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Mit dem Gleitschirm von Greolieres in die Schweiz

So, hier doch noch der längst überfällige Bericht zu meinem Reisli zurück in die Schweiz. Bin übrigens schon seit einigen Tagen wieder zurück…

1. Tag (Samstag, 10.05.2008)
Das Zelt ist gepackt, all mein Camping-Plunder im Auto verladen und bereit für die Rückreise. Nur ich, der Peak, Sackgurtzeug, restliche Flugutensilien, 3 T-Shirts, 3 Unterhosen, 4 Paar Socken und etwas Toilettenzeugs werden nicht mitfahren sondern den Rückweg so weit als möglich in der Luft bestreiten. Daneben soll auch der eine oder andere Kilometer zu Fuss zurückgelegt werden und natürlich ist auch Autostopp erlaubt.

Die Idee ist recht spontan in Gourdon entstanden, da ich nach unseren gemeinsamen Ferien noch genügend Zeit hatte (und immer noch habe), um das eine oder andere auszuprobieren. Es ist mir aufgefallen, dass sich der Gleitschirm-Rucksack auch gefüllt mit der kompletten Streckenausrüstung noch gut tragen lässt und einige Kleider erschweren das Paket nicht entscheidend. Natürlich geh ich davon aus, dass ich nicht einfach X-Alps gemäss nur fliegen oder laufen werde, dafür wäre das Material selbstverständlich viel zu schwer, aber für eine gemütliche Rückreise ohne Stress bei den Aufstiegen reicht die Ausrüstung allemal…

Der erste Aufstieg ist allerdings locker, ich werde nach Greolieres gefahren und verabschiede mich dort von der noch verbliebenen Feriengruppe (Rel, Sämi, Bruno, Pädi und Dani). Der Aufstieg bis zum Startplatz in Greolieres ist schnell zurückgelegt. Die Wetter-Prognose hat starken Ostwind für den Tag gemeldet, hier spürt man den starken Aufwind wie jeden Tag und ich starte zu meinem ersten Flug in Richtung Schweiz. Die ersten hundert Meter gehts noch wie gewohnt im Aufwind dem Hang nach hoch, danach wird der von der Seite kommende Ostwind stärker und stärker und bald schon stehe ich fast 90° zum Hang im Wind, im Trimm mit Rückwärtsfahrt. Trotzdem gehts recht locker bis über den Grat, weiter allerdings nicht mehr.

Nun gut, der Ostwind plus der thermische Wind in die Berge wird mich zügig über das dahinterliegende Plateau blasen und wenns nicht reicht sind die grossen Wiesen bei Greolieres les Neiges mit dem Wind auch leicht zu erreichen. Tatsächlich gehts denn ohne viel Höhenverlust mit einer tollen Geschwindigkeit an den Grat um den Col de Bleine und diesem entlang etwas nach Westen. Desto näher ich aber dem Col de Bleine komme desto turbulenter wird es und grad etwa über dem Col de Bleine kassiere ich meinen bisher ersten und einzigen richtigen Klapper mit dem Peak, etwa 50%, nichts spektakuläres aber es geht hackig weiter und bald mal möchte ich hier verschwinden… Das nächste Tal weist zum Glück landbare Wiesen auf, so dass ich mich getraue, weiter nach Norden zu fliegen. Ich komme recht tief an, der Wind ist noch stärker geworden, der Ostwind unterstützt den Talwind und ich fliege mit einer schönen Geschwindigkeit rückwärts. Nun gut, dann lasse ich mich halt durch den Taldurchgang weiter in Richtung Nordwesten spülen, andere Möglichkeiten habe ich eh nicht wirklich. Sehr turbulent gehts rückwärts weiter, die Wiesen werden langsam knapp, weiter hinten ist alles bewaldet. Zum Glück hats grad vor einem hübschen Dörfchen eine wunderbare Wiese, auf der ich, zwar in sehr turbulenter Luft aber immerhin mit etwas Vorwärtsfahrt, runterkomme. Uff, bin ich froh, heil am Boden zu stehen.

