Von Fiesch nach Chur am 10.08.2008
Und nochmals Fiesch, fühle mich langsam richtig heimisch dort
Auch Pädi ist mittlerweile begeistert vom Gebiet und wieder mit dabei. Auch dieses Mal ist, wie so oft in diesem Sommer, Südwestwind angesagt, geil, beste Bedingungen, um über Grimsel, Furka und Oberalp nach Chur zu fliegen… OK, leichter gesagt als getan, aber versuchen kann man’s ja. Ist inzwischen der 4. Versuch, wenn’s jetzt nicht endlich klappt versuch ich den Furka nie mehr!
Und auch wie so oft in diesem Sommer, wieder mal ists mühsam stabil. Natürlich sind an so einem schönen Tag auch viele Streckencracks hier, darunter auch Chrigel Maurer, Martin Bühler (der nun wirklich fast schon dort zu wohnen scheint) und die Alpsfreeride-Leute mit Reynald Mumenthaler und Paul Tomassi. Alles wartet erst mal, um etwa 11 Uhr geht es dann in die Luft.
Chrigel Maurer und Martin Bühler sind bald ausser Sicht, sie sind als erste gestartet und queren auch als erste nach Bellwald. Auch David Rossi an seinem orangenen Peak schafft den mühsamen Aufstieg am Eggishorn bald und folgt den zweien. Ich mühe mich noch etwas mit einigen anderen. Unsere Gruppe, bestehend aus den Alpsfreeride-Leuten, André Bussman, Urs Schönauer (der fliegt gut, der Typ…) und mir folgt dann doch auch bald… Es kommt fast etwas Wettkampffeeling auf, macht mir sehr viel Spass und mein Schirm steigt in schwachen Bedingungen super, dessen bin ich mir jetzt sicher! Und mit solchen Leuten macht auch Pulkflegen richtig Spass, anders als beim Drehen mit vielen anderen bleibt so eine Gruppe zentriert, jeder zentriert nach persönlichen Gefühl nach und trägt etwas zum Hochkommen der ganzen Gruppe bei, geht richtig relaxed zu und macht mächtig viel Spass! Es fliegt allerdings noch immer nicht super, über Ulrichen sehne ich mich nach etwas mehr Höhe und verliere so vorübergehend den Anschluss.
Nach dem Grimsel sind aber alle wieder zusammen, ausser Urs Schönauer, der hats eiliger gehabt… Vor dem Rhonegletscher gehts dann mit einer grossen Gruppe wieder an die Basis, welche dort immerhin auf gut 3200m liegt. So ist der Flug über den Furka einfach, die Alpsfreeride-Leute nehmen ihn als erste in Angriff, ich und meine Gruppe können davon profitieren. Das erste Mal ists für mich vor dem Rhonegletscher richtig weit nach oben gegangen, scheint die eigentlich richtige Art und Weise zu sein, den Furka zu überfliegen, hinten rum über die Gipfel, nicht über den Pass selbst. Braucht halt zuerst etwas Geduld… So gehts nach dem Furka zwar kurz durch ein etwas kriminelles Lee, aber danach an einer gut angeströmten Wand wieder über den Grat, welcher weiter dem Urserental entlang führt.
Dieser Grat ist jeweils super zu fliegen. Auch dieses Mal gehts dort gut nach oben, möchte jetzt endlich schnell fliegen und versuche deshalb, ohne Kreise im Delfinstil weiter zu kommen. Etwa bei Realp treffe ich David Rossi an seinem Peak wieder, mit ihm gehts weiter in Richtung Andermatt. Leider säufts vor der Querung über die Schölenenschlucht etwas stark, wir kriegen beide Angst vor einem Absaufer und kehren wieder um, um uns fürs Erste zu retten. Das schaffen wir auch, leider geht aber durch diese Extraschlaufe auch wertvolle Zeit und damit Durchschnittsgeschwindigkeit flöten. Den nächsten Versuch unternehmen wir mit etwa der selben Höhe wie das erste Mal, schlussendlich reichts gut, wir hätten’s auch schon beim ersten Versuch geschafft.
Mittlerweile ist mir bekannt, dass irgendwo bei der Windturbine, welche auf dem Nätschen steht, eine Konvergenz zu finden ist. Diese existiert sehr zuverlässig, scheint durch den Talwind aus dem Reusstal und dem Talwind vom Gotthard her zustandezukommen, so vermute ich auf jeden Fall. Heute gehts nicht ganz so schnell wieder in die Höhe wie auch schon, aber problematisch wirds hier nie. Schlussendlich kann ich zusammen mit David Rossi, einem Nova Tycoon und 2 Gradient SR7 hier aufdrehen, mit diesen Piloten sollte es bis weit das Vorderrheintal runtergehen.
Über den Oberalp gehts mit etwas Geduld recht einfach, danach ist endlich wieder mal richtig schnelles Fliegen angesagt. So viel wie möglich gradaus, im Steigen langsam fliegen, im Saufen und in neutraler Luft wenn möglich voll beschleunigt. Ist geil, so unterwegs zu sein, immer zwischen 30km/h und über 50km/h. So gehts vorwärts! Artet fast etwas in ein Wettfliegen aus, der eine SR7 und Rossi sind inzwischen vielleicht 100m höher und etwas in Front, ich gebe mir alle Mühe dran zu bleiben, aber auch bei extensivem Gebrauch des Beschleunigers sind sie tendenziell etwas schneller unterwegs als ich. Ich weiss nicht genau warum, vielleicht sollte ich noch deftiger in den Beschleuniger stehen, vielleicht spürt man hier aber auch den Unterschied zwischen den Schirmgrössen, grössere Schirme gehen grundsätzlich etwas besser, wenn sie mit der gleichen Flächenbelastung beladen sind, ist halt doch ein Sport für Fette…
Glücklicherweise wähle ich bei der Querung vom Piz Alpetta an den Piz Avat eine andere Route als die zwei. Ist eine kurze Querung über ein kleines Quertäli, aber wenn man eh schon tief ist so gehts mit etwas Pech in den Talwind, bis man dort wieder raus ist, dauerts u.U. etwas länger. Ich mache etwas Höhe und quere dann sehr weit hinten, die Chance dort den Talwind des Vorderrheintals zu spüren ist definitiv klein, wenn’s aber ans Versaufen geht könnte die Wanderung auch etwas länger werden. Aber es geht nicht ans Versaufen, ich komme problemlos wieder hoch und kann jetzt über einem Grat weiterfliegen, juhuu! Die “Konkurrenz” muss derweil weiter draussen erst wieder hochdrehen, endlich mal ne gute Entscheidung getroffen.
