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Fiesch zum Ersten am 25.07.2008

Es ist Mittwoch, die Prognosen sind für einmal gut, Pädi und ich möchten in den Alpen weit fliegen. Der Segelflugwetterbericht prophezeit, dass es im Goms am Besten gehen wird, damit ist klar: Hallo Fiesch, wir kommen!

Wir sind nicht die einzigen. Fast alle Schweizer Piloten, die im OLC ein Wörtchen mitreden wollen, sind in der Seilbahn auf die Fiescheralp, von Chrigel Maurer und Stefan Schmoker über Martin Bühler bis zur Paranoia-Crew. Es werden halt von allen die selben Prognosen angeschaut und abgehört…

Der Startplatz füllt sich langsam. Aber es herrscht alles andere als Hektik, die Luft scheint recht stabil zu sein, nur ein schwaches Lüftchen weht den Startplatz rauf. So vergeht die Zeit, niemand traut sich. Irgendwann startet dann das Advance-Team, bald schon sind alle in der Luft.

Es ist tatsächlich stabil, langsam kämpfe ich mich mit den anderen dem Eggishorn entgegen, zum Glück brauchts nicht sehr viel Höhe für den Flug nach Bellwald. Das Goms rauf gehts dann auch eher harzig, trotzdem macht es Spass, sich mit den anderen zu messen… ;-) Je weiter es in Richtung Oberwald geht, desto schwieriger wird das Raufkommen, der Nordwind macht sich bemerkbar. Trotzdem interessiert es mich, ob’s vielleicht nicht doch über die Pässe gehen könnte, ich drehe vor dem Grimsel etwas sehr lange und verliere damit fürs Erste den Anschluss.

Schlussendlich fliege ich doch einfach zurück, leicht demotiviert, die Pässe wären interessanter gewesen… Zumindest gehts flott voran, da ich inzwischen über dem Grat ums Sidelhorn und deshalb immer in leicht steigender Luft bin. Im Moment hab ich eh keine Lust etwas auszudrehen, übers Fieschertal gehts deshalb ziemlich tief, doch die Fiescheralp gibt Thermik und somit etwas Höhe her, also weiter zur Bettmeralp. Dort erhoffe ich mir leichtes Hochkommen, vielleicht gehts endlich mal an die Basis. Das klappt dann aber nicht so toll, zusammen mit Cornelia Voigt am gelben Tycoon gehts knapp über die Bettmerhorn-Gondelbahn und weiter zur Riederalp. Auch dort nur schwaches Steigen, mühsam, immerhin kann man genügend Höhe machen um an die Kette ob Brig weiterzufliegen.

Auch dort hängen schon einige Schirme, langsam gehts nach oben. Ich sehe, wie David Rossi, eine gute Höhe habend, ans Gärsthorn weiterfliegt, während der kleinen Querung aber masslos im offensichtlich starken Talwind absäuft und sich danach am Ausgangspunkt wieder rettet. Ich lerne nichts draus, mache Höhe, versuche die Querung, versaufe masslos und bin 10 Minuten später wieder dort wo ich schon mal war…

OK, weiter nach Westen solls offensichtlich nicht gehen, ich mach micht auf den Weg zurück nach Fiesch. Mittlerweile alle Streckengedanken aufgegeben geniesse ich einfach die Landschaft und die Zeit in der Luft. Über der Bettmeralp gehts endlich auf eine angenehme Höhe, mit bester Aussicht auf den Aletschgletscher. Zu dieser Tageszeit sollte es an den westlich ausgerichteten Hängen des Fieschertals gut tragen, ich möchte einfach noch etwas Airtime sammeln und das am-Schirm-rumhängen geniessen und fliege hin.

Tatsächlich geht es, wie heute gewohnt nicht schnell, aber immerhin kontinuierlich nach oben, zusammen mit einigen Schirmen und Segelflugzeugen gehts der hier recht hohen Basis entgegen. Weiter hinten sind die Berge noch etwas höher und damit auch die Basis, vielleicht ergibt sich hier die Chance, die 4000m.ü.M. zu übertreffen (was ich bisher noch nie geschafft habe). Die Basis ist laut meinem nicht grad genau kalibrierten Vario auf etwa 3900m, später sehe ich, dass laut GPS meine höchste Höhe 3971m war, zwei Kreise mehr und ich hätt’s gehabt…

Wie auch immer, schon seit einiger Zeit sticht mir das Finsteraarhorn ins Auge. Dieses scheint hier ausgesprochen nah, einzig ein Gletscherfeld trennt mich von seinem südlichen Ausläufer. Zudem sind die Aussichten auf Thermik an den schroffen und dunklen Wänden zu der jetzigen Tageszeit nicht schlecht… Aber wie gesagt, das Gletscherfeld gilt es erst zu überqueren und das macht Respekt, ich möchte auf keinem Fall auf diesem und somit auf etwa 3000m landen müssen, der Abstieg wäre weit und u.U. auch nicht einfach. Doch meine Höhe ist komfortabel, ich nehm allen Mut zusammen und beginne den (an sich nicht weiten) Flug ans Finsteraarhorn, permanent am checken, ob ich im Gleitflug wieder zurückkäme. Auf halber Höhe drehe ich doch um, sehe dann aber, dass mir ein orangener Avax XC2 folgt, das gibt Mut und ich fliege doch weiter… ;-)

Und wirklich, an der ersten vorgelagerten Wand gehts, turbulent zwar, aber recht zügig wieder weit nach oben, das tut wirklich gut… Mein Begleiter fliegt weiter an den Hauptgipfel, ich folge. Die Szenerie ist wirklich spektakulär und respekteinflössend, Kratzen irgendwo mitten und sehr nahe an einer grossen, dunklelgrau-braunen Felswand, auf etwa 3000m Höhe am Fusse dieser Felswand erstreckt sich ein grosses Firnfeld. Leider ist an der Wand kein Steigen mehr zu finden, nach sehr kurzem Suchen begeben ich mich wieder in den schon bekannten Aufwind und quere dann zurück auf die sichere Fieschertalseite.

So, das reicht jetzt für heute. Mit der verbleibenden Höhe gehts nochmals ans Eggishorn und von dort aus ohne gross zu drehen nach Brig, die Landung dort anstatt in Fiesch spart etwas Heimreise-Zeit. Der Talwind ist durch den überregionalen Nordwestwind stark (…hätt ich wissen müssen, wurde ja auch schon beim Flug nach Westen deutlich…), ich bin erleichert, als ich nach einer turbulenten Landung am Boden stehe.

Die Route war zwar nicht grad innovativ, trotzdem hatte der Flug einige spezielle Eindrücke zu bieten. Der Flug am Finsteraarhorn ist spektakulär, wäre toll, wenn so mal die Querung ins Berner Oberland glücken würde, geht ja danach eigentlich nur noch runter… ;-)

Hier der Flug auf xcontest.

Den Flug ans Finsteraarhorn haben offensichtlich noch andere versucht. Bei jemandem wärs fast schief gegangen… Hier sein Track (Fotos anschauen, er hatte in der Situation die Nerven… Respekt ;-)
Auch die Höhenkurve ist interessant, der Gletscher fällt offensichtlich grad so mit Gleitschirm-Gleitzahl…), und hier der Track von Adrian Lutz, welcher den Kollegen von oben bobachtet hatte (auch hier zählen die Fotos).

Uersel Cross Country , ,

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