Der Flug hat nicht eben lange gedauert, ich war grad mal 40 Minuten in der Luft, trotzdem konnte ich aber einige Kilometer zurücklegen. Hauptsache wieder etwas weiter weg vom Meer und dem mühsamen Meerwind, ich lege mich erst mal ins Gras und geniesse die Sonne. Danach ist Orientierung angesagt. Ich bin grad vor St. Auban gelandet, etwa 20km in nordwestlicher Richtung von Greolieres entfernt. Nach einer kurzen Fragetour im Ort kenne ich den Weg zu der Gite “Tonic”, welche ganz in der Nähe liegt. Hier checke ich für den Abend ein und lade erst mal mein Gepäck ab.

Aber schon beschäftigt mich der nächste Tag. Die Gegend ist hügelig, irgendwo wird man schon starten können. Grad ausgehend von der Gite verläuft ein Weg den nächsten Berg hoch, aufs gratwohl folge ich diesem und etwas später stehe ich etwa 700m höher auf dem Le Pensier auf 1610m.ü.M. Hier windet es richtig stark aus südöstlicher Richtung, an Fliegen wäre nicht zu denken. Bezüglich Startmöglichkeit habe ich Glück, etwa 100m neben dem Gipfel finde ich ein perfekt geeigneter Platz. Zudem startet man in eine schöne Südflanke rein und ich bin zuversichtlich, dass es morgen hier wieder in die Höhe gehen wird, falls, ja falls der Wind nicht mehr so stark bläst.

Wieder unten ist noch etwas Sightseeing in St. Auban angesagt. Das Dörfchen ist wirklich malerisch am Fuss eines eindrücklichen Felsgrats in den Hang hineingebaut worden. Gross ists nicht, in erster Linie gibts eine grosse Kirche, einige Überreste einer Burg, eine Herberge und ein Restauant, umsäumt von ein paar mittelalterlich angehauchten Häusern, erschlossen von steilen und engen Gassen, sieht alles irgendwie historisch gewachsen aus.

Die Gite liegt grad gegenüber dem Dorf, hier gibts jetzt z’Nacht. Neben mir übernachtet noch eine Gruppe Motorradfahrer aus Aix-en-Provence und eine zusammengewürfelte Gruppe von Klettereren (das Gebiet soll auch ein super Kletterrevier mit vielen Routen sein, eben den erwähnten Grat rauf) dort. Schnell noch hole ich mir die Wetterinfos für die nächsten Tage (morgen wieder Ostwind und etwas weniger schön, danach sollte der Wind etwas nachlassen) am PC des Leiters der Gite und das wars dann auch schon vom ersten Tag.

Hier der Flug zum 1. Tag auf xcontest.

2. Tag (Sonntag, 11.05.2008)
Früh gehts los am nächsten morgen, um 6 Uhr mache ich mich mit Sack und Pack auf zu meinen ausgekundschafteten Startplatz auf dem Le Pensier. Mit Gepäck benötige ich etwas mehr Zeit, aber die habe ich auch, deswegen bin ich früh aufgestanden. Trotzdem bin ich schon um 7:20 Uhr oben, zu früh, aber das lässt mir Zeit das Wetter noch etwas zu begutachten. Der Wind hat etwas nachgelassen, bläst aber immer noch kräftig und das natürlich ohne thermische Komponente… Zudem ist der Himmel milchig bedeckt, weiter nördlich siehts besser aus, dort ist alles blau. Ich warte erst einmal, was bleibt mir anderes übrig.

Bald schon bilden sich weiter nördlich über den besonnten Hängen Cumuli, bei mir ist aber immer noch alles bedeckt. Zumindest hat der Wind jetzt soweit nachgelassen, dass problemloses Starten möglich ist. Etwas vor 10 Uhr starte ich das erste Mal und soare etwas rum, doch die einzelnen Thermikblasen sind schwach und so lande ich wieder auf dem Gipfel (geht locker leicht dort, massig Platz und wenig Leegefahr). Zumindest haben sich die Bedingungen als problemlos fliegbar erwiesen (zumindest mal ohne thermische Komponente), das beruhigt mich.

