Osterausflug nach Bergamo
Tatsächlich haben sich einige gefunden, die ganz kurzfristig mit dabei waren, in Bergamo auf schöneres Wetter als das für die Schweiz prognostizierte zu warten. Pädi und ich sind am Freitag los, Bruno und Stefan sind am Samstag nachgekommen.
Freitag
Um zu vermeiden, dass der allösterliche Gotthardstau um eine Autolänge länger wird, sind wir schon um 4 Uhr morgen losgefahren. Leider hat uns auch auf der Südseite nicht wirklich gutes Wetter erwartet, viel hohe Schichtbewölkung, die Sonne war vorerst nicht zu sehen, aber zumindest wars angenehm mild und geregnet hats auch nicht. Um 8 Uhr eine dickflüssige heissi Schoggi getrunken, um 9 in der fast ausgebuchten Jugi in Bergamo 2 Betten reserviert und anschliessend immer noch optimistisch weiter ins ca. 15km entfernte Albino auf die Suche nach der Seilbahn auf den Monte Rena.
Irgendwie haben wir den Fahrplan dieser Seilbahn nie richtig durchschaut und da das Wetter immer noch keine Anstalten machte freundlicher zu werden, sind wir halt raufgelaufen. Der Weg war nicht lang aber zum deftig schwitzen hats gereicht, oben angekommen hat uns die steife und kühle Brise umgehend mehr als wirklich nötig abgekühlt, so dass wir uns nur kurz auf die Suche nach dem Startplatz gemacht und bald in einer Beiz auf bessere Zeiten gewartet haben.
Ach ja, die kurze Startplatzsuche hat immerhin ausgereicht, in Kontakt mit einigen fliegenden Italienern zu kommen, welche uns netterweise um 13 Uhr einen Transport zum Startplatz versprochen hatten. Dort sind wir dann auch angekommen, Westwind hat uns empfangen und trotz Warnungen, nicht zu starten, haben wir uns doch dafür entschieden, zumindest ein Flügli nach unten zu wagen. Der Wind war in der Luft noch etwas stärker als am Start und hat einem auch zügig nach oben gehoben. Leider wars mit der angesprochenen Warnung der Unsicherheit zuviel (mit etwas mehr Gebietserfahrung hätte man locker und gemütlich soaren können) und wir sind schnurstracks zum Landeplatz geflogen. Oder besser gesagt zu dem Platz, von dem wir erwarteten, der reguläre Landeplatz zu sein, nämlich ein Fussballfeld. Wir hättens eigentlich wissen müssen, in Italien darf man nicht davon ausgehen, dass man Fussballplätze für irgendwas anderes ausser Fussball nutzen soll, so auch nicht zum Landen. OK, man hats locker aufgenommen und uns abgekauft, dass wirs nicht wissen, sind halt nur naive Touristen.
Wie auch immer, nach dem kurzen Flüglein gings schon etwas desillusioniert zum Auto zurück und wir haben uns darüber Gedanken gemacht, wie wir Bruno belügen könnten damit er tags darauf doch noch runterkommt
Das hätte es bezüglich des ersten Flugtages schon gewesen sein können bis Pädi bemerkt hat, dass er den Autoschlüssel nicht mehr hat. Nun gut, überlegen, wo waren wir, wann waren wir dort, was war wo… Pädi ist als dann nochmals den Berg rauf nach Selvino gelaufen, ich in die andere Richtung zum Landeplatz. Meine Suche war nicht von Erfolg gekrönt, dafür Pädi’s, Schlüssel glücklicherweise in der Beiz wiedergefunden und eine Stunde später auf dem Weg in die Jugi.
Am Abend Bergamo, oder besser gesagt die Umgebung der Jugi, zu Fuss etwas besichtigt und doch noch ein Restaurant gefunden, um etwas essen zu gehen…
Samstag
Ich habe schnell schon bereut, erst um 8 Uhr aufgestanden zu sein. Um ca 9:30 Uhr haben wir uns von Albino her wiederum zu Fuss in Richtung Selvino aufgemacht und schon jetzt war klar, dass ein Hammertag vor uns liegen würde, recht unerwartet nach dem gestrigen.
