Mornera am 05.03.2008
Im Moment komm ich nicht um lange Zugfahrten rum. Da das Wetter in den letzen Wochen auf der Nordseite unsäglich schlecht ist und wahrscheinlich noch am August ab 1000m.ü.M. Schnee liegen wird gehts regelmässig in den Süden, heute ins Tessin. Ich möchte trotzdem nur so kurz wie möglich im Zug sitzen, deshalb statte ich Mornera einen Besuch ab, meinen ersten. Von Bellinzona aus ist das schnell erreicht.
Trotzdem dauert die Fahrt halt eine Weile. Auf solchen Hinreisen sitze ich jeweils vor der Segelflugkarte und schmiede (immer sehr optimistische) Streckenpläne. Heute solls zuerst das Misox rauf bis an den San Bernardino, dann Wende nach Westen, querfeldein nach Airolo, wiederum eine Wende nach Süden, dem Maggiatal entlang nach Locarno um dann der Magadinoebene entlang mit einem kleinen Abstecher nach Valcolla zurück nach Bellinzona zu fliegen. Ein etwa 150km FAI-Dreieck, easy…
In Mornera gibts einen edlen Startplatz bedeckt mit grünen Teppichen, soviel weiss ich. Aber wo eigentlich? Leider ist bei der Bergstation nichts angeschrieben, also frage ich und man zeigt mir einen Weg und “einfach dem Weg nach…”. Also nehme ich diesen, doch bald schon wartet die erste Abzweigung. Ich habe keine Ahnung, nehme den Weg nach oben (…nach oben ist immer gut…) und folge ihm ein Stück. Irgendwann gehts für meinen Geschmack zu weit in eine falsche Richtung, ich kehre um und nehm an der besagten Abzweigung halt den Weg nach unten… Bald stehe ich zwischen einigen Häusern, über diesen fliegen 2 Gleitschirme und ich ärgere mich. Ich frage ein weiteres Mal, es scheint so, als dass meine erste Routenwahl doch nicht so schlecht gewesen wäre. Also gut, auf ein Neues, irgendwann finde ich tatsächlich einen Wegweiser mit der Aufschrift “Para” und 5 Minuten später habe ich das Objekt der Begierde gefunden! Man haut eine Schneise in den Wald und legt das Ganze sogar mit Teppichen aus, warum ist das Kunstwerk nicht mehr Wegweisertafeln wert?
Ich beginne den Schirm auszulegen, bis plötzlich weiter unten was raschelt. Ah, da hängt ja einer in der Tanne… Ich helfe, gemeinsam versuchen wir die Leinen des gelben Alphas aus den Ästen zu befreien. Hoffnungslos. Zu meiner Überraschung verschwindet der Pilot alsdann im Wald und kommt mit einer Leiter und einer Säge wieder! Die haben dort ein ganzes Arsenal an Werkzeugen für diesen Fall, scheint hier öfters mal das Resultat eines Fehlstarts zu sein.
Wie auch immer, um etwas nach 12 Uhr komm ich dann doch noch in die Luft. Nach etwas soaren gehts rauf und ich quere den Ausgang der Leventina. Am Hang über Lumino hängen auch einige Segelflieger, die vom kleinen Flugfeld in San Vittore hier in die Thermik geschleppt werden, zusammen mit denen gehts schnell wieder rauf. Aber es ist auch sehr hackig hier, fühlt sich an wie ein langer Acroflug
, also so schnell wie’s geht weiter ins Misox, getreu meinen Streckenplänen.
Hier ist der Himmel schon recht stark abgedeckt, aber der untere Teil der südöstlich ausgerichteten Talflanke wird noch von der Sonne beschienen und darüber fliegts gratis. Seit Lumino schneits auch regelmässig ein wenig, was aber nicht weiter stört. Das Misox rauf fliege ich insgesamt 2 oder 3 Kreise, ansonsten alles gradaus, manchmal geht es rauf auf 2600m, dann wieder runter auf 2400m, wieder rauf, runter… Der obere Teil des Misox dreht etwas gegen Nordwesten, hier fängt es an, nur noch runter zu gehen, zudem ist alles abgedeckt, es schneit wieder mal und ich fliege gegen einen mässigen Nordwind. Den San Bernardino erreich ich so nie, auch weiter nördlich und westlich ist alles dunkel und schattig, ich schlage mein FAI in den Wind und kehre um. Etwas weiter unten möchte ich trotzdem noch ins Calancatal wechseln, nachdem ich die Höhe hätte, sehe ich dort nur Schatten und bleibe deshalb im Misox. Immerhin gehts das Tal runter mit der selben Leichtigkeit wie das Tal rauf, nur die Wolken sind etwas dunkler, die Sonne ist fast nirgends mehr zu sehen und es schneit stärker.