Etwa eine halbe Stunde später, der Wind hat wieder zugenommen, starte ich erneut. So richtig überhöhen kann ich nicht, sobald ich mich über dem Berg befinde ist der Ostwind wieder stark zu spüren. Ich lasse mich mangels anderer Möglichkeiten der Hügelkante entlang in Richtung Westen schieben und versuche die Höhe zu halten. Immer noch ist aber der Himmel milchig, wenig Licht erwärmt die Hänge. Schon nur etwas weiter westlich ist aber vorerst mal Schluss, ich traue mich nicht weiter über grosse bewaldete Gebiete, da ich fast keine Höhe habe, der Wind stark ist und das Ganze nicht unbedingt nach lockerem Hochkommen über diesen Wädern aussieht. Ich soare an einer kleinen Südostkante rum, kann mich mehr schlecht als recht halten. Zunehmend ist auch Thermikeinfluss zu spüren, aber nur in Form von ganz kleinen, dafür aber richtig starken Blasen, entsprechend hackig ists in der Luft. Ich bin Spielball der Elemente und versuche den Berg hinter mir zu überhöhen, aber an dem fliegts einfach nicht. Ich komm nicht weiter, nach Westen getrau ich mich nicht, nach Osten gehts nicht mehr gegen den starken Wind, nördlich kann ich den Berg nicht überhöhen, ich bin hier festgenagelt. Trotzdem kämpfe ich weiter, hab mir geschworen, nicht so schnell aufzugeben, jeder Kilometer in Richtung Norden ist wertvoll.

Der Wind nimmt durch den langsam einsetzenden Talwind stetig zu, ab und zu steh ich leicht im Beschleuniger um nicht über die Wälder abgetrieben zu werden. Zudem ists alles andere als ruhiges Soaren, es ist unheimlich turbulent, richtig viel Arbeit, den Schirm überhaupt offen zu halten. Nach über einer Stunde kämpfen ohne sichtbare Fortschritte gebe ich doch auf und entscheide mich, auf der letzten Wiese vor den Wäldern zu landen. Aber hier gehts erst richtig los, ich muss stark in den Beschleuniger stehen, um die Wiese überhaupt halten zu können und es ist wahnsinnig turbulent. Erinnert mich an gestern, hab die Landung schon als richtig gefährlich empfunden, aber diese ist definitiv noch schlimmer. Aber wiederum hab ich Glück und es alles gut. Trotzdem nehm ich mir vor, in Zukunft vorsichtiger zu sein, nicht einfach mehr auf biegen und brechen vorwärts kommen zu wollen und deshalb bei allen möglichen Bedingungen zu fliegen, irgendwann werd ich das Glück nicht mehr haben und der Schirm fliegt mir 15m über dem Boden um die Ohren…

Ich bin grad mal 4km vom Ausgangspunkt gelandet, in der Luft war ich länger als beim ersten Flug. Ich stelle fest, dass ich in der Nähe von La Foux bin und entscheide mich dazu, heute noch nach St. Andre les Alpes zu gelangen. Wäre eigentlich schon am ersten Tag das Ziel gewesen, jetzt am zweiten Tag möchte ichs eigentlich schon erreichen… Ich nehme einen etwas direkteren, dafür einsameren Weg, bis an die Hauptstrasse nach Castellane fahren drei Autos an mir vorbei, ich bin 2 Stunden zu Fuss unterwegs bis mich, endlich an der Hauptstrasse, jemand mitnimmt.

Castellane liegt eingebettet zwischen den Bergen und macht auf mich einen recht touristischen Endruck. Trotzdem ists hübsch hier zwischen den Bergen. Ich sehe mich etwas im Städtchen um und esse etwas bevor mich zwei Hippiefrauen, welche mit ihrem Hund grad vom Tierarzt kommen, nach St. Andre les Alpes mitnehmen. Sie fahren weiter nach Beauvezer, ich bleibe in St. Andre und informiere mich erst mal bei einer Flugschülerin am grossen Landeplatz, wie’s hier bezüglich Unterkunft und Navette-Betrieb zum Startplatz so aussieht. Leider ist die Gite, die sie mir empfiehlt und sich in der Nähe des Landeplatzes befindet, schon voll, ich lade mein Gepäck deshalb im günstigen Hotel Bel Air, auch nicht allzu weit entfernt vom Landeplatz, ab. Nach tollem und intensiven Groundhandling vor den Gewitterwolken und einem guten z’Nacht fall ich todmüde ins Bett.

Hier der Flug zum 2. Tag auf xcontest.

3. Tag (Montag, 12.05.2008)
Die Flugschule in St. Andre gibt sich enorm Mühe und liefert einen super Service. Eine günstige Beiz am Landeplatz, eine gemütliche Ecke zum chillen und etwas französisch lernen, ein supergrosser und einfacher Landeplatz, aktuelle Meteoinformationen jeden Morgen, einen günstigen Navette-Service (4 Euro) zum Startplatz, superfreundliche Fluglehrer… und ein guter Startberg für Streckenflüge. Laut Meinung der Flugschülerin fährt die Navette um 8 Uhr das erste Mal, sie wie ich sind dann am Treffpunkt. Nach etwas Verwirrung fährt das Büsli dann doch erst um 9 Uhr, aber dafür ist das Chillout-Räumli gemütlich und wir sind dort nicht die einzigen.

Um etwa 9:45 Uhr stehen wir mit allen anderen Flugschülern beim Südstartplatz des Le Chalvet, dem Hausberg von St. Andre les Alpes. Die Prognose verheisst immer noch ewas Ostwind, allerdings schwächer als an den vergangenen Tagen. Auch die Schichtbewölkung soll weniger werden und die Thermikprognose ist gut, also gute Aussichten für einen endlich längeren Flug. Die Flugschüler starten gleich, ich warte noch ein wenig, da es erst etwa 10 Uhr ist und ich nicht absaufen möchte. Als es dann allerdings den Anschein macht, als ob sich eine leichte Cirrenschicht von Süden her nähern würde, starte ich doch, es ist etwa 10:15 Uhr und es geht gleich, nicht schnell aber zuverlässig, nach oben.

Ich überhöhe etwas und fliege los, als ich 2000m.ü.M. erreiche. Ausgehend vom Le Chalvet erstreckt sich eine bewaldete Hügelkette nach Norden, somit sind auch immer Ostflanken vorhanden, die schon gut beschienen werden und ach zuverlässige Thermik erzeugen. Hier kann ich häufig einfach gradaus fliegen und bin so recht schnell unterwegs. Bald werden die Berge etwas höher, davor befinden sich schon recht hohe Wolken, welche einem zügig an die Basis spedieren.

Ich möchte an den Grat zur Dormillouse, wenn ich den erreicht hätte, wären erst mal einige Kilometer geschenkt. Ich weiss, dass ich dafür etwas nach Westen fliegen muss. Am Sommet du Cheval Blanc setze ich zur einer Querung eines recht grossen Tals an und zweige damit sozusagen falsch ab, denn ich fliege damit zu westlich und befinde mich auf der Chabanon-Seite der Ebene vor dem Lac de Serre Ponçon. Das weiss ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht, erst muss ich mich mal retten, weil die Flanke, die ich angesteuert habe, vom Talwind überströmt wird und nicht die gewünschte Thermik produziert. Dank dieses Talwindes gelingt mir aber die Rettung und jetzt erkenne ich mir bekanntes Terrain, vermag mich zu orientieren und sehe meinen Fehler. Nun gut, ich möchte an den Grat und versuche deshalb die Ebene zu queren. Dabei stelle ich mich aber etwas dumm an, mittels diverser Hügel und des Talwindes wäre das nämlich recht sicher möglich, im dümmsten Fall könnte man sich meist wieder per Talwind-Soaring retten. Ich wähle aber die offensive Route quer über alles ohne grosse Betrachtung von Talwind-Luvs und versaufe kläglich mitten auf der Ebene. Schade, wäre definitiv mehr drin gewesen.

Das Wetter ist immer noch wunderbar, Cumuli über allen Hügeln, ich möchte das ausnützen und von irgendwoher nochmals starten. Daher packe ich schnell zusammen und klettere den nächsten Hügel empor. Klettern ist schon richtig, die Route ist nicht lang aber extrem steil, auf allen vieren gehts dann aber schon und bald bin ich oben. Ich vermute, das der Talwind den Hügel eigentlich überströmt, trotzdem ist der Startaufwind wunderbar und ich hoffe darauf, den Talwind u.U. noch zum Soaren ausnützen zu können. Schon 5 Sekunden nach dem Start zeigt sich, dass der scnelle Entscheid eines zweiten Starts von dem Hügel ein Fehler war, nach lebensgefährlichen 5 Minuten Flug im Lee eines starken Talwindes lande ich am Fuss des Hügels. Ich habe mich offensichtlich nicht die erst gestern vorgenommene Vorsichtsnahme gehalten und einmal mehr auch Glück gehabt.

OK, ich möchte nach Seyne, das nächste grössere Dorf in der Nähe, stöppeln und laufe los. Aber keiner hält an, schlussendlich wandere ich die etwa 7km. In Seyne möchte ich eigentlich übernachten, aber fast das komplette Dorf hat geschlossen, hier scheint im Winter mehr Betrieb zu sein. So laufe ich weiter ins etwa 4km entfernte Selonnet, auch hier werde ich nicht mitgenommen. Inzwischen ist fast 20 Uhr, ich bin müde und übernachte im ersten günstigen Hotel (Auberge le Relais de la Forge), das ich finden kann. Dort esse ich allerdings erstklassig zu Abend, ich bin der einzige Gast und der Hausherr/Koch scheint glücklich zu sein, dass doch noch jemand eingetroffen ist… Er bezieht seine Zutaten alle aus der Region, betont das immer wieder und man schmeckts auch. Wie auch immer, ich bin kaputt und liege bald schon im Bett. Morgen solls vom Dormillouse-Plateau aus weitergehen, die Startplätze hier kenne ich zur Genüge.

Hier der Flug zum 3. Tag auf xcontest.

4. Tag (Dienstag, 13.05.2008)
Um 7 Uhr stehe ich auf der Stasse und versuche nach St. Jean Montclar zu stöppeln, zu meiner Überraschung werde ich auch sofort mitgenommen. Der Tag hat mit blauem Himmel begonnen, mittlerweile ist aber eine Altostratusschicht aufgezogen, die Sonne ist sozusagen nicht mehr zu sehen und es windet stark von Osten, bald schon ahne ich, dass es heute keinen Flug geben wird. Ich esse in St. Jean z’Morge und schage hier etwas die Zeit tot, immer noch in der Hoffnung, dass es noch aufklaren wird, ich dann aufs Plateau wandern und dort starten kann.

Irgendwann geb ichs aber auf und mache mich auf den Weg nach St. Vincent, einfach um etwas gemacht zu haben und, wer weiss, vielleicht kommt man dort ja doch noch in die Luft. Bald schon bin ich dort, aber auch hier, starker Wind von Osten, der Windsack zeigt in die falsche Richtung. Ich quartiere mich im “Volantis”, dem von Niederländern geführten Hotel grad neben dem Startplatz, ein. Inzwischen ists immerhin etwas wärmer geworden, ich schau mir St. Vincent, dass ich zwar schon oft überflogen, aber noch nie wirklich besucht habe, etwas näher an. Irgendwann bin ich dann bei der Burg angelangt und erkunde auch diese. Und hey, hier scheint mindestens ein Tandempilot zu wohnen, in diversen Räumen findet man alte Schirme oder Gurtzeuge, zudem hab ich alles offen vorgefunden, ein Büro mit allerlei Krempel, Wohnraum… Erst auf dem Rückweg hab ich das Schild “Propriété privée” gesehen…

Ich bin auf der Strasse von St. Jean nach St. Vincent gewandert, für den morgigen Tag will ich aber noch den Wanderweg von St. Vincent nach St. Jean und, falls vorhanden, von St. Vincent direkt aufs Plateau erkunden. Nach etwas rumfragen mach ich mich auf den Weg, begleitet von einem Hund, den ich die ganzen Weg über nicht mehr los werde. Kenne das Gebiet rund um die Dormillouse langsam recht gut, ist nicht das erste Mal, dass ich an diesem Berg irgendwo rumwandere.

Wieder im “Volantis” hab ich wieder mal die Möglichkeit, vor einen PC zu sitzen, einige Mails zu beantworten und das Wetter für die nächsten Tage genau zu studieren. Für morgen sieht es gut aus, etwas Südostwind, aber nicht viel, auch in der Höhe, danach ein weiterer wahrscheinlich fliegbarer Tag mit allerdings stärkerer Gewittertendenz, aber für die nachfolgenden Tage siehts schlecht aus. OK, ich hab demnach noch 2 Tage, um die Schweiz zu erreichen, könnte knapp werden…

5. Tag (Mittwoch, 14.05.2008)
Um 7 Uhr mache ich mich auf den Weg aufs Plateau. Der Tag startet mit blauem Himmel, wie man es sich wünscht. Als ich loslaufe windet es in St. Vincent immer noch etwas von Osten, allerdings nicht mehr annähernd so stark wie gestern, zudem rechne ich damit, dass mich die Dormillouse auf dem Plateau vom Ostwind schützt. Etwas vor St. Jean esse ich in einer einfachen Wirtschaft in einem Bauernhof z’Morge, weiter geht es an den Aufstieg aufs Plateau. Ich lasse mir Zeit und bin etwa um 9:30 Uhr oben. Inzwischen haben sich über Chabanon und Co schon einige Cumuli gebildet, Wind spüre ich keinen mehr, OK, ab und zu den Hauch eines Aufwindes. Ich habe Zeit, möchte keinen Absaufer riskieren und warte. Zudem startet man vom Plateau in eine Westflanke, eigentlich nicht offensichtlich, dass es hier am Morgen schon fliegt, aber ich weiss mittlerweile, dass es das doch tut. Auf dem Plateau wimmelt es von Murmeltieren, diese haben sich recht stark an die Touristen gewöhnt und sind deshalb auch nicht sehr scheu. Ist wunderbar, im Gras zu liegen und den wusligen Tieren zuzuschauen. Langsam bilden sich auch über der Dormillouse die ersten Wolkenfetzen und ich mache mich langsam bereit.

Um etwas nach 11 Uhr starte ich vom hinteren Startplatz des Dormillouse-Plateaus. Und wie im Bilderbuch gehts grad über dem Startplatz auf 2800m, über der Dormillouse dann weiter über 3000m. OK, das wäre geschafft, ich bin erleichtert, es scheint wirklich was drinzuliegen heute. Weiter geht es über den Lac de Serre Ponçon an den Cirque de Morgon, die markanten Wände bekannt von den Abendflügen. Dort muss ich etwas suchen, aber bald schon geht es wieder hoch auf 3000m und weiter. Danach ist erst mal hüpfen von der einen Südflanke zur nächsten angesagt, jeweils schnell gehts wieder hoch, die Höhe ist immer komfortabel.

Immer wieder stellt sich die Frage nach der Orientierung. Ich habe zuvor auf der Karte verschiedene Wege nach Norden angeschaut und möchte anstatt über Grenoble eine Route wählen, die mich etwas näher an Italien vorbei führt, da der Wind hier für den nächsten Tag etwas schwächer sein sollte. Bis Briançon kenne ich den Verlauf der Täler einigermassen, danach wirds allerdings schwammig, auch weil ich für das Gebiet zwischen Embrun und Albertville keine Karte dabei habe. In der Luft bin ich deswegen zunehmend froh, dass mein GPS eine eingebaute Karte mitbringt, diese benütze ich jetzt immer wieder zur Orientierung und nach den eingezeichneten Verkehrswegen fliege ich. Mit geeigneter Vergrösserung kommt Chambery und Albertville auf dem Display in Sicht, die Windprognosen für diese Region sind für den nächsten Tag gut und so versuche ich mich in diese Richtung zu bewegen.

Mittlwerweile habe ich Briançon passiert und bin mit dem Flug eigentlich schon fürs erste zufrieden, soviele Kilometer an einem Tag sind wunderbar. Zudem hab ich mich erst grad in einem sehr starken Schlauch aus einer halbwegs beunruhigenden Höhe wieder hochgeschraubt und bin froh, wieder etwas ruhigere Luft anzutreffen. Weiter gehts unter die nächste Wolke und zurück an die Basis auf 3500m. Um wieder entscheidend weiterzukommen werd ich in nächster Zeit mal eine etwas höhere Bergkette überqueren müssen, was nicht ganz einfach scheint. Die Höhe habe ich zwar, aber sinke ich nicht vielleicht zu stark über den langen, schneebedeckten Hängen? Was folgt ist das geilste, was mir bezüglich Thermik bis jetzt passiert ist: Eine Wolkenstrasse führt einfach genau dort entlang, wo ich durchfliegen möchte, schön an der Kante zu den Schneefeldern gehts zuverlässig, schnell und auch ruhig im Geradeausflug nach oben, über den Schneefeldern wieder langsam nach unten, die Basis befindet sich auf etwa 3800m, ich steige willentlich jeweils bis etwa 3600m und laufe so nie Gefahr, in einer Wolke zu verschwinden. Inzwischen ist schon der Grossteil der Berge abgedeckt, aber es geht nach wie vor zuverlässig und ich überquere diese hohe Barriere ohne den Ansatz einer Absaufgefahr. Ich kann jetzt sogar in der Thermik beschleunigt fliegen, kein Kreis, einfach gradaus, das GPS zeigt meist etwa 50km/h und ich befinde mich immer über 3000m. So geil!!! Die Orte, die auf dem GPS vor einiger Zeit noch weit weg waren sind auf einmal erreichbar, Höhe Grenoble habe ich schon locker erreicht und es geht weiter…

Nach mehr als 1.5 Stunden des Fliegens auf über 3000m komme ich wieder etwas aus den hohen Bergen raus und die Basis sinkt dementsprechend, ich muss mit runter. Leider sind die Hügel hier schon meist vom Talwind überströmt, ich komme nicht mehr super vorwärts und das Ganze ist auch wieder viel unruhiger zu fliegen. Mittlerweile habe ich Albertville als Ziel auserkoren, hier sollte ich schnell was zum übernachten finden können und auch ein Startplatz für den nächsten Tag wird wohl irgendwo in der Nähe anzutreffen sein. Zudem zeigen sich die Deckel der Gewitter weiter westlich in Annecy, langsam schieben sich diese auch nach Osten. Ich kämpfe mich weiter ins Tal nach Albertville, im Talwind gehts dann schnell bis vor die Stadt. Nach nicht mal 6 Stunden Flug lande ich vor Albertville. Was für ein Flug!

Zuerst muss ich mal was essen und die Eindrücke verarbeiten, das nimmt mal 1.5 Stunden in Anspruch… Danach gehts in Albertville ans Suchen einer Übernachtungsmöglichkeit. Allerdings passts mir hier gar nicht, auch einfache Hotels sind teuer und so stöpple ich weiter ins nächste Dorf Ugine. Das hat noch einen weiteren Vorteil: Wie gesagt, von Embrun bis Albertville habe ich kein Kartenmaterial, Ugine befindet sich aber grad wieder auf der Segelflugkarte der Schweiz, habe also elegant unbekanntes Gebiet überbrücken können :-) Wie auch immer, in Ugine finde ich schnell eine sympatische kleine Herberge, geführt von einigen Jungen, ist eine gemütliche Atmosphäre beim z’Nacht. Zudem bekomme ich von einem anderen Gast auch grad noch Infos zu einem Startplatz oberhalb Ugine, unmittelbar um Albertville kennt er nichts, Glück gehabt! Inzwischen ist 22 Uhr, ich bin nur noch müde und morgens wartet erst mal eine längere Wanderung, bald liege ich im Bett.

Hier der Flug zum 5. Tag auf xcontest.

6. Tag (Donnerstag, 15.05.2008)
Tja, ich hätte eigentlich noch eine letzten guten Flugtag erwartet, aber nix wars. Um 6 Uhr mache ich mich auf den Weg an den Startplatz auf dem Col de la Forclaz (ja, auch hier gibts einen Pass mit dem Namen) und nach 2.5h erreiche ich ihn endlich. Aber leider hat sich die Sonne bis jetzt noch nicht gezeigt, im Gegenteil, langsam kriege ich Angst, ob’s denn noch zu regnen beginnen könnte. Und siehe da, eine halbe Stunde später tröpfelt es und ich mache mich wieder auf den Weg runter.

Es ist mir klar, dass heute nicht mit Thermik zu rechnen ist und ich somit auch nicht mehr unbedingt irgendwo hochlaufen muss um starten zu können, deshalb nehme ich mir vor nach St. Gervais zu wandern um von dort aus mit dem Zug über Chamonix nach Matigny zu gelangen. Sind von Ugine aus doch immerhin etwas mehr als 20km. Bis Praz (etwas mehr als die Hälfte) komme ich recht zügig voran, aber die Strasse, auf der ich unterwegs bin, ist stark befahren und nicht eben breit, sprich mühsam zu laufen. Danach gebe ich auf und reise per Autostopp weiter nach St. Gervais. Von dort gehts mit perfektem Anschluss per Zug nach Chamonix.

Es ist erst etwas nach 12 Uhr und ich beschliesse, in Chamonix noch einen Flug von der Mittelstation der Aiguille du Midi zu machen. Das stellt sich nicht eben als eine schlaue Idee heraus, ich zahle 18 Euro dafür, von der Mittelstation mit viel Rückenwind im Nieselregen einen Schneehang runterzurennen… Immerhin bekomme ich den durchnässten Schirm beim zweiten Anlauf doch in die Luft und so gibts zumindest noch ein kurzes Flügli direkt ins Tal (davon gibts kein Track ;-) ).

Nachdem ich im Touristenmekka Chamonix noch was zu essen gefunden habe gehts per Zug weiter nach Martigny. Am Zoll errege ich mit dem grossen Sack grad noch Aufmerksamkeit und ich muss den Rucksack leeren, aber zumindest den Schirm nicht auch noch auslegen… Die Fahrt bis Martigny ist dann allerdings spektakulär, hier auf 3000m (soviel möchte ich mindestens, denn landen kann man in dem engen und vor allem tiefen Tal nicht wirklich) drüber zu fliegen muss ganz speziell sein. Auch eine Schulklasse ist beeindruckt. In Martigny muss ich noch schnell ein Problem mit meinem ungültigen Übergangs-GA klären, danach gehts aber weiter nach Visp, durch den neuen Lötschberg auf die Alpennordseite und schlussendlich nach Hause nach Luzern.

Schade, das es am Schluss nicht ganz gereicht hat, aber die Prognosen für die nächsten Tage waren schlecht und einfach festsitzen in Ugine und auf bessere Zeiten warten wollte ich nicht. Trotzdem wars ein super Erlebnis, kanns einfach nur empfehlen. Hier in den Alpen benötigt man dazu wirklich fast nichts, die Gleitschirmausrüstung plus einige Kleider reichen, eine Karte mag auch noch ganz praktisch sein. Dann aber kanns losgehen, egal ob Leicht-, Standard- oder Streckenausrüstung, wie ich sie dabei hatte, das Ganze ist in Mitteleuropa sowas von problemlos. Natürlich kommt man ab und zu nicht ums rauflaufen rum, aber wen das nicht stört, der solls wirklich mal versuchen.

Ich werd in den nächsten Wochen versuchen, in der Schweiz noch einige hoffentlich weitere Flüge zu machen, aber so mitte Juni werd ich mich nochmals in der gleichen Weise auf den Weg machen, einige Kleider einpacken und starten. Wohin es gehen soll weiss ich noch nicht, für Frankreich bin ich immer zu haben, das Land gefällt mir einfach super und meinem Französisch tuts gut, aber von mir aus kanns auch in Richtung Österreich oder Slovenien gehen. Bei Interesse einfach melden.

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  1. paraglog
    23. Mai 2008, 01:51 | #1

    Wirklich super!!!! Gefällt mir gut. Muss sagen ein untalent zu schreiben hast du nicht gerade (hat man das verstanden??).
    Vorallem der Flug von der Dormiullous nach Albertville ist ja wohl voll geil. Gratulation.
    Ich kann dir gar nicht sagen wie gerne ich mit dir so durch die Gegend tingeln würde….
    Immerhin, für mein Wochenende (Montag ist frei: Memorialday) siehts wirklich gut aus. Hab auch Kontakt mit dem dortigen Guru gehabt und freue mich richtig auf ein paar XC Flüge hier im Flachland.
    Viel, viel Spas noch….

  2. donLAMCO
    25. Mai 2008, 20:37 | #2

    Spannend zu lesen Urs. Die paar gefährlichen Situationen mit Lee und so konnte ich gut nachvollziehen… :-)

    Bis bald wiedereinmal am Startplatz.. (in der Luft kann ich ja nicht sagen, bist ja dann meistens schon weg, wenn ich starte… :-)

  3. AirNatuk
    25. Mai 2008, 22:34 | #3

    Habs nochmals durchgelesen und, ehrlich gesagt, finde es nicht so sehr gut geschrieben… Einfach so schnell hingesudelt, kein schönes deutsch… Werds aber nach und nach noch etwas überarbeiten, Fotos kommen auch noch rein.

    Hey Christoph, schreib, ob es gegangen ist zum Fliegen und wie’s war und auf was du achten musstest, interessiert mich die Flachlandfliegerei…

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