Motta Naluns am 01.06.2008
OK, ist schon eine Woche her, aber was solls…
Endlich wieder mal eine einigermassen freundliche Wetterprognose, welche sich sogar nicht schlecht nach Streckenfliegen anhört. Ich überlege lange, ob ich in der Region bleiben und am Gummen starten soll, wieder mal ab Fanas fliegen gehen soll oder ob ich vielleicht nicht doch nach Scuol gehen soll, wohin ich schon lange wieder mal möchte. Bis ich eine SMS von Thomas bekomme, auch er schlägt Scuol vor und damit weiss ich wohin’s am nächsten Morgen geht.
Wie gesagt, es sieht nach Streckenfliegen aus und ich möchte um 10 Uhr starten können, das bedeutet aber auch, dass ich um 4:30 Uhr aufstehen muss damit ich auf den Zug um 5:30 Uhr komme…
Aber endlich kann ich auf der Hinfahrt seelenruhig trinken was ich will, bin heute das erste Mal mit Urinalkondom unterwegs… Mal schauen, ob das Ding so funktionert wie’s soll.
In Landquart treffen wir noch Sebastian und Dominik, welche nach Fanas 200km-Dreieck fliegen gehen…
Auf der Ostseite des Vereinatunnels sieht der Himmel noch etwas cirrig aus, aber wir sind optimistisch, dass sich diese noch verziehen werden und der Tag gut wird.
Für die Seilbahn nach Motta Naluns hat soeben die Sommersaison begonnen, sie hat seit diesem Wochenende wieder geöffnet. Oben weht ein leichter Südwestwind, ab und zu zieht eine Cirre vorbei aber ansonsten ist der Himmel blau, über den Bergen schweben schon die ersten Cumuli. Trotzdem sind wir etwas unschlüssig, wirklich tolle Ablösungen sind nicht zu spüren, so um 10:45 Uhr starten wir dann aber doch.
Grad nach dem Start gehts überraschend gut und einfach 200m über den Startplatz, danach aber langsam wieder runter und nicht mehr wirklich rauf. Der Südwestwind ist gut zu spüren in der Luft, aber nicht problematisch. Doch rauf geht es nicht mehr wirklich. Irgendwann fliege ich halt einfach mal mit dem Wind in Richtung Österreich das Tal runter, aber nirgends geht es rauf.
Bis jetzt sind wir zwar sehr langsam, trotzdem aber konstant etwas vorwärts gekommen, aber nach etwa einer Stunde stranden Thomas und ich an einem bewaldeten Hang und kommen nicht mehr weiter. Der Hang schreit geradezu nach Thermik, aber es geht einfach nicht rauf. Trotzdem möchte ich hier endlich endgültig rauf und unter die Wolken kommen, aber es klappt nicht, geht sogar tendenziell eher runter. Irgendwann, schon sehr tief, fliege ich halt trotzdem weiter und etwas östlich habe ich dann tatsächlich Glück, zuerst gehts sehr langsam, aber auf einmal sehr schnell endlich an die Basis. Thomas landet zusammen mit einem anderen Piloten hier im Tal. Vo Start bis hierhin waren es etwa 15km und ich war dafür mehr als 1.5 Stunden unterwegs.
Ab jetzt geht es dreimal so schnell vorwärts, die Basis ist bei etwa 3100m, rauf gehts jeweils schnell, viel drehen ist nicht nötig und man ist mit Rückenwind unterwegs. Ich hab mir eine Route vorgenommen, welche allerdings nicht wirklich sinnvoll ist mit Wind, trotzdem möchte icht dran festhalten und fliege weiter nach Osten bis an den Tschirgant, hier hab ich einen Wendepunkt gesetzt. Der ist locker zu erreichen, ab jetzt solls dem Stanzer- und Klostertal entlang zurück nach Feldkirch gehen.
Natürlich geht es jetzt nicht mehr so zügig vorwärts, aber der Gegenwind ist nicht wirklich schlimm, es geht nach wie vor gut vorwärts. Mühsamer ist, dass es hier cirrenbedingt abdeckt, zuerst stört das nicht wirklich, aber irgendwann geht es nicht mehr richtig hoch und das Fliegen wird mühsam. Inzwischen bin ich in Landeck angekommen und überlege mir, ob ich weiter in Richtung Arlberg fliegen soll oder hier landen und den Weg per Zug zurücklegen soll. Ich möchte weiterfliegen, kämpfe mich auch nch etwas weiter nach Westen, gebe dann aber auf, kehre nach Landeck zurück und lande dort. Schlussendlich gehts über Feldkirch und Zürich per Zug nach Luzern.
Wahrscheinlich wärs das Beste gewesen, gar nie umzudrehen, sondern einfach weiter nach Osten zu fliegen, die Aussichten bezüglich Thermik waren super, je östlicher desto besser. Immerhin, es ist trotz des harzigen Starts doch noch gut geflogen.
Übrgens: Das Urinalkondom hat sich bewährt
Ist zu Beginn ein komisches Gefühl, es einfach laufen zu lassen, aber man überwindet sich und das Ding ist wirklich dicht. Einzig das abziehen erfordert Fingerspitzengefühl, der Kleber am Kondom hält das Ding an Ort und macht es dicht, aber vor allem Haare, welche in den Kleber geraten, werden zur Qual. Es empfiehlt sich wirklich, die Stellen, welche mit dem Kleber in Kontakt kommen, zu rasieren, dann funktioniert auch das Entfernen halbwegs schmerzfrei… Lohnt sich aber definitiv nur für Tage, die wirklich nach Streckenfliegen aussehen.
Hier der Flug auf xcontest.