Wir hatten wieder mit den Locals um 13 Uhr bei der Bergstation abgemacht, aber in Anbetracht der geilen Bedingungen wollten wir schon zuvor etwas fliegen gehen. Auch hatten wir erfahren, dass Bruno und Stefan noch kommen würden, auch mit ihnen hatten wir um 13 Uhr bei der Bergstation abgemacht. Allerdings wurde schon beim Aufstieg klar, dass es knapp werden könnte, zuvor schnell fliegen zu gehen und wie abgemacht am Treffpunkt zu erscheinen. Dazu muss man wissen, dass der Startplatz am Monte Rena noch lange ncht erreicht ist, wenn man mal Selvino, das Dörfchen auf dem Gipfel, erreicht hat, zu Fuss ist man von dort noch gut und gerne 45 Minuten unterwegs. Nachdem wir uns wegen mir auch noch verlaufen hatten, haben wir dann kapituliert und die verbleibende Zeit in einer gemütlichen Gartenbeiz abgesessen, mit Tee, italienischen Tapas und einem Bier
.
Irgendwann aber haben wir den Startplatz doch noch ereicht. Dort wartete wie erwartet ein heftiger thermischer Aufwind, in einer schwächeren Phase bin ich dann raus. Das es rauf gehen würde stand ausser Frage, die Wolken waren mittlerweile schon etwas grösser und dunkler geworden und nachdem man den Berg überhöht hatte (was nach 10 Sekunden der Fall war, da man ja auf dem Gipfel startete
) konnte man sehen, dass es über der Hügelkette weiter östlich schon regnete. Das hat mich dann dazu bewogen, topzulanden, oder zumindest es zu versuchen. Uff, habe einige Anläufe benötigt, war schwierig, spektakulär für die Zuschauer und gefährlich für mich. Zumindest hab ich’s irgendwann doch noch geschafft, nach diesen Manövern weiss ich, dass man auch mit dem Peak in turbulenter Luft rumsauen kann. Hat definitiv Sicherheit gegeben. Auch Bruno war inzwischen gestartet und hat sich wieder reingewürgt.
Etwas später hatte sich die Situation wieder beruhigt, durch die Abschattung weiter hinten sind die hohen Wolken in sich zusammengefallen und auch der Aufwind am Start war nicht mehr ganz so heftig. Als dann etwa 5 Gleitschirme, kommend von Cornizollo, den Monte Rena überflogen haben bin ich auch wieder gestartet. Bruno hat uns auch gleich einen würdigen Startschlauch gezeigt, in dem es mit 6m/s im Durchschnitt nach oben ging, juhuuu, es geht auch mit dem Peak! Frühling pur, weiter in Richtung Osten, mit mehr als genügend Höhe bis an die nächsten Hügel und natürlich wieder rauf, einfacher gehts kaum. Ein weiter Flug wurde es nicht, vom Monte Rena zum Monte Farno und danach über ein Seeli, danach wieder umgekehrt und mit ca. 2 Mal aufdrehen wieder zurück um hoch über dem Rena anzukommen. Nach der Landung war für mich die Welt wieder in Ordnung, wie’s schien nicht nur für mich.
Den Tag ausklingen liessen wir mit einem Grillabend, Bruno und Stefan haben sich auch grad entschieden, dort die Nacht im Auto zu verbringen.
Sonntag
Zum Sonntag gibts nicht viel zu schreiben. Nach dem wundervollen Samstag hatten wir um 9 Uhr bei der Seilbahn abgemacht, aber schon nach dem Aufstehen war klar, dass dies ein ganz anderer Tag werden würde. Es hat geregnet und geschneit und da für die folgenden Tage Nordföhn prognostiziert wurde haben wir uns auf dem Heimweg gemacht. Natürlich mit einem Zwischenstopp bei der Talstation der Seilbahn auf den Monte Tamaro, wo’s aber schon vernünftig geblasen hat. Nachdem irgendwann auch ich davon überzeugt werden konnte, dass sich eine Fahrt nach oben nicht rentieren würde gings zurück auf die Nordseite.
Ein Tag war prächtig, die anderen zwei nicht wirklich zu gebrauchen, somit etwas viel Aufwand in Anbetracht der Ausbeute. Aber immerhin einige Thermikstunden mehr am neuen Schirm, was nicht schaden kann, und einige Eindrücke aus Italien.
Hast du dir eine neue kammera gekauft?
Jep, wieder eine kompakte.