Glückstag… :-(
Ich war heute am Brändlen und hab versucht dem Tag zwischen den Regenschauern doch den einen oder anderen Flug abzutrotzen. Bald mal gabs 2 tolle Flüge mit dem Skim, danach grad vor dem Regen noch nen Acroflug mit dem 69. Danach war erst mal eine halbe Stunde warten angesagt, es regnete wieder einmal…
Bald schon zeigte sich aber die Sonne wieder. Bin mit dem 69 gestartet und hab wieder mal Helis geübt, alles OK. Inzwischen war ich tief, aber noch nicht tief genug, um gleich landen zu gehen. Habe etwas rumspiralt und mich spontan entschieden, der langsamen Asyspirale ein schneller Richtungswechsel anzuhängen, macht jeweils Spass, weils hoch über den Schirm geht (ist vom Ablauf her natürlich ne Art Loop) und ist eigentlich auch nicht schwierig zu fliegen. Den Entscheid hab ich spät getroffen, die Einleitung erfolgte deswegen auch spät und so wurde die Sache höher (halt Loop-ähnlicher) als gewollt und der Schwung reichte nicht aus. Es bestand zwar keine Gefahr, in den Schirm zu fallen, hatte nicht die dafür nötige Höhe (über dem Schirm), trotzdem gabs nen weiten Fall durch die Leinen verbunden mit dem massiven Entlasten des Schirms, resultiert haben zwei grosse Verhänger auf beiden Seiten (zum Glück zwei und nicht einer). Zum Zeitpunkt, als sich der Entlaster angekündigt hat, habe ich gewusst, dass dies nur mit Glück gut ausgehen wird, ich hatte noch ca. 50-70m Höhe. Es ging nicht gut aus, ich bin an dem verhängten und, soweit ich weiss, nicht mehr fliegenden Schirm aus dieser Höhe zwischen zwei Häuser am Rand einer Wiese abgestürzt.
Mal vorneweg: Ausser einem aufgeschürften Ellenbogen, nem blauen Flecken an der Taille und wahrscheinlich irgend ner Art Rippenquetschung (welche aber harmlos zu sein scheint) ist mir nichts passiert. Ich hatte ganz einfach riesiges Glück, hätte definitiv viel schlimmer ausgehen können, eigentlich fast müssen.
Eine kurze Analyse. Hauptursache des Absturzes war in erster Linie, dass ich das wahrscheinlich wichtigste Sicherheitsprinzip ganz massiv missachtet habe: Zuwenig Höhenreserve, um bei ungeplantem Manöverausgang den Schirm wieder zum Fliegen oder zumindest den Notschirm sicher werfen zu können. Es war bei weitem nicht das erste Mal, dass ich dieses wichtigste Sicherheitskriterium missachet habe.
Zum Manöver selbst: Ich muss ein Manöver immer bewusst und mit der nötigen Vorbereitung fliegen, lieber nen hoher Loop mit viel Speed anstatt etwas kleines, was grad noch so funktionieren könnte. Das Manöver an und für sich ist einfach, einzige Voraussetzung ist, dass man genügend Geschwindigkeit mitbringt. Grad mit dem Acroschirm ist das normalerweise auch völlig unproblematisch, da man sehr schnell eine Unmenge Speed aufbauen kann. Wenn ich mich zurückerinnere hab ich dieses “Zwischending” zwischen Loop und steiler Kurve schon mal unter ganz ähnlichen Voraussetzungen geflogen, dabei war ich schlussendlich auch recht hoch über dem Schirm, mit wenig Speed und massiv in den Bremsen. Dort hats gereicht und es war spassig. Ich weiss, dass ich mit dem Wissen aus dem beschriebenen und gut ausgegangegen Manöver in dieses Manöver gegangen bin, nämlich dass das Ganze auch mit erstaunlich wenig Schwung funktioniert und ich ja eh nicht spektakulär über den Schirm, sondern nur ein schneller Richtungswechsel machen möchte. Ich weiss nicht, ob ich dieses Mal weniger Geschwindigkeit gehabt habe aber, da es das letzte Mal, wenn ich ehrlich bin, schon kaum gereicht hat, hat dieses Mal die vielleicht etwas spätere Einleitung oder der u.U. etwas stärkere Anfangsdrehimpuls in die andere Richtung ausgereicht, ums schief gehen zu lassen.
Der Schirm trägt keine “Mitschuld” am Absturz, der hat nicht irgendwie ungewöhnlich oder aggressiv reagiert, er war ganz einfach schon sehr schnell so stark verhängt, dass er gar nicht mehr wirklich heftig reagieren konnte, sondern in erster Linie, zumindest im ersten Augenblick, nicht mehr wirklich geflogen ist. Auch das Wetter war bestens, fast kein Wind.
Kurz und gut: Zu 100% mein Fehler. Dass ein Manöver mal nicht gut ausgehen kann, kann passieren, ist Acro, dass darf nicht zu nem Absturz führen. Aber unter 200m ab Boden ist einfach nichs mehr mit Manövern.
Ich hab den Notschirm noch gezogen, habe aber zu dem Zeitpunkt schon geahnt, dass ich das nur noch proforma mache, noch sehr, sehr wenig Höhe war dafür übrig. Es hat den auch grad noch so gereicht, für dass es ihn aus dem Innencontainer gezogen hat, mehr war nicht, das Klett, welches die Verbindung des Notschirms zu den Schultergurten verbirgt, ist nur grad auf etwa den ersten 20cm aufgerissen. Der Innencontainer liegt jetzt noch auf dem Hausdach eines der Häuser, zwischen die ich gefallen bin.
Was ich gesehen habe: Es ist einem sofort klar, wenn es Zeit für den Notschirm ist. Das ist beruhigend. Grad nach dem Sturz in die Leinen, als ich den Verhänger gesehen habe, stand in grossen Buchstaben “NOTSCHIRM” vor meinen Augen… Gefunden hab ich den Griff sofort (das übe ich auch die ganze Zeit), aber ich musste zwei Ziehimpulse geben, bis sich die Splinten gelöst haben, hat sicher eine wertvolle Sekunde gekostet. Ob und wie ich ihn geworfen oder ob ich das Paket einfach fallengelassen habe kann ich nicht mehr sagen.
Ich bin auf die linke Seite gefallen. Kann dazu beigetragen haben, dass dadurch der Rücken nichts abbekommen hat, könnt ich mir auf jeden Fall vorstellen. Es wäre denkbar, dass mich der Notschirm, welcher grad angefangen hat, Kraft auf das Gurtzeug auszuüben, mich auf die linke Seite gedreht hat (das Klett verläuft rechts, bin Rechtshänder).
Grad am Anfang hab ich für nen Moment nicht wirklich atmen können, wie man’s vom Sport her kennt, wahrscheinlich vom Schlag des Ellenbogens des linken Arms auf den Brustkorb. Danach läuft sofort der Selbstcheck ab. Als erstes testen und hoffen, ob die Zehen und Füsse noch funktionieren, uff, OK, geht. Hab mich dann immer noch nicht getraut, mich zu bewegen, erst als sich der Rücken nicht irgendwie verdächtigt angefühlt hat bin ich langsam aufgesessen. Das ging ne Weile. Erst mal grosse Erleichterung.
Danach noch der ganze Rest checken, wirklich zu schmerzen scheint nichts. Dabei wurde mir das erste Mal bewusst, dass ich sehr viel Glück gehabt habe.
Mittlerweile waren auch schon der eine Nachbar und einige andere Leute da. Viel konnten die aber gar nicht machen, zum Glück war schnell klar, dass nichts gravierendes passiert war. Aber ich war froh, dass mich keiner sozusagen mit Gewalt für nen Check ins Spital einliefern wollte.
Es war mir bewusst, dass ich u.U. nen Schock habe und deswegen mal nichts beunruhigendes spüre. Habe danach noch lange in mich reingehört, vielleicht wurde ja doch das eine oder andere Organ oder sonst was inneres in Mitleidenschaft gezogen. Schien aber auch nix zu sein.
Im Nachhinein denke ich, dass der Schirm doch noch etwas getragen haben muss, ansonsten hätte mehr passieren müssen. So etwa 19m^2 flatterndes Tuch erzeugt etwas Luftwiderstand, aber ob das reicht, damit man sich nicht zumindest alles bricht, kann ich mir nicht vorstellen. Wie auch immer, ich habe auf jeden Fall sehr viel Glück im Unglück gehabt.
Also keine Panik (gilt für meine Mutter
), schlussendlich ist nichts geschehen. Soll ne ultimative Warnung an mich sein.
Da bin ich sehr, sehr froh, dass Dir nichts weiter passiert ist. Das Risiko, an das man sich schleichend gewöhnt, ist wohl das gefährlichste. Danke, dass Du es so offen schreibst. Alles, alles Gute und viele Grüsse!