und den Factor zum Testen a
usgeliehen haben und jetzt hier oben über dem benebelten Engelberg festsitzen. Ansonsten ist das Wetter 1a, perfekt um etwas rumzublödeln und den Blutzuckerspiegel in Form von 3 Mars und einer Portion Pommes Frites wieder aufzuladen.
Man ist sich etwas unschlüssig, ob grad zu nem kurzen Abgleiterli runter zur Ristis-Bergstation gestartet werden oder ob lieber faul noch weiter rumgehangen werden sollte. Ein leichter Aufwind ist konstant zu spüren und die Herzen schlagen jeweils etwas höher, wenn der nächste Mutige versucht, die schwächelnde Thermik mit verzweifelten Kreisen zu nutzen. Aber es gelingt niemandem und die Aussicht, nach einer verpassten Landung auf dem Ristis in Engelberg mit 20m Sicht zu landen ist nicht grad verlockend.<
Etwas später laufen wir den Südhang rauf und ich mache die letzten Höhenmeter für heute. Oben haben wir wieder Zeit, während sich die beiden Ostschweizer doch zu nem Flüglein auf den Ristis entscheiden. Wir warten erst mal ab…
Und tatsächlich, von der Fürenalp her zieht sich der Nebel zurück. Nachdem jemand noch die glorreiche Idee gehabt hat, dass es mit einem schnellen Start noch für ein zweites Flügli reichen könnte sind wir schon bald fieberhaft am Auslegen. Grosse Wiesen östlich von Engelberg sind jetzt frei, alles, was jetzt mit nem Schirm noch auf dem umliegenden Hügeln festsitzt macht sich auf in die Luft.
Gleich nach dem Start fange ich mir in beiden Beinen noch so was wie einen Krampf ein, etwas ungemütlich, lässt sich dann aber durch einige Verrenkungen doch in den Griff kriegen. Danach gehts ans Spielen, wenn ich schon meinen Acroschirm raufgeschleppt habe möcht ich das auch geniessen. Auch Sebi ist am SATten und Dominik am Wingovern.
Inzwischen breitet sich unter uns der Nebel wieder aus, recht schnell schwappt er von Engelberg wieder in Richtung Fürenalp. Ich verschwende aber nicht wirklich viele Gedanken darauf, noch sind Löcher zu sehen und grad bis zum Boden wird der schon nicht reichen. Bald verschwimmt der blaue Himmel, rein gehts in die Suppe, und nachdem ich auf einmal in ungeahnter Nähe über Hausdächer und Vorgärten hovere stelle ich fest, dass der Nebel doch bis zum Boden reicht. Nun gut, um Engelberg hats viele offene Wiesen und auf eine solche treffe ich zum Glück auch bald, Zeit zum Landen. Hat deftig schnell zugezogen, im Tal herrscht für die nächsten Minuten auch ein strammer Wind. Aufgrund der miesen Sicht hab ich zwar keine Ahnung, wo Sebi und Dominik gelandet sind, trotzdem lässt es sich in dem feinen Wind noch für einige Minuten wunderbar groundhandlen.
Bald weiss ich, dass es auch Dominik und Sebi nicht irgendwo um einen Schornstein oder Seilbahnmast gewickelt hat. So besteht unser Australiengrüppchen immer noch aus 3 Leuten und die restliche Zeit dieses wunderbaren Tages vergeht beim zum Planen dieses Ausflüglis in der vergänglichen Gesellschaft einer Familienpizza im Ristorante Giessenhof in Dallenwil.
War wieder mal ein super Tag, und Wandern war definitiv ne gute Idee heute.
Noch schnell die Eckpunkte der Wanderung, falls irgendwann mal jemand Lust drauf hat:
Grafenort (569 m.ü.M.) – Brunniswald – Walenalp – Brunni – Startplatz Schonegg (knapp 2000 m.ü.M.)
Gute Berichte von allen! Macht Spass die zu lesen. Ihr macht mich richtig eifersüchtig. Hab ne ziemliche Durststrecke im Moment und muss von den vielen schönen Erinerungen leben. Da kommen die Berichte gerade richtig
Skydiving-Berichte sind auch immer wieder spannend…
Was denkst du, reihts für das eine oder andere Flügli, wenn du am Nov für einige Tage hier bist?
Urs