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Haldigrat am 13.04.2008

Seit langer, langer Zeit sieht die Prognose für die Zentralschweiz, eigentlich sogar für die ganze Schweiz, wieder mal ganz gut aus. Schon seit langem möchte ich wieder mal von einem Innerschweizer Hügel zu einem Streckenflug starten, der Frühling ist die bevorzugte Zeit zum Fliegen in den Voralpen und das soll sich endlich mal ausgehen. Zudem bin ich grad diesen Sonntag froh, etwas länger ausschlafen zu können.
Obwohl, ausschlafen bis halb neun… Eigentlich nicht der Rede wert, da stehe ich unter der Woche meist nicht früher auf :-)

Aber die Sonne scheint, nicht eine Wolke ist zu sehen, um 10 Uhr oder etwas danach fährt das Büsli ab Dallenwil nach Niederrickenbach. Sämi hats auch noch geschafft und so um halb elf stehen er, Pädi und ich auf dem Haldigrat. Nach einer heissen Schoggi bilden sich auch schon die ersten Wolkenschwaden und ich muss in die Luft.

An solchen Tagen ist’s meist klar, dass man sich nach dem Start nicht mehr sieht. Ist etwas schade, fliegen ist schon eine elende Egosache… Dabei wärs doch u.U. gut zu machen, zusammen irgendwo hinzufliegen, vielleicht ists manchmal sogar etwas leichter, wenn man sich gegenseitig Steigen anzeigen kann. Würde das gerne mal versuchen, Bruno, Pädi oder Christoph, ihr wärt doch Kandidaten, die sicher gerne bei einem schönen Streckenflug mit dabei wären. Denke das kriegen wir schon noch hin…Werde auch ganz brav nicht stressen am Morgen ;-)

Ich hab mir einige Gedanken gemacht, in welche Richtung ich unterwegs sein möchte. Die Windprognose hat den Flug nach Osten eigentlich vorgegeben, aber ich habe immer noch superschöne Erinnerungen an einen Flug etwa zur selben Zeit im letzten Jahr. War ein super Tag, auf 3300m über Interlaken und eine einmalige Aussicht an die Berner Alpen und übers Mittelland. Zudem rund um Interlaken an jedem Hang farbige Punkte, einfach richtig speziell. Möchte schauen, ob sich das wiederholen lässt und entscheide mich deshalb für den Flug nach Westen.

Der Haldigrat erweist sich wieder mal als zuverlässig, was das Thermikfliegen angeht. Nach dem Start kann man meist unverzüglich nach Osten oder Westen losfliegen, auf einen Schlauch, der einem nach oben befördern wird, wird man schon treffen. Es geht denn auch nach oben, nicht sehr schnell, aber schon wenig Höhe reicht aus, um rüber auf die morgens besser besonnte Westseite des Engelbergertals weiterzufliegen. Dort gehts den auch sehr zuverlässig nach oben auf ca. 2300m und weiter ins Melchtal. Dieses erweist sich als zäh, jeweils tief geht es an die nächste Flanke, von der ich mir etwas Thermik erhoffe aber nicht wirklich kriege. Im kleinen Melchtal muss ich mir dann endgültig Mühe geben, um oben zu bleiben, irgendwann gehts aber zusammen mit einem Mäusebussard doch wieder himmelwärts. Ist immer wieder schön. Danach problemlos weiter, an Lungern vorbei und über Hasliberg endlich zügig an die Wolke.

Hier ist der prognostizierte Südwestwind deutlich zu spüren, auf dem Weg in die Höhe bläst es mich in Richtung Hochstollen. Zudem habe ich im Hinterkof, dass gegen Abend die Föhntendenz zunehmen wird und hier ist halt eine der Stellen der Schweiz, wo man das recht schnell merkt. Die Basis liegt hier auf 2700m, eine angenehme Höhe zum Überqueren des Brünigpasses an das Wilerhorn und damit an die Rennstrecke dem Brienzersee entlang. Etwas vor der Flanke des Wilerhorn gehts dann los, ich komme fast nicht mehr vorwärts, stehe manchmal sogar in der Luft und habe Angst, dass es mich über den Brünig nach Lungern ins Lee blasen könnte. Natürlich ist es zudem wirklich turbulent und runter gehts manchmal fast wie ohne Schirm. Es fühlt sich definitiv nicht toll an, ich denke an Föhn und möchte nur weg von diesem Übergang an die nächste Flanke, wo’s mich dann zumindest nicht ins Lee sondern in die Höhe blasen sollte und ich damit wieder mehr Optionen hätte. Zum Glück geht sich das aus, am Wilerhorn gehts, zuerst mit Wind, dann in starker Thermik schnell wieder nach oben. Was das über dem Pass genau war weiss ich nicht, aber auf jeden Fall nichts, was ich öfters mal erleben möchte. OK, über Pässen trifft man natürlich oft auf Ausgleichsströmungen, aber irgendwie hat mich das abrupte und unerklärliche Sinken und Steigen schon deutlich an unseren Nordföhnflug am Tamaro erinnert.

Ich freue mich auf endlich entspanntes und vor allem schnelles Fliegen am Brienzersee entlang nach Interlaken. Zuverlässig gehts wie immer, dem Grat entlang kruble nicht einmal, aber der Südwestwind verdirbt mir den Genuss, es geht nur langsam vorwärts und voll in den Beschleuniger zu stehen traue ich mich auch fast nie, es ist mühsam hackig. Die Thermik ist nach wie vor zuverlässigst aber der Wind wird immer stärker und langsam machts keinen Spass mehr. Nach dem Harder gehts halb im Beschleuniger teilweise nur noch mit 10-15km/h vorwärts, ich gebe auf und wende in Richtung Nordwesten, flacherem Gelände entgegen.

Das reizt mich jetzt wirklich, mal keine Kante oder irgendwelche Hänge, wo’s eh zu 100% fliegt, sondern dahinhüpfen über flaches Gelände mit weiter Aussicht in alle Richtungen. Und die Cumuli sehen zuverlässig aus. Endlich mit einer Rückenwindkomponente unterwegs gehts schnell am Hohgant vorbei in Richtung Emmental. Es macht wirklich Spass, mit Leichtigkeit gehts wieder hoch, die Berge sind inzwischen zu niedrigen Hügeln geworden und mit manchmal fast 60km/h gehts im Nu bis über Langnau. Mittlweile bin ich etwas tief, aber hier gehts doch wieder bis fast an die Basis, die hier halt auch etwas tiefer ist.

Ich fühle mich sicher, fliege weiter, sehe schon, dass es etwas abgeschattet aber mache mir nicht wirklich viele Gedanken, immerhin hats Wolken und irgendwo werd ich sicher wieder in einen Schlauch fliegen. Wieder mal lehrreich, Abschattung im Flachen ist halt einfach der Tod, keine Felswände, die noch lange Wärme abgeben oder Flanken, an denen man sich im Talwind zumindest wieder retten kann. Ich habs verpasst etwas weiter westlich zu fliegen, dort wärs sonniger gewesen, aber hier geht’s nicht lange und ich checke den weiteren Flugweg auf Felder, die sich zum Landen eignen würden. Irgendwann bin ich zu tief, um überhaupt noch über die nächste Kuppe (welche vielleicht 60-80m hoch ist) zu kommen und entscheide mich zu landen. Immerhin trägts an dieser Kuppe doch noch einige Zeit (notabene ein Gemisch aus Thermik und Talwind, der ins Entlebuch strömt, aber zum retten reichts nicht aus), ich kämpfe noch 20 Minuten, gebs dann auf und lande 20m weiter unten.

Wo bin ich eigentlich? Ich habe Glück, wandere nicht lange sondern werde schnell von einer Familie mitgenommen, von denen erfahre ich dass ich in der Nähe von Wasen im Emmental gelandet sei. OK, dort war ich sicher noch nie ;-) In Ramsei werd ich ausgeladen, den Weg, den ich eigentlich mit dem Schirm hätte machen sollen, gehts jetzt halt mit dem Zug zurück nach Luzern.

Der Flug übers Flache (Flächere) war wirklich ein Highlight. Hat echt viel Spass gemacht, mit Rückenwind richtig schnell vorwärts zu kommen, über Dörfli, Hügel, Wälder und Wiesen zu fliegen war wirklich deluxe. Zudem hats mir die Durchschnittsgeschwindigkeit gerettet.

Nach diesem Abstecher halte ich es definitiv für möglich, an einem guten Tag das Mitteland queren zu können (jemand hat’s, wie’s scheint, sogar versucht und ist immerhin fast bis Zofingen gekommen), bis an den Jura ists gar nicht so weit vom Bernbiet aus. An dieser Stelle hats zudem nur eine Luftstrasse, welche auf FL70 liegt und unterflogen werden muss, das sollte nicht wirklich zum Problem werden. Aber wenn ich dann jemals im Jura ankomme regnet es dort sicher in Strömen… ;-)

Leider bin ich zu unvorsichtig geworden, der Flug weiter bis Willisau und danach zurück nach Luzern wäre, grad mit der Rückenwindunterstützung, auf jeden Fall möglich gewesen, ist echt schade. Aber hat Lust auf mehr gemacht und werde ich sicher nochmals versuchen.

Hier der Flug auf xcontest.

Sebastian hat im Wallis einen super Flug machen können und hat den Tag fast (neuerdings, in Frankreich wird offensichtlich auch weit geflogen…) gewonnen. Gratulation!

Fotos gibts keine, der Akku war leer… :-(

Uersel Cross Country , ,

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