Ich möchte da weg, südlicher siehts freundlicher aus. Also auf über die Hügel um Carena und Isone. Mittlerweile ist auch hier vieles abgeschattet, ich ärgere mich und verfluche diese Scheisswolken, aber rauf gehts trotzdem… Gerne möchte ich weiter an diesen Hügeln nach Süden fliegen, aber leider versperrt hier die CTR des Flughafens Lugano den Weg. Also Wechsel der Seite, am Monte Tamaro solls weitergehen. Aber hier stockt die Reise für einen Moment. Erfahrungsgemäss fliegts an dem Berg nie gut, das weiss ich, aber heute gehts doch überall gratis, warum jetzt nicht auch hier? Wieder mal zeigt sich (nach einigem erfolglosen Kratzen), dass für diese Probleme das Rezept “einfach weiterfliegen” das Beste ist, geländenah gehts in Richtung Monte Lema und kurz darauf auch wieder rauf. Natürlich möchte ich jetzt an den Lema weiterfliegen, lasse es aber weil dieser schon seit längerem im Schatten liegt und ich keine Wolke darüber sehe (wahrscheinlich wärs trotzdem gegangen).
Inzwischen hab ich mir einen neuen Plan zurechtgelegt, Querung über den Lago Maggiore und Locarno, an der Cimetta wieder rauf und dann der Magadinoebene entlang zurück nach Bellinzona. Über Indemini finde ich den geilsten Schlauch des Tages und ganz ruhig gehts mit 7-8m/s das erste (und einzige) Mal an die Basis auf etwa 3000m. Ist echt wahnsinnig, wenn das Vario schreit und es einem in den Himmel schiesst, man aber trotzdem völlig ruhig kreisen kann. Das Rausfliegen ist jeweils nicht so toll, aber immerhin ist klar was einem erwartet… Auf zur langen Querung, geniessen, Fotos machen, langsam drückt die Blase. Auch das Gummiband, mit dem ich den Beschleuniger am Beinsack befestigt habe, muss noch schnell reissen, so dass ich auf dem Rest des Fluges jeweils die grösste Mühe habe, den Beschleuniger mit den Füssen im Beinsack zu finden.
An der Cimetta komme ich recht tief an und suche deshalb auch eine Weile, habe aber Glück, dass der Berg in der Sonne liegt und so gehts zuerst langsam, danach immer schneller wieder rauf. Ich weiss jetzt, dass ichs wirklich zurück nach Bellinzona schaffen kann und drehe deshalb alles, was ich finden kann, bis zu oberst aus, immerhin ist schon 17 Uhr. Aber es geht immer noch sehr zuverlässig und über Mornera geniesse ich es nochmals so richtig, drehe bis auf 2700m in feiner Abendthermik und komme so hoch über Bellinzona an. Nach etwas Stadtrundflug lande ich nach knapp 5.75 Stunden Flugzeit etwas vor 18 Uhr in Bellinzona.
Noch vor dem Flug hat mir Sebastian ein SMS geschickt und mitgeteilt, dass er an der Cimetta starten wird (hey, hätt ich’s früher gewusst wär ich an die Cimetta), ich treffe ihn plus 2 Kollegen hier in Bellinzona und gemeinsam gehts zurück auf die Nordseite.
Endlich der erste richtige Streckenflug in diesem Jahr. Es war supereinfach, ausser an der Cimetta hats nie nach absaufen gerochen, wirklich zum geniessen. Jetzt gilts halt, schneller zu werden, die Durchschnittsgeschwindigkeit ist wieder mal unter aller Sau. Dazu werd ich schätzungsweise das Drehen in starker Thermik verbessern müssen, glaube, dass dies mit dem Peak noch nicht opimal klappt. Zudem muss ich wieder mal was am Beschleuniger ändern, halb beschleunigen geht zwar gut und tu ich auch meistens, aber voll beschleunigt ist die Sitzhaltung mit der jetzigen Einstellung sehr unbequem, passt so nicht wirklich. Aber Probleme sind (hoffentlich) erkannt, werden (hoffentlich) nächstes Wochenende angegangen. Dann schaff ich auch das 150km FAI…
Hier der Flug auf xcontest.
Das war ja ein schöner Flug. Da kann man doch gleich neidisch werden. Leider musste ich an ein grosses Geburtstagsfestli…. tja.
. Bin noch einzweites mal gestartet mit einem dieser Alu Dinger von Skywalk (Poison 2). Ist ech dünn das Ding. Wie auch immer, nach ein wenig kratzen und weiteren 40 Minten sind wir dann zusammen am Landeplatz angekommen. Hab gewonnen, hehe. Dann noch ein mega Sonnenuntergang, rauffahren und ganz glücklich und zufreiden auf den Heimweg machen. Und wenn sie noch nicht gestorben sind leben sie heute noch…..
Heute Abend bin ich aber noch an den Zugi. nach einer halben Stunde soaren hatte ich genug Höhe um wieder reinzulanden
Glaub ich, war ja so ein schöner Tag.
Den Poison2 würd ich auch gern mal versuchen, wäre sicher was tolles! Das Tuch ist etwas dünn, vielleicht erst mal ein Jahr warten und schauen, wie sich die Sache bewährt… Falls ihn jemand kaufen möchte.
Zudem würds mich interessieren, wie das silbrige Tuch in der Luft aussieht.