So gehts weiter an den Crap Grond, dort mache ich maximale Höhe, der eine SR7, der den Aufstieg inzwischen geschafft hat und wieder aufgeschlossen ist, fliegt tiefer weiter, was sich als etwas schneller rausstellt. Wir nähern uns Flims, die Landschaft ändert sich jetzt etwas, die bis anhin steilen und zuverlässigen Wände machen weiten, grünen Hochebenen und runden Hügeln platz. Ich hab Respekt vor dieser Hügellandschaft, Thermikquellen sind deutlich schwieriger auszumachen, nochmals versuche ich maximale Höhe zu tanken. OK, rüber an den Crap Sogn Gion, klappt nicht so direkt wie erhofft, ich muss etwas tiefer als mir lieb ist einen Schlauch ausgraben gehen, genau das wollte ich eigentlich nicht. Aber siehe da, ich habe Glück und muss nicht lange suchen, im stärksten Schlauch des Tages (was nicht so viel zu bedeuten hat an so einem stabilen Tag
) geht es in einigen Minuten wieder an die Basis!
So geht es zusammen mit dem SR7 weiter nach Flims an den Cassonsgrat. Grad zu dieser Tageszeit steht die markante Wand am Flimserstein extrem einladend da, leider darf man nicht direkt daran Höhe machen, Wildschutzgebiet. So muss ich am Cassonsgrat soaren gehen, es geht ganz, ganz langsam, aber es geht rauf und irgendwann reichts, um geradewegs über den Flimserstein und die dahinterliegende Ebene hinweg zu gleiten.
Puh, endlich weg von Flims, ich weiss, dass ich die nächsten Kilometer geniessen kann, es wird bis Chur gratis fliegen. Ich bin inmitten der Steinwüsten am Ringelspitz, sieht unwirtlich aus, karg, kein Grün weit und breit, nur Schuttkegel, Felswände und Eis, spektakulär. Und natürlich steigt es an diesen Felsen zur jetzigen Tageszeit, es ist etwas vor 16 Uhr, wunderbar, egal ob soaren oder Thermik drehen, es geht beides gratis.
Mit einer bemerkenswerten Höhe gehts weiter an den Calanda, mittlerweile bin ich alleine, die zwei SR7 sind am Cassonsgrat reingelandet. Bin den Berg noch nie so angeflogen, aber es muss einfach gehen, die Flanke ist weit und wird super angestrahlt. Etwas suchen muss ich zwar, aber dann gehts nochmals hoch hinauf und über den Gipfel.
So, Chur hätt ich jetzt, aber mit der Höhe muss ich die Querung übers Rheintal versuchen, vielleicht hab ich ja Glück und es geht auf der anderen Seite wieder in die Höhe, weiter fliegen bis Davos oder Klosters wär das Grösste!
Die Querung ist weit, ich steuere eine Stelle an wo ich vermute, dass man auch soaren könnte, falls es tief runter geht und der erfahrungsgemäss starke Talwind mich einholt. In den Talwind komm ich dann zwar nicht, aber die Luft ist tot, nichts bewegt sich, stabil, wie halt eigentlich schon den ganzen Tag. So lass ich mich weiter unten vom Talwind mit 60km/h über Chur blasen. Vor der Landung hier hab ich jeweils Respekt, es geht denn auch manchmal rückwärts, aber zum Glück bleibt es laminar bis ich am Boden stehe, so stimmt auch der Abschluss des Reislis.
Endlich wieder mal einen tollen Flug! Hammerbedingungen warens zwar nicht grad, trotz allem sehr stabil, aber an den tollen und hohen Wänden fliegts halt immer irgendwie. Und die Strecke ist wunderbar, vom Wallis ins Urnerland und danach ins Bünderland, Pässe befliegen und so unterschiedliche Regionen zu besuchen macht sowieso Spass!
Leider hab ich nicht ein einziges Föteli gemacht. Wie schon im Bericht zu lesen ist, war ich aber nicht der einzige, der diese Strecke abgeflogen ist. Hier ein schöner Video-Zusammenschnitt des Fluges von Phillipe Riboni (bis zum Grimsel mit ihm unterwegs, danach war er etwas schneller, am Cassonsgrat hab ich ihn beim Soaren wieder getroffen):
Video Fiesch (WMV) (Quelle: www.passion-sport.ch)
Video Fiesch (DIVX) (Quelle: www.passion-sport.ch)
Schön, einfach schön….
Ich will aaaauuuuuchhhhhh….
Auch das Video ist super. Herrlich…
Ich staune immer über die videos. Da steckt nämlich jeweils ganz schön Aufwand dahinter. Cool ists aber au jeden Fall.
geil gschribe urs
bis irgendwänn wieder mal
cu dominik
Der Typ hat auch noch andere gute Videos, halt vor allem vom Streckenfliegen, mal passion-sport besuchen. So hat halt jeder sein Hobby… Urs
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