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Trip ins Tessin am 04./05.10.2008

Am Samstag wurde ich zwar unsanft gegroundet, wäre aber zu schade, deswegen den wettermässig gut angesagten Sonntag einfach ungenutzt verstreichen zu lassen. Erst will ich nach Fiesch, dort hats aber unverhofft Schnee gegeben und so nehme ich die Einladung von Dominik und Sebi an, am Sonntag im Tessin fliegen zu gehen.

So geht es noch am Samstag Abend ins Tessin. Nachdem die Acroausrüstung vorerst mal nicht benutzbar ist, der Notschirm muss neu gepackt werden und zudem liegt der Innencontainer plus Notschirmgriff auf einem Dach in Wolfenschiessen, bleibt noch die Streckenausrüstung, eignet sich für das Erwartete eh besser.

Um etwas nach neun Uhr bin ich in Bellinzona. Ich muss drei mal hinsehen, als mich Dominik und Sebi mit einem Audi S8 abholen. Sind doch Gleitschirmflieger, oder?! Mit dem Schlitten versuchen wir anschliessend noch, bei einigen hübschen Tessinerinnen zu landen, wie erwartet sind die auch interessiert, wenden sich aber jeweils angewidert ab, als sie die Gleitschirme sehen… ;-) Naja, gehen wir halt saufen.

Wir wollen noch auf den glimpflich ausgegangenen Absturz anstossen, sprich geht alles auf mich heute Abend. Nachdem uns der Wirt aber gleich alle drei Getränke beinahe auf den Schoss kippt gibts sogar noch Runden bezahlt… Hätt mich aber auch nicht gestört, wenn er mir das Bier über den Kopf gegossen hätte, ich bin in erster Linie froh, überhaupt hier sein zu können.

Nachdem es mit den Tessinerinnen nicht geklappt hat wird im Ferienhaus von Dominiks Eltern in Santa Maria im Calancatal übernachtet. Wahrlich ein Kontrast! Nach einer Nacht im Schlafsack gehts bald an den Startplatz, der grad mal einige hundert Meter vom Ferienhaus entfernt liegt. Dominik strotzt schon vor Unternehmungslust während Sebi und ich noch am Aufwachen sind. So lassen wir ihm gern den Vortritt, im strammen Rückenwind auf ein Morgenflüglein ins Tal zu starten. Wirklich fit werde ich heute eh nicht werden, mir tut noch so einiges weh von gestern, zudem vertraue ich meinem Rücken nicht wirklich. Doch auch das Problem wird sich noch lösen.

Die Flugschule bringt Dominik wieder nach oben. Inzwischen scheint die Sonne vom stahlblauen Himmel schon recht tief ins Tal und der Rückenwind hat sich in einen lauen Aufwind verwandelt. So passt der Start auch für die Übermüdeten und Halblebigen. Sebi kanns nicht lassen, den ganzen Startplatz mit seinem dreckigen Lappen zu bedecken, so das ich geradezu gezwungen werde, ihm den Vortritt zu lassen.

Überhaupt staunen Dominik und ich, dass der alte Mamboo nicht einem nigelnagelneuen Triton gewichen ist. Weshalb? Wir haben einen Teampiloten! Einen Nova-Teampiloten, um genau zu sein. Vergangene Woche hat Sebi am Achensee der Nova-Elite das Achti und den Doppelkreis vorgeflogen und den Bender Toni damit offensichtlich so beeindruckt, dass er ihm grad einen rot-weissen Latex geschenkt hat und Sebi damit in die erhabene Riege der Nova-Jünger aufgenommen wurde! Oder warens vielleicht doch die Flüge vom diesem Frühling im Wallis? Auf jeden Fall schaue ich jetzt zu Sebi auf…

Doch wie gesagt, wir hätten da schon einen schnittigeren Schirm erwartet. Aber Sebi findet auch mit seiner Schwarte den Lift über der Burg von Santa Maria und kann seine Höhe halten. Somit bin ich gefordert. Wie ein alter Mann humple ich den Starthang runter und bin heilfroh, als ich mich endlich ins bequeme Sitzli legen kann. Leider ist das dann gar nicht so sehr bequem eingestellt, alles etwas eng, meine angeschlagene Rippe protestiert und schmerzt etwas vor sich hin. Aber der Stolz ist stärker.

Erst mal in der Luft nehme ich grad die Fährte von vermodertem Laub auf (isn Insider, Sebis Schirm entwickelt diesen charakteristischen Geruch). Vorne bei der Burg hängt der Geruch schwer in der Luft und tatsächlich, man kann sich halten. Trotz meiner Hammersichel kann ich Sebi nur durch hartnäckiges abdrängen und aus der Thermik drücken unter Kontrolle halten, mit Hilfe des hautengen Latex scheint er zu steigen wie ein Ballon! Aber ich hab den längeren Atem und drehe stoisch die 0.03m/s Steigen, ha, hab ichs doch gewusst! Nachher sagt er dann, das sei mühsam gewesen, sowieso müsse Dominik am Landeplatz warten und überhaupt… alles Ausreden.

Denn Dominik hat den Fahrer für uns gespielt und unsere Sänfte von Santa Maria an den Landeplatz geschafft. Danke! Nachdem ich ohne die Hilfe des Modergeruches abgesoffen bin und meine Rippe gegen jeden Wingover nach links heftig protestiert spirale ich halt langweilig die restliche Höhe plus die 3m, welche ich an der Burg gemacht habe, ab, gebe danach aber alles für eine sanfte Landung, um meinen geschundenen Körper zu schonen. Naja, ein Hochgenuss war der Flug nicht grad, aber wieder in der Luft, tut gut.

Unser Fahrer drängt zum Aufbruch. Nachdem er in kalter und toter Morgenluft nur einen Absaufer hat machen können, uns dann aber in Hammerthermik hat drehen sehen, hat er jetzt das Reissen. Unser Teampilot schwärmt in der Zwischenzeit über seinen Latex, da seis grad viel wärmer mit und durch die markant reduzierte Reibung rausche der Schirm ab wie der Blitz! Das muss ich mir jetzt auf dem Weg bis Locarno alles anhören und tät doch viel lieber irgendwo in einem Bett liegen…

Unser Nova-Teampilot scheint die Nova-Piloten anzulocken wie das Licht die Motten! Schon beim Parkplatz in Locarno lauert uns einer auf und fragt Sebi (nicht Dominik und nicht mich, sondern Sebi) nach dem Weg an die Cimetta. Wir geben uns kompetent, aber eigentlich wissen wirs selbst nicht. Doch wär ja peinlich, als Beinahe-Einheimische vor nem Deutschen (isn Deutscher) schon bei so grundlegenden Fragen in die Knie zu gehen. Dominik rettet die fast aussichtslose Situation, zielt in eine Richtung, wir dackeln ihm nach und finden das Bähnli mit mehr Glück als Verstand auf Anhieb! Natürlich lassen wir uns ob des unverhofften Glücks gegenüber unseres Kollegen nichts anmerken und geben uns routiniert.

Es geht rauf auf den Hausberg von Locarno (oder wie sagt man das, Locarner Hausberg???). Natürlich muss es ne Tageskarte sein, im Nachhinein verstehe ich nicht mehr, warum wir nicht einfach auf unser fast unübertreffliches Thermikgespür vertraut haben. Zudem mag Dominik die Herausforderung, er hat sein Vario im Auto liegengelassen. Dafür ist ein Impress mit an Bord, das solls richten.

Oben angekommen schaue ich gedankenverloren einem Gleitschirm nach, der schon einige hundert Meter über dem Gipfel munter in der Thermik kreist. Das scheint zu reichen, damit ich nicht mal Augen für die hübsche Frau habe, die mich unvermittelt anspricht… Was für ein Zufall, Nadine ist auch hier! Sie hat ihren Schirm noch und wieder etwas Zeit zum fliegen… Nadine, damit wechselst du vom “cc” wieder aufs “to” meiner Flugmails! Zudem werden die AirAddicts eh zu stark maskulin dominiert, da würde weibliche Verstärkung nur guttun ;-) Wie auch immer…
Marco, Peter und Stefan sind auch mit dabei. Auch Marco scheint investiert zu haben, er fliegt mit dem Golden 2 plus nem Skywalk CultXC Sackgurtzeug rum, er ist der Pilot, der sich schon weit oben tummelt und dem ich vorhin zugeschaut habe.

So, ich möchte jetzt fliegen. Es tratschen zwar noch alle in der Gegend rum und der Nova-Teampilot ist am posen, aber der Aufwind steht wunderschön an, ich will jetzt starten. Und was für eine Wohltat, kein Schritt ist nötig, um in die Luft zu kommen, tut mir sehr gut. Schlau, wie ich bin, hab ich zuvor mein Gurtzeug auf sehr gemütlich eingestellt, ideal um einfach etwas in der Luft rumzulungern.

Aber was soll das? Jeder Idiot steigt an mir vorbei, jeder Alpha zersägt mich, scheine nix als ne blöde Boje zu sein. Die werden denken, wieder mal so nen Anfänger, dessen Ego unter nem Hochleister hängen muss… Da sind körperliche Schmerzen nichts dagegen! Gebe jetzt alles.

Irgendwann schaffe ichs dann doch auch noch. Der Deutsche, den ich mit seinem Riesenrucksack etwas belächelt habe, zersägt mich zum wiederholten Mal. Auch Nadine ist an ihrem schwarz-gelben 1-3er nach wie vor eine Macht, die zwei haben sich gefunden. Naja, zum Glück hab ich ne Ausrede. Nach ner Stunde oder so rumdümpeln und einigen sehr zaghaften Versuchen, etwas weiter nach hinten zu kommen, ohne aber die Option auf den Rückweg zu verlieren, zeigt uns der Nova-Teampilot, wie’s geht und setzt zu nem gnadenlosen No Return Flug in die Tiefen des Maggiatals an. Dominik und ich, Mädchen die wir sind, zieren uns vor dem wahrscheinlichen Reislein per Autostopp oder so aus dem Maggiatal zurück nach Locarno und schauen dem roten Latex nach, wie’s davonzischt. Ne Stunde später sehe ich das rote Latex extrem tief in einer Düse hängen und lächle genüsslich…

Dominik ist topgelandet, ich muss wohl oder übel auch, es gelingt, wie soll ich sagen, nicht so toll (sprich ich rausche wie ein Komet mit vollem Rückenwindspeed in die Wiese), immerhin weiss ich seither, dass mein Rücken beim Absturz sicher nichts abbekommen hat und auch sonst noch alles stabil ist. Wir lauern etwas am Startplatz rum und rufen noch bei Sebi an, der müsste doch schon längst irgendwo versoffen sein… Wirklich fit bin ich nicht, ich brauch nen Nussgipfel, bekomme aber nur ein Snickers. Doch etwas spielen mit dem Schirm im Wind macht Spass. Bald gehts auf zum Abendflüglein runter an den See. Dominik schaffts, sich, jetzt mit Vario, sofort zu versenken, ich habe mehr Glück und kann noch etwas in der nun sehr laminaren Luft über dem Gipfel rumgurken. Doch nachdem ich inzwischen weiss, wo gelandet werden soll, mach ich mich auch auf den Weg auf den See raus…

Juhuu, ein Helikopter gelingt recht gut, notabene hoch über dem See. Aber Wingover schmerzen immer noch. Das Landeplätzli stellt sich als nicht übertrieben gross heraus, zudem gäbe es eine Wasserung, wenn man zu kurz kommen würde. Volle Konzentration, und es resultiert eine Landung wie aus dem Bilderbuch, mit flaren auf den Punkt, da werd ich noch lange stolz drauf sein – bis ich sehe, dass auch ein anderer, viel einfacherer Anflug möglich gewesen wäre. Nun gut, das sind Details…

Auch Sebi hat mittlerweile den Weg aus dem Maggiatal wieder zurück zu uns auf den Landeplatz gefunden, allerdings via Bus. Doch der Kerl hats tatsächlich geschafft, nochmals aus der Düse wieder bis ganz nach oben zu kommen… Aber solche Leistungen muss man von einem Nova-Teampiloten halt einfach verlangen können.

Nach einer richtigen Kalorienbombe gehts auf die Heimreise. Wir mimen die Einheimischen und fahren auf diversen Feldwegen an den Staus vorbei bis nach Bellinzona, um von dort auf einer Schnellstrasse wieder bis fast zurück nach Locarno zu fahren, irgendwann erreichen wir dann die Autobahn doch noch. Danach gehts aber zügig und dank unserer Luxuslimousine extrem entspannt…

Hey, merci für die Einladung Dominik und Sebi, war wirklich ein toller Kurztrip ins Tessin und sicher besser als Fiesch ;-) . Bis bald mal wieder…

Das Profil und die Persönlichkeit eines Nova-Teampiloten ;-)

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  1. Skydive
    10. Oktober 2008, 04:47 | #1

    hehe thx urs
    huere cool gschriibe. hät mega gfäged…

  2. paraglog
    10. Oktober 2008, 13:05 | #2

    Hey Urs. Das isch wieder mol es super Brichtli gsi! A es paar mol müesse Lache!
    Bi scho heil froh isch nid wirklich öpis passiert. Holz alänge, hoff es blibt eso